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Merken   Drucken   23.12.2011, 20:11 Schriftgröße: AAA

Abgestürzter Militärsatellit: Russische Erfolgsrakete Sojus wird zum Problemfall

Es ist eine beispiellose Pannenserie: Erneut versagt die eigentlich zuverlässige Sojus. Ein Satellit stürzt ab. Der Schaden für das Image der Raumfahrtnation Russland ist groß.
© Bild: 2011 AP/dapd/Dmitry Lovetsky
Es ist eine beispiellose Pannenserie: Erneut versagt die eigentlich zuverlässige Sojus. Ein Satellit stürzt ab. Der Schaden für das Image der Raumfahrtnation Russland ist groß. von Gerhard Hegmann  München
Russland steht am Wendepunkt von einer zuverlässigen zu einer unsicheren Raumfahrtnation. Das Land verlor durch den Fehlstart einer Sojus-Rakete einen militärischen Kommunikationssatelliten. Dieser stürzte ab und schlug vermutlich in Sibirien auf. Berichte über Schäden gibt es nicht.
Es ist der zweite Fehlstart der zuvor extrem zuverlässigen Sojus-Rakete in diesem Jahr. Bereits im August kam es zu einem Versagen einer Oberstufe. Die Rakete hatte zuvor über 1700 Starts ohne Fehlschlag absolviert- ein Rekord. Die erneute Panne ist bereits die fünfte fehlgeschlagene Raumfahrtmission der Russen in diesem Jahr.
Internationale Raumstation ISS   Internationale Raumstation ISS
Bei der jetzt fehlgeschlagenen Mission mit dem militärischen Kommunikationssatelliten Meridian 5 kam es kurz nach dem Start vom nördlichen Raketenstartplatz Plessezk zum Versagen der dritten Stufe. In Industriekreisen heißt es, dass nach 427 Sekunden des Fluges der Kontakt abriss. Es soll zu einer Wölbung im Triebwerk und möglicherweise zum Durchbrennen von Teilen gekommen sein.
Die Sojus-Rakete ist das Arbeitspferd der russischen Raumfahrt, neben der schweren Proton, die ebenfalls in diesem Jahr schon versagte. Die Sojus, die von Baikonur in Kasachstan, von Plesszek in der Nähe des Nordpols und seit diesem Jahr auch von Kourou in Französisch-Guayana gestartet wird, transportiert Fracht, Satelliten aber auch Menschen ins All.
Nach der Stilllegung der Space-Shuttle-Flotte der USA ist die Internationale Raumstation (ISS) derzeit auf die Versorgung durch russische Technik angewiesen. So startete erst am 21. Dezember eine Sojus mit einem Russen, einem Amerikaner und einem Niederländer zu einem reibungslosen Flug zur ISS - und dockte dort am Freitag erfolgreich an.
Welche Folgen die jüngste Panne hat, ist noch unklar. Der nächste Start ist für den 28. Dezember geplant. Dann soll die Rakete von Baikonur mit sechs Globalstar-Kommunikationssatelliten abheben. Dieser Start wird über den europäischen Raketenvermarkter Arianespace abgewickelt. Für den 26. Dezember ist der Start einer Proton-Rakete vorgesehen.
Schon vor dem jüngsten Fehlschlag hatte Kremlchef Dmitri Medwedew den Schuldigen für die Raumfahrt-Rückschläge mit drastischen Worten eine Bestrafung angedroht. Durch die Pannen verliere Russland seine Konkurrenzfähigkeit im Wettbewerb im All.
Branchenkenner verweisen auf unzureichende Qualitätskontrollen und Dokumentationen in der Raumfahrttechnik. Es gebe inzwischen erhebliche Fehler durch menschliches Versagen. So wurden bereits falsche Treibstoffmengen bei der Proton-Rakete getankt.
Mit Verärgerung reagierten westliche Experten auch auf das Verhalten der Russen bei der fehlgeschlagenen Marsmission mit dem gut 13,5 Tonnen schweren Satelliten Phobos-Grunt, der Anfang Januar unkontrolliert auf die Erde stürzen wird. Der Informationsaustausch über die Bahndaten und den Zustand des Satelliten sei sehr zögerlich von russischer Seite gewesen, hieß es.
  • FTD.de, 23.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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