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Merken   Drucken   24.03.2011, 17:03 Schriftgröße: AAA

Forscherstreit: Deutsche ringen USA Genpatente ab

Die Max-Planck-Gesellschaft gewinnt den Patentstreit um eine nobelpreisgekrönte Technik. Die Erfindung könnte zukünftig Milliarden wert sein.
© Bild: 2010 Roslin Inst./ddp/dapd
Die Max-Planck-Gesellschaft gewinnt den Patentstreit um eine nobelpreisgekrönte Technik. Die Erfindung könnte zukünftig Milliarden wert sein. von Sascha Karberg, Berlin
Nach langem Ringen ist es geschafft: Die deutsche Max-Planck-Gesellschaft gewinnt den Patentstreit um eine nobelpreisgekrönte Technik. Ein Streit, in dem es um Patente geht, die zukünftig Milliarden wert sein könnten. Seit Jahren verteidigt die deutsche Technologie-Transfer-Gesellschaft Max-Planck-Innovation die Rechte an der nobelpreisgekrönten RNA-Interferenz. Es ist eine Therapietechnik, die es eines Tages ermöglichen soll, krankmachende Gene gezielt auszuschalten.
Jetzt hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in einem außergerichtlichen Vergleich gemeinsam mit dem Bostoner Biotechunternehmen Alnylam ihre Patentstreitigkeiten mit den amerikanischen Forschungsinstituten beigelegt. Darunter das Massachusetts Institute of Technology, das Whitehead Institute und die University of Massachusetts.
Der Rest - die Erteilung des Patents in den USA - ist reine Formsache. Eine Formsache, die sich rechnet: Es geht um Lizenzgebühren im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und mehr, sobald die ersten RNA-Interferenz-Medikamente auf dem Markt sind. Pharmaunternehmen wie Merck, Novartis oder Roche haben sich in den vergangenen Jahren bereits Zugriff über milliardenschwere Kooperationsverträge mit Alnylam gesichert. Geld, das über die exklusiven Lizenzverträge mit Alnylam auch wieder an die MPG fließt.
Trotz aller Freude, ein Wehrmutstropfen bleibt: Es gibt keine deutschen Firmen mehr, die die mit hiesigen Steuergeldern erforschten RNA-Interferenz-Patente in Anspruch nehmen könnten. Dennoch stecken die Medikamente in der Entwicklung. Bisher ist die erhoffte Fülle vermarktbarer Medikamente ausgeblieben. Die anfängliche Begeisterung der großen Pharmafirmen ist verflogen. Deutsche Standorte schlossen sie. Einzig die Berliner Firma Silence Therapeutics entwickelt noch die RNA-Interferenz als Therapieprinzip, nutzt aber nicht die Tuschl-Patente der MPG.
Thomas Tuschl hatte 2001 einen Weg gefunden, kleine DNA-ähnliche Moleküle in menschliche Zellen zu schleusen, um krankmachende Gene stilllegen zu können. Seine Technik ließ Tuschl wohlweislich patentieren.
Exklusive Lizenzen für die Nutzung gingen an Alnylam und an die Kulmbacher Biotech-Firma Ribopharma. "Wir wollten sicherstellen, dass die Technologie in Deutschland entwickelt wird", sagt Jörn Erselius, Chef der Max-Planck-Innovation. Doch 2003 wurde Ribopharma von Alnylam geschluckt.
"Die Strategie der MPG war den amerikanischen Beteiligten ein Dorn im Auge", sagt Steven Dickman, Biotechberater aus Cambridge, der in die Patentverhandlungen zwischen Max-Planck, Alnylam und Ribopharma involviert war. Das Pochen auf Wertschöpfung in Deutschland sei als "zu engstirnig" empfunden worden.
Auch wenn es keine deutschen Lizenznehmer mehr gibt: Die MPG hat einen langen Atem bewiesen und kann nach dem jetzt errungenen Sieg erstmal eins tun - die Tuschl-Patente gewinnbringend positionieren.
Krankheiten ausknipsen?
Theorie Mit Hilfe eines Schnipsels doppelstrangiger RNA könnten theoretisch sämtliche mit Krankheiten verbundenen Gene ausgeschaltet werden.
Praxis Alnylam und Silence Therapeutics liefern sich ein Rennen um das erste marktfähige Medikament zu dieser Technik. Entscheidend wird sein, wie effektiv die therapeutisch wirksamen Moleküle in die kranken Zellen gebracht werden können.
  • FTD.de, 24.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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