Als man im Frühjahr 1984 in einem Waldstück in Schleswig-Holstein die Leiche der Schwesternschülerin Gabriele Stender fand, begann eine polizeiliche Ermittlung, die erst in diesem Jahr ein erfolgreiches Ende fand. Die 18-Jährige wurde auf dem Weg zu einem Discobesuch ermordet.
Der Täter wurde damals nicht gefunden. Erst durch neueste Methoden zur DNA-Untersuchung kam man dem Mörder jetzt auf die Spur. Vom erfolgreichen Abschluss solcher Altfälle kann die Polizei immer häufiger berichten. Die Entwicklung neuer biotechnologischer Methoden erleichtert die Polizeiarbeit erheblich und eröffnet Unternehmen einen wachsenden Markt.
Auch für die Mitarbeiter des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) gehören derartige Ermittlungen mittlerweile zum Alltag. „Heute haben wir Methoden zur Verfügung, die es damals noch gar nicht gab“, sagt Jörg-Michael Klös, Leiter des Kompetenzzentrums Kriminaltechnik des LKA Berlin. Während vor 20 Jahren kaum mehr als die Blutgruppe ermittelt werden konnte, ermöglichen DNA-Tests seit Ende der 80er-Jahre eine sehr viel genauere Analyse.
Außerdem wurden international neue Standards vereinbart, durch die sich die Proben sehr viel eindeutiger zuordnen lassen. Die biotechnologische Entwicklung läuft in zwei Richtungen. Zum einen werden die Analyseprozesse automatisiert. So können viele Proben gleichzeitig untersucht werden und schneller Ergebnisse liefern: Was früher drei Wochen gedauert hat, braucht nur noch wenige Tage.
Eine erhebliche Verbesserung, denn bei einem Kapitalverbrechen wie Mord können am Tatort mehr als 1000 Spuren zusammenkommen. Zum anderen werden die Verfahren immer sensibler. Heute reichen bereits wenige Zellen aus, um die DNA zu bestimmen. „Die Reagenzien, die wir dazu nutzen, werden immer besser“, sagt Michael Kraft, Sachverständiger für forensische DNA-Analytik beim Berliner LKA. Entwickelt und hergestellt werden sie unter anderem von den Biotechnikfirmen Promega oder Qiagen.
Teil 2: Milliardenmarkt Verwandtschaftsanalytik