Biojüch. Das ist Plattdeutsch für Biojauche und ein bisschen gaga, schließlich ist Jauche immer bio. Trotzdem hat der Landesheimatverband Mecklenburg-Vorpommern "Biojüch" vor Kurzem zum besten aktuellen plattdeutschen Ausdruck gekürt. In dem Wort, lobt die Jury, klinge die Skepsis vieler Autofahrer gleich mit an. Denn "Biojüch" ist das Plattwort für E10, den Hasssprit der Deutschen.
Ruhig ist es geworden um das Benzin mit zehnprozentiger Beimischung von Bioethanol. Gefährlich ruhig. Geändert hat sich nichts seit der chaotischen Quasieinführung des Kraftstoffs zum Jahresanfang. Selbst wo E10 verfügbar ist, tanken weniger als 30 Prozent der Kunden den Biotreibstoff. Und an gut der Hälfte aller deutschen Tankstellen - vor allem im Norden und Westen - gibt es den Sprit noch gar nicht. Im April kam E10 auf einen Marktanteil von gerade mal neun Prozent aller Ottokraftstoffe. Dabei soll es der Massensprit werden. Im Grunde ist bei Biokraftstoffen für Autos alles andersherum als bei Biokerosin für Flugzeuge: Bioethanol gibt es weltweit genug. Nur mit der Nachfrage hapert es.
Für die Ölindustrie ist das ein Problem. Schließlich ist sie per Gesetz verpflichtet, im Jahr eine Bioquote von 6,25 Prozent am Spritverkauf zu erreichen. Klappt das nicht, drohen Strafen; laut Mineralölwirtschaftsverband (MWV) rund 2 Cent pro Liter, der zu wenig abgesetzt wird. Es gibt Möglichkeiten, die Strafen zu vermeiden: Die Konzerne können mehr ETBE beimischen, ein verträglicher aber teurer Biosprit, der sonst untergerührt wird, um die Oktanzahl zu erhöhen. Oder sie kaufen Zertifikate von Unternehmen, die reinen Biodiesel absetzen. Doch alle Varianten kosten Geld. Branchenkenner schätzen die Zusatzkosten für die Branche auf mehrere Hundert Millionen Euro in diesem Jahr.