Die Kommission schickt die EADS-Tochter Astrium und den Bremer Anbieter OHB in ein Bieterrennen. Dabei geht es um sechs bis acht der insgesamt 30 Galileo-Satelliten.
von Gerhard HegmannMünchen
Die EU fordert die deutschen Satellitenhersteller Astrium und OHB zu einem neuen Preiskampf um Galileo-Satelliten heraus. Unmittelbar nach dem erfolgreichen Transport der ersten zwei Galileo-Satelliten ins All durch den Start der ersten russischen Sojus-Rakete von Französisch-Guayana, verkündete der Vizepräsident der EU-Kommission, Antonio Tajani, eine neue Ausschreibung. Sie habe ein Volumen für sechs bis acht Satelliten. Der Gewinner soll im Februar feststehen. Die Doppelpremiere des Starts der Sojus-Rakete am vergangenen Freitag mit den Galileo-Satelliten sei ein Meilenstein beim Aufbau des Navigationsnetzes, sagte Tajani.
Die Grafik der ESA zeigt den Erprobungssatelliten GSTB-V2/A im Weltall als ersten Satelliten des Navigationssystems "Galileo"
Die relativ kleine Ausschreibung bringt Astrium in Bedrängnis. Die Raumfahrtsparte des EADS-Konzerns hatte ohne Ausschreibung den Auftrag zum Bau der ersten vier Galileo-Satelliten erhalten, von denen nun zwei die Erde umkreisen. Dann gab es eine Ausschreibung für 14 Satelliten, die OHB aus Bremen gegen Astrium gewann mit einem Auftragsvolumen von 566 Mio. Euro.
Astrium hatte sich ursprünglich gegen Wettbewerb beim Bau der Satelliten mit dem Argument gewehrt, dass dies nur die Kosten erhöhe: Nur mit großen Stückzahlen könnten Preise gesenkt werden, so die Begründung. Jetzt gibt es aber nur eine Mini-Ausschreibung. Die EU-Kommission hat zwar durchblicken lassen, dass sie gerne Satelliten von zwei Herstellern hätte. Dennoch müsste sie sich an das günstige Angebot halten. Auch die USA bestellen ihre GPS-Satelliten bei Boeing und Lockheed.
Das Galileo-Netz soll etwa im Jahr 2020 aus 30 Satelliten bestehen - grob zehn Jahre später als geplant. Bislang gibt es noch keine Klarheit über die Finanzierung bis zum Endausbau. Die jährlichen Kosten zum Betrieb werden allein auf knapp 1 Mrd. Euro geschätzt. Erst 2014 gibt es erste Anwendungen durch das Galileo-Netz. Die Europäer wollen damit von den Daten des amerikanischen GPS-Netzes unabhängiger werden.
Am Freitag hob die erste Sojus-Rakete vom Startplatz in Äquatornähe mit eintägiger Verzögerung ab. Wie es am Sonntagt hieß, arbeiten die Galileo-Satelliten reibungslos. Das Galileo-Programm sorgt auch für Auslastung der Sojus-Raketen. Es sind bereits fünf Starts mit zehn Satelliten für knapp 400 Mio. Euro bestellt.
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