Nach langem Ringen ist es geschafft: Die deutsche Max-Planck-Gesellschaft gewinnt den Patentstreit um eine nobelpreisgekrönte Technik. Ein Streit, in dem es um Patente geht, die zukünftig Milliarden wert sein könnten. Seit Jahren verteidigt die deutsche Technologie-Transfer-Gesellschaft Max-Planck-Innovation die Rechte an der nobelpreisgekrönten RNA-Interferenz. Es ist eine Therapietechnik, die es eines Tages ermöglichen soll, krankmachende Gene gezielt auszuschalten.
Jetzt hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) in einem außergerichtlichen Vergleich gemeinsam mit dem Bostoner Biotechunternehmen Alnylam ihre Patentstreitigkeiten mit den amerikanischen Forschungsinstituten beigelegt. Darunter das Massachusetts Institute of Technology, das Whitehead Institute und die University of Massachusetts.
Der Rest - die Erteilung des Patents in den USA - ist reine Formsache. Eine Formsache, die sich rechnet: Es geht um Lizenzgebühren im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich und mehr, sobald die ersten RNA-Interferenz-Medikamente auf dem Markt sind. Pharmaunternehmen wie Merck, Novartis oder Roche haben sich in den vergangenen Jahren bereits Zugriff über milliardenschwere Kooperationsverträge mit Alnylam gesichert. Geld, das über die exklusiven Lizenzverträge mit Alnylam auch wieder an die MPG fließt.
Trotz aller Freude, ein Wehrmutstropfen bleibt: Es gibt keine deutschen Firmen mehr, die die mit hiesigen Steuergeldern erforschten RNA-Interferenz-Patente in Anspruch nehmen könnten. Dennoch stecken die Medikamente in der Entwicklung. Bisher ist die erhoffte Fülle vermarktbarer Medikamente ausgeblieben. Die anfängliche Begeisterung der großen Pharmafirmen ist verflogen. Deutsche Standorte schlossen sie. Einzig die Berliner Firma Silence Therapeutics entwickelt noch die RNA-Interferenz als Therapieprinzip, nutzt aber nicht die Tuschl-Patente der MPG.