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  Geschäft mit Profil FTD-Serie: Winterreifen – Markt, Technik, Möglichkeiten

In vielen Ländern sind sie Pflicht, vielerorts sind sie unverzichtbar: Winterreifen. Für die Hersteller sind sie ein wichtiger saisonaler Markt und eine gute Gelegenheit zu beweisen, was sie technisch drauf haben. Winterreifen sollen haften, wo es glatt ist, dabei sportlich aussehen, Sprit sparen und möglichst leise sein. In unserer Online-Serie erfahren Sie alles rund um Reifen und Winterreifen.

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  18.11.2009, 10:31    

Vielseitiger Grundstoff: Kautschuk - aus den Tränen der Bäume

Kondome, Kaugummi, Reifen. Kautschuk ist ein vielseitig einsetzbarer Grundstoff in der Industrie und eine wichtige Lebensgrundlage für die Bevölkerung in den Regionen, in denen er angebaut wird. Doch der weltweit wachsende Autoverkehr und die starke Nachfrage gefährden den Regenwald. von Uta Desske
Rohstoffe: Kautschuk - Vielseitiger Grundstoff (00:03:30)
Rohstoffe: Kautschuk - Vielseitiger Grundstoff (00:03:30)
Schräg abwärts führt der Rindenschnitt, halb um den Stamm des Baumes. Milchweißer Saft rinnt Tropfen für Tropfen die Wunde hinunter in ein Gefäß, das am Ende des Schnittes hängt. 100 Milliliter des kostbaren Rohstoffs kann ein Baum ab seinem sechsten Lebensjahr pro Tag abgeben. Arbeiter ritzen die Rinde alle ein, zwei Tage an und sammeln die Milch aus den Gefäßen ein. 500 Bäume schafft eine gut trainierte Person am Tag. Automatisierung? Fehlanzeige.
Was so geerntet wird, ist einer der wichtigsten Grundstoffe der industriellen Revolution: Kautschuk. Förderbänder und Dämpfer, Kondome und Kaugummi, Bälle und Reifen wären ohne kaum denkbar. Kautschuk ist außergewöhnlich wandelbar. Er ist elastisch, kann trotzdem fester sein als Stahl oder geschmeidig wie Seide, gasdicht abschließen, elektrisch leiten oder isolieren. Seine Eigenschaften lassen sich durch Additive modifizieren und er kann mit Textilien, Metallen, Glas und Kunststoffen kombiniert werden.
Empfindliches Tropengewächs
Seinen Ursprung hat Kautschuk im brasilianischen Regenwald. Hier ist die Heimat von Hevea Brasiliensis, dem Kautschukbaum, einem Mitglied der Wolfsmilchgewächse (Euphorbiaceae). Aus seinem weißen Latexsaft haben Indianer schon vor Hunderten von Jahren Gefäße, Bälle, Schuhe, Kaugummis gemacht. Sie nannten den Baum Ca-hu-chu, was soviel bedeutet wie weinender Baum.
Nach Europa gebracht, diente Kautschuk zunächst als Radiergummi und zur Imprägnierung von Kleidung. 1839 entdeckte James Goodyear die Vulkanisierung. Unter Hitze und Schwefel verwandelte er Kautschuk in Gummi. Das Material wurde so haltbarer, elastischer und belastbarer und damit zum Grundstoff für eine ganz neue Industrie.
Heute liegt das Zentrum des Kautschukanbaus in Asien, wo 95 Prozent des jährlichen Weltbedarfs gezapft werden. Die Pflanze gedeiht nur im sogenannten Kautschukgürtel, einer Zone von dreißig Grad um den Äquator, wo Boden und Klima für sie günstig sind. Weltweit wurden 2008 rund zehn Millionen Tonnen Naturkautschuk produziert. Haupterzeuger ist Thailand mit drei Millionen Jahrestonnen, gefolgt von Indonesien mit 2,8 Millionen Tonnen und Malaysia mit 1,2 Millionen Tonnen. (s. Grafik)
Weltkautschukproduktion 2008 nach Ländern
Land Jahresproduktion in Mio Tonnen
Thailand 3,00
Indonesien 2,80
Malaysia 1,20
Indien 0,80
Vietnam 0,60
China 0,60
übrige 0,70
Quelle: Internationaler Kautschukverein Hamburg
 
Die Natur ist besser
Weniger als ein Drittel der Erträge wird auf Plantagen in großem Stil gewonnen, mehr als zwei Drittel von Kleinbauern, sogenannten Smallholders, wobei die Strukturen von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. „Kautschuk ist in diesen Regionen eine sehr wichtige Lebensgrundlage für einen Großteil der Bevölkerung“, sagt Hans Peter Berger.
Er kennt die Verhältnisse vor Ort sehr genau. Berger ist Chairman des Internationalen Kautschukvereins Hamburg und General Manager bei Wurfbain Nordmann, einem Handelsunternehmen für Kautschuk. Es gehört zur RCMA Commodities Asia Gruppe, einem der weltweit führenden Kautschukhändler mit einem Jahresumsatz bis zu 1 Mrd. Dollar. Wurfbain Nordmann bezieht den Rohstoff hauptsächlich aus Asien und Afrika und liefert direkt an die Hersteller von Reifen, Stoßdämpfern, Schläuchen oder speziellen Kautschukmischungen.
Zwar gibt es schon seit 100 Jahren auch synthetischen Kautschuk, der aus Erdöl hergestellt wird. Er macht heute mit 13 Millionen Tonnen 56 Produzent der genutzten Menge aus. Doch der künstliche Stoff konnte den natürlichen nur zum Teil verdrängen. „Insbesondere was Elastizität, Kälteverhalten und Belastbarkeit angeht, ist Naturkautschuk dem synthetischen immer noch überlegen“, sagt Berger.

Teil 2: Ernte per Maschine gescheitert

  • FTD.de, 18.11.2009
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