
Mark Leonard hat mit Constellation Software ein einmaliges Erfolgsmodell für langfristiges Wachstum geschaffen. (Foto: freepik)
Was Mark Leonard, der Gründer von Constellation Software, erschaffen hat, ist einzigartig. Constellation Software ist kein gewöhnliches Technologieunternehmen. Es ist ein Unikat hinsichtlich dezentralisierter Kapitalallokation, diszipliniertem Unternehmertum und langfristigem Denken. Seit dem Börsengang 2006 hat die Aktie 45 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. In den letzten fünf Jahren waren es annualisiert immer noch 25,9 Prozent. Doch worin liegt die Magie? Warum steigt der Wert der Aktie über Jahrzehnte in einem außerordentlichen Ausmaß?
Serienakquisitionen als Grundkonzept
Das operative Geschäftsmodell beruht auf dem Kauf von kleinen, profitablen Softwareunternehmen, die selbst kaum Wachstumschancen, aber sehr stabile Cashflows aufweisen. Diese Softwareunternehmen befinden sich in einer Nische (Vertical Market Software = VMS), welche für große Technologieunternehmen uninteressant sind. Beispiele für VMS sind etwa Unternehmen die Abrechnungssysteme für Bibliotheken anbieten oder eine Verwaltungssoftware für kleine Bäckereien vertreiben. Die Cashflows der VMS-Unternehmen verhelfen zum Schwungrad-Effekt, denn die Cashflows werden nahtlos in weitere Übernahmen reinvestiert, sodass Constellation Software heute aus über 600 Unternehmen besteht.
Die Sparte der kleinen VMS-Unternehmen ist besonders attraktiv. Große Technologieunternehmen haben kein Interesse, Spezialsoftware für Nischenmärkte anzubieten. Sobald die individuelle Software erst einmal bei den Kunden implementiert ist, entsteht eine Abhängigkeit gegenüber der Softwarelösung, während das Unternehmen von wiederkehrenden Umsätzen bei steigenden Margen profitiert. VMS können ihre Nischenposition auch nutzen, um die Preissetzungsmacht auszuschöpfen. Kunden sind auf die individuell zugeschnittene Software angewiesen, und ein Aussetzen oder ein Wechsel würde das operative Tagesgeschäft unweigerlich stören.
Kriterien für die Aufnahme in die Constellation-Familie
Constellation Software hat konkrete Übernahmeziele. Statt auf Start-Ups zu setzen, die Geld verlieren, setzt Constellation Software auf Cashflow generierende Unternehmen. Ideale Übernahmeziele sind Nischenplayer mit klarer Nummer-1 oder Nummer-2-Marktposition, stetig steigenden Cashflows, einem Mindestumsatz von rund 5 Millionen US-Dollar und einem großen Kundenstamm von zumindest 1.000 Kunden.
Die Identifikation dieser Nischenunternehmen ist für Constellation Software relativ einfach, da sie auf eine Datenbank mit rund 40.000 potenziellen Übernahmekandidaten zurückgreifen können. Doch für eine Akquisition reichen quantitative Zahlen nicht aus. Es geht um viel mehr als das. Um Vertrauen und Unternehmertum.

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Constellation DNA: Kultur wie keine andere
Natürlich stellt sich die Frage, weshalb kleine Unternehmen sich Constellation Software anschließen sollten. Doch vielen kleinen Unternehmen ist Constellation Software ein Begriff. Sie entscheiden sich bewusst dafür, Teil von Constellation Software zu werden und akzeptieren häufig auch einen niedrigeren Übernahmepreis als durch andere Interessenten. Statt in einem Konzern aufzugehen, der ihre Identität untergräbt, finden sie den Anschluss an Constellation Software wohlwollend. Denn Constellation Software macht keine Vorschriften, sondern fördert das Unternehmertum. Die Aufgabe von Constellation Software beruht darin, bereits im Vorfeld über Jahre die einzelnen VMS Unternehmen kennenzulernen und eine Beziehung aufzubauen.
Nach der Übernahme bleiben die Führungsrollen bestehen, sie treffen weiterhin die Entscheidungen und agieren mit gleicher Eigenverantwortung wie vor der Akquisition. Die Unterschiede liegen nun im starken Netzwerk, dem Lerneffekt von anderen VMS, dem Kapital von Constellation Software und klaren Prinzipien: Kapitaldisziplin und langfristiges Denken und Handeln.
Mark Leonard verzichtet auf sein Gehalt. Er partizipiert am Unternehmenserfolg durch seine Unternehmensaktien. Für die Mitarbeitenden hat er ein Anreizsystem für Eigentümerdenken etabliert. Jeder Mitarbeiter, der über einer bestimmten Einkommensgrenze liegt, muss 75 Prozent des Überschusses in Constellation Software Aktien investieren und mindestens vier Jahre halten. So etablierte sich über die Jahre die einzigartige Eigentümermentalität, die besonders hohe Kapitalrendite auf das eingesetzte Kapital erwirken konnte.
Die Grenzen des Wachstums
Trotz dieser einzigartigen Kultur wirft die Bewertung Zweifel auf. Nach Jahrzehnten überdurchschnittlichem Wachstum ist die Aktie nicht mehr günstig. Die eingepreisten Erwartungen sind mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis jenseits der 40 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 6,5 hoch. Zudem drängen immer mehr Private-Equity-Fonds und Serienübernehmer (Serial Acquirer) auf den Markt, die ebenfalls den Charme der VMS Unternehmen erkannt haben und nach diesen Unternehmen jagen. Günstige Übernahmeziele sind daher immer schwieriger zu erhalten. Fakt ist jedoch auch, dass die Aktie von Constellation Software seit Jahrzehnten eine der beständigsten Aktien am Markt mit zusätzlich außerordentlich hohen Renditen ist. Korrekturen waren stets Kaufchancen. Constellation Software Aktionäre denken langfristig und halten sich an den Wunsch des Gründers: langfristig denken und Eigentümermentalität etablieren.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über die Autorin
Sophia studierte Betriebswirtschaft und absolvierte ein Auslandssemester an der Singapore Management University. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Finanzen fest im Griff und sparte den Großteil ihres Taschengeldes. Auch sie vertraute lange den gängigen Anlageprodukten (Sparbuch, Bausparer, Lebensversicherung). Heute nimmt sie ihre Finanzen selbst in die Hand. Sie recherchiert täglich über Unternehmen und konzentriert sich auf Qualität, ergänzt durch ausgewählte Smallcaps und Wachstumswerte. Ihr Ziel ist es, den Zinseszinseffekt bestmöglich für den Vermögensaufbau zu nutzen.


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