Aus den Lautsprechern knistert und rauscht es, der Bildschirm flimmert in schwarz und weiß. An diesem Wochenende sind die Amerikaner noch einmal zurückgekehrt ins Jahr 1969, auf allen Kanälen, in sämtlichen Zeitungen und im Internet. Noch einmal hören sie die verzerrte Stimme, die vom Mond zu ihnen spricht und meldet: "The Eagle has landed."
Die Apollo-11-Mission der US-Weltraumbehörde Nasa gehört zu den Sternstunden der Geschichte Amerikas. Was für Deutschland das Wunder von Bern, ist für die Vereinigten Staaten das Wunder vom Mond. Und alle, die damals schon dabei waren, dürfen in diesen Tagen noch einmal lauschen und schaudern. Denn am Samstag ist der Kommandant von damals gestorben: Neil Armstrong. Er steht wie kein anderer für den Vorstoß des Menschen in den Weltraum. Und für den Sieg Amerikas über die verhasste Sowjetunion.
Selbst der Wahlkampf zwischen Demokraten und Republikanern, ähnlich verbissen ausgetragen wie einst der Wettlauf zum Mond, tritt in den Hintergrund. Mit Sondersendungen und Schweigeminuten verneigt sich Amerika vor Armstrong, feiert den historischen Erfolg - und damit auch sich selbst. Denn der Glaube und der Optimismus, den der Astronaut seinem Land damals schenkte, ist dieser Tage vielleicht nötiger denn je: Wenn das ganze Land einig zusammensteht und seine Kräfte bündelt, gibt es nichts, das es nicht erreichen könnte.
Die landesweite Begeisterung, mit der alle Amerikaner damals Armstrongs erste Schritte auf dem Mond feiern durften, hat wohl kein Held nach ihm mehr auslösen können. Denn seine Mondlandung hat alle vereint: Junge und Alte, Schwarze und Weiße, Liberale und Konservative. Selbst legendäre Musiker wie Elvis Presley und Sportler wie Muhammad Ali oder Michael Jordan waren eben doch nur in ihrem Metier wirklich wichtig. Die Mondlandung dagegen war ein Sieg für alle: für den Sport, die Wissenschaft und nicht zuletzt für die Politik.
Er war "ein echter amerikanischer Held", sagte sein Freund und Kollege Buzz Aldrin, der am 21. Juli 1969 gemeinsam mit Armstrong drei Stunden lang über den Mond spazieren durfte. "Immer wenn ich den Mond sehe, erinnere ich mich an diesen Moment. Wir waren weiter weg von der Erde als jemals irgendein Mensch zuvor, aber wir waren nicht allein. Die ganze Welt hat uns damals auf diese Reise begleitet, und die ganze Welt nimmt nun Abschied vom besten Piloten, den ich jemals getroffen habe."
Auch Aldrin wird in den USA als Held verehrt, doch obwohl - oder gerade weil - er deutlich mehr in der Öffentlichkeit stand als Armstrong, wird er immer in dessen Schatten bleiben. Ungewöhnlich scheu und bescheiden hatte sich der Kommandant zurück auf der Erde gegeben. Hatte sich ins Private geflüchtet, und in die Arbeit. Nie wieder wollte er auf den Mond, hatte er unmittelbar nach Apollo 11 verkündet. Mit neuer Besatzung landete dort nur vier Monate später die zweite US-Raumfähre. Doch die Begeisterung der Amerikaner war längst verflogen. Den Wettlauf gegen die Russen hatten sie gewonnen, alles andere wurde zur Nebensache.
Für Armstrong dagegen stand die Fliegerei jederzeit im Zentrum seines Lebens. Schon als Kind träumte er auf der Farm seiner Familie vom Fliegen, bastelte Modellflugzeuge und erwarb bereits mit 17 Jahren einen Flugschein. Nach der Schule studierte er Flugzeugbau, wurde vom Militär eingezogen und zum Kampfpiloten ausgebildet. Im Alter von 20 Jahren schickte ihn die Air Force nach Korea in den Krieg. Kaum zurück in Amerika, quittierte er 1952 den Militärdienst, brachte sein Studium zu Ende und wurde Testpilot. Zehn Jahre später wechselte er ins Astronautenprogramm der Nasa.
Armstrong blieb bis in die frühen 70er-Jahre bei der Weltraumbehörde, wurde dann Professor für Luft- und Raumfahrttechnik und wechselte in die Wirtschaft. Mit der Gründung eigener Firmen verdiente er ein kleines Vermögen, seine seltenen öffentlichen Auftritte nutzte er stets dazu, die Regierung in Washington zu neuen Weltraummissionen aufzufordern. Mit der Landung des US-Roboters "Curiosity" auf dem Mars erfüllte sich wenige Tage vor seinem Tod noch ein großer Traum Armstrongs: der Vorstoß des Menschen auf den roten Planeten. Ob es eines Tages zu einer bemannten Marsmission kommen wird, ist bis heute ungewiss.
Vor dem Eingang des Luft- und Raumfahrtmuseums in Wapakoneta, Ohio, hängt die Fahne nun auf Halbmast. In dem Ort wurde Neil Armstrong am 5. August 1930 geboren. Das Museum erzählt die Geschichte seines Lebens - und trägt seinen Namen.
Für alle, die sich in diesen Tagen an den letzten Helden des guten alten Amerika erinnern, hat seine Familie eine einfache Botschaft: "Wenn Sie mal wieder in einer klaren Nacht spazieren gehen, und der helle Mond lächelt zu Ihnen herab: Denken Sie an Neil Armstrong und zwinkern Sie ihm zu."
Buzz Aldrin Der Kampfpilot und promovierte Raumfahrttechniker stieß 1963 zum US-Astronautenprogramm. Er steuerte bei der Apollo-11-Mission 1969 die Mondfähre und betrat als zweiter Mensch die Mondoberfläche. Nach dem Ende seiner Astronautenkarriere kämpfte Aldrin gegen Depressionen und Alkoholsucht. Er schrieb mehrere Bücher, darunter seine Autobiografie. Der 82-Jährige lebt in Kalifornien.
Michael Collins Der Testpilot und Astronaut steuerte die Apollo-11-Kommandokapsel und betrat als einziger Missionsteilnehmer den Mond nicht. Nach seiner Nasa-Zeit arbeitete er eine Zeit lang für die Smithsonian Institution, bevor er in die Wirtschaft wechselte. 1985 gründete er eine Beratungsgesellschaft. Collins, 81, lebt in Florida.