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Merken   Drucken   14.10.2011, 18:29 Schriftgröße: AAA

Kein Schutz vor Katastrophen: Deutsche Tsunami-Bojen sind kaputt

Indonesien muss bei der Warnung vor Tsunamis ohne deutsche Technologie auskommen: Alle acht deutschen Messgeräte vor der indonesischen Küste sind ausgefallen. Forscher fragen sich, ob sie überflüssig sind.
Von den in Deutschland gebauten Tsunami-Messbojen ("Tsunameter") für Indonesien ist derzeit keine einzige in Betrieb. Sie sind beschädigt oder aus ihrer Verankerung gerissen - einen entsprechenden Bericht des ARD-Magazins Weltspiegel bestätigte Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.
Die Messbojen aus Deutschland liefern keine Informationen mehr   Die Messbojen aus Deutschland liefern keine Informationen mehr
Insgesamt gibt es 16 Tsunami-Messbojen vor der indonesischen Küste, darunter auch solche indonesischer und amerikanischer Bauart. In Betrieb ist laut Weltspiegel momentan nur eine. Die acht deutschen Bojen sind alle ausgefallen - nach Angaben von GFZ-Forscher Lauterjung durch Einflüsse von außen. Im November werde wieder eine deutsche Delegation nach Asien reisen und die beschädigten Geräte überprüfen.
Zweifel an der Zweckmäßigkeit der von der GFZ entwickelten Bojen äußerte Ulrich Wolf, Leiter der in Paris ansässigen zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission. "In meinen Augen ist der Kosten-Nutzen-Faktor... so schlecht, dass man von Offshore-Bojensystemen dort Abstand nehmen sollte", sagte der Wissenschaftler der Nachrichtenagentur DPA. Die Tsunameter seien "sehr teuer, insbesondere durch die regelmäßig erforderlichen Wartungsarbeiten". Alle Versuche, die Fischer davon abzuhalten, die Bojen für ihre Zwecke zu nutzen - etwa zum Festmachen ihrer Boote - seien fehlgeschlagen.
Wolf, dessen Einrichtung in der UN-Organisation Unesco internationale Tsunami-Warnungen koordiniert, wies in Paris darauf hin, dass das Warnsystem auch ohne die Bojen funktioniere: "Die eigentliche Tsunami-Warnung wird innerhalb von drei bis fünf Minuten nur aufgrund von seismischen Informationen von Land-basierten Instrumenten ausgesprochen". Die Bojen seien nur dazu da, diese Warnung zeitnah zu bestätigen oder zu falsifizieren. Die installierten Pegel etwa auf den Inseln vor Sumatra brächten die gleiche Information, wenn auch zwei bis drei Minuten später.
Auch Lauterjung wies darauf hin, dass das Frühwarnsystem aus vielerlei Messsystemen besteht, von denen das Herzstück 160 Seismometer an Land seien. Das Warnsystem sei auch ohne die Bojen voll funktionsfähig. Dem widersprechen laut Weltspiegel Experten vor Ort, die in den Bojen den wichtigsten Teil des Warnsystems sehen. Ohne die Bojen lasse sich nach einem Erdbeben nicht mit Sicherheit ein Tsunami vorhersagen, zitiert das ARD-Magazin den Leiter der Frühwarn-Abteilung der indonesischen Agentur für Meteorologie, Klimatologie und Geophysik.
  • dpa, 14.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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