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Die Information über die Zuerkennung des Nobelpreises war keine 15 Minuten alt, da wurde Al Roth kalt erwischt. Als er bei der offiziellen Pressekonferenz nach Krisenlösungen gefragt wurde, antwortete der 60-Jährige: "Ich habe keine Ideen zur Euro-Krise." Er sei nicht diese Art von Ökonom. Tatsächlich sind Roth und der ebenso ausgezeichnete Lloyd Shapley eher Grundlagenforscher. Dafür hat sie die Schwedische Wissenschaftsakademie am Montag mit der höchsten Ökonomenauszeichnung bedacht.
Die Amerikaner haben sich in der Zunft einen Namen gemacht, weil sie ein spezielles Problem der Wirtschaftswissenschaften gelöst haben. In der gängigen Lehre treffen sich Angebot und Nachfrage über den Preis. Das funktioniert meist recht gut. Doch was geschieht, wenn Preise nicht genutzt werden können, um möglichst effizient Ressourcen zu verteilen? Das ist der Fall, wenn es um die Zuteilung von Schülern auf Schulen geht, bei denen es keine Gebühren gibt - also keine klassische Marktsituation. Ähnlich sieht es bei der Verteilung von Organen aus - von Skandalfällen in deutschen Krankenhäusern abgesehen.
Shapley und Roth haben für solche Situationen Lösungen entwickelt. Dabei hat der 89-jährige Shapley als eine Schlüsselfigur der ökonomischen Spieltheorie in den 60er-Jahren die Grundlagen geschaffen. Roth hat Shapleys Algorithmen einige Jahre später eine praktische Nutzung verschafft. Ihre Forschung sei ein Beispiel dafür, wie man von mathematischer Theorie zu praktischer Anwendung kommen könne, begründete die Jury die Entscheidung.
Dabei haben die Preisträger gar nicht direkt zusammengearbeitet. Roth, der Anfang 2013 von der Eliteuni Harvard nach Stanford wechselt, entwickelte die bestehende Arbeit von Shapley weiter, der zuletzt an der University of California in Los Angeles forschte. Ohnehin gelten beide als unterschiedliche Naturelle: Roth, Pionier der experimentierenden Ökonomie, ein talentierter Redner, eher extrovertiert - der deutlich ältere Shapley ein Mathematiker durch und durch, "die ja im Allgemeinen nicht so in die Öffentlichkeit drängen", wie der einzige deutsche Nobelpreisträger Reinhard Selten sagt, der beide gut kennt.
An Herzblut für seine Forschung mangele es auch Shapley nicht: "Ich kann mich noch gut an Sitzungen in der Frühzeit der Spieltheorie in den 60ern erinnern. Da nahmen fast alle teil, die sich damals überhaupt mit Spieltheorie beschäftigten. Die schrien alle wild durcheinander." Besonders Shapley sei engagiert gewesen. "Das war er immer", so Selten. Erst im Alter wird Shapley dafür mit dem Nobelpreis belohnt. Viel zu spät, meinen einige. Der Preis habe einen enormen Effekt auf das Leben des Gewinners, sagt der einst ebenfalls ausgezeichnete Forscher Daniel Kahneman: "So war es auch bei mir."
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Roth und Shapley genießen eine breite Anerkennung in der Zunft und haben auch Spuren außerhalb der Ökonomie hinterlassen. "Zum Beispiel werden Mediziner nach deren Methode in den USA Krankenhäusern zugeteilt", sagt der deutsche Princeton-Professor Markus Brunnermeier. Forschung, die helfen kann, Leben zu retten - das können nicht viele Ökonomen für sich verbuchen.
Die Euro-Krise lässt sich mit dieser Forschung jedoch nicht lösen. So dürfte auch dieses Jahr die Preiswahl wie üblich nicht ohne Kritik bleiben. Erneut wurden Forscher geehrt, die kaum Antworten auf die aktuellen ökonomischen Fragen liefern können. Bei der Euro-Krise brauche man keine Forschung mehr, rechtfertigte sich das Jurymitglied Mats Persson am Montag: "Ein paar europäische Länder müssen einfach ihre Wirtschaft in Ordnung bringen", so der schwedische Ökonom. Diese Reaktion wird das umstrittene Auswahlgremium wohl nicht wirklich aus der Schusslinie bringen.