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Merken   Drucken   05.12.2012, 06:44 Schriftgröße: AAA

Geplanter Technologiesprung: Neue Ariane-Rakete setzt auf Karbon

Beim Befördern von Nutzlast in den Weltraum ist Gewicht entscheidend. Für die heute zu planende, neue Großrakete Ariane 6 wird deshalb ein radikaler Schritt erwogen: Sie könnte in Teilen aus Karbon gefertigt werden und mit einem Feststoffantrieb arbeiten.
© Bild: 2012 ESA/CNES/Arianespace
Beim Befördern von Nutzlast in den Weltraum ist Gewicht entscheidend. Für die heute zu planende, neue Großrakete Ariane 6 wird deshalb ein radikaler Schritt erwogen: Sie könnte in Teilen aus Karbon gefertigt werden und mit einem Feststoffantrieb arbeiten.
von Augsburg

Bei Europas künftiger Trägerrakete Ariane 6 zeichnet sich ein grundlegender Technologiewandel ab. Wenn die Rakete in rund zehn Jahren zum ersten Mal abhebt, wird die erste Stufe wahrscheinlich nicht mit Flüssigtreibstoff arbeiten, wie jetzt die Ariane 5, sondern mit einem Feststoffantrieb. Diese Vermutung äußerte Hans Steiniger, Chef der Augsburger Firma MT Aerospace, die maßgeblich am Bau der Ariane 5 beteiligt ist. Die Ummantelung des Antriebsbooster der künftigen Ariane 6 werden dann nicht wie bisher aus sehr dünn gewalztem Stahl bestehen, sondern aus leichtem Kohlefasermaterial. "Wir müssen aufpassen, dass der deutsche Arbeitsanteil erhalten bleibt", sagte Steiniger vor Abgeordneten des Bundestages und Branchenexperten.

Derzeit analysiert die Raumfahrtbranche die Ergebnisse der ESA-Ministerratstagung von Ende November. Dort wurde die Weiterentwicklung der aktuellen Ariane 5-Rakete durch eine neue Oberstufe beschlossen, und auch festgelegt, dass 2014 über das mindestens 4 Mrd. Euro teuere Nachfolgemodell Ariane 6 entschieden wird. Im Hintergrund laufen die Grabenkämpfe um Entwicklungsgelder und Aufträge. Nur alle 30 bis 40 Jahre entscheidet Europa über eine neue Großrakete.

MT Aerospace als Teil der Bremer OHB-Gruppe steuert derzeit rund zehn Prozent zum Bau der Ariane 5 bei. Kernstück sind die Metallummantelungen der zwei riesigen Feststoffbooster an der Seite der Rakete. Doch die neue Ariane 6 soll billiger und einfacher werden. Mit einem Start soll nur noch ein Satellit ins All transportiert werden, statt bisher zwei wie bei der Ariane 5. Die Kosten pro Start könnten von 150 Mio. auf 70 Mio. Dollar sinken. Statt sechs bis sieben Ariane-5-Starts pro Jahr gäbe es dann etwa ein Dutzend. Der Bau der Rakete würde Serienfertigung noch besser ermöglichen als bisher.

Kein Wunder, dass die führenden europäischen Raumfahrttechnikfirmen um das Geschäft kämpfen. In Studien wurde ermittelt, dass ein Feststoffantrieb der ersten Stufe einer Ariane 6 billiger wäre, als der bisherige Flüssigkeitsantrieb für den Hauptmotor. So nutzt die vor allem von Italien forcierte neue europäische Kleinrakete Vega bereits einen Feststoffantrieb, der aus einem Gehäuse aus Kohlefasermaterial umhüllt ist. Auch die dreistufigen Atomraketen Frankreichs M51, die aus U-Booten abgefeuert werden, haben einen Feststoffantrieb in einem Mantel aus Karbonfasern. In diesem Wettbewerbsumfeld muss sich MT Aerospace nun behaupten. Konzernchef Steininger geht davon aus, dass es bei den Zulieferungen für die Ariane 6 auch zu einem Konzentrationsprozess in der Industrie kommt. "Auch die Industriestruktur wird angefasst."

Zwar lobten die Experten einhellig die Ergebnisse für die deutsche Seite bei der ESA-Ministerratstagung. "Deutschland habe sich nicht über den Tisch ziehen lassen", heiß es. Doch jetzt gehe es darum, frühzeitig zu handeln. "Erste Claims werden bereits durch Italien abgesteckt", warnte Steininger.

  • FTD.de, 05.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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