Aktien Progressive Aktie: datengesteuerter Versicherer mit 96er-Regel

Die 96er Combined Ratio als Erfolgsformel / Marktführer im Kfz-Versicherungsmarkt / Datenführerschaft sichert Kostenvorteil und Wachstum

Heckansicht eines schicken Wagens im Sonnenuntergang (Foto: Freepik, angel_nt) Progressive Aktie: datengesteuerter Versicherer mit 96er-Regel

Die 96er-Combined-Ratio: Die Formel, mit der Progressive den Kfz-Versicherungsmarkt erobert. (Foto: Freepik, angel_nt)

Die Versicherungsbranche, insbesondere das Geschäft mit der Kfz-Versicherung, galt lange als traditionell und träge. In den USA hat sich jedoch ein Gigant durchgesetzt, der dieses Bild neu geprägt hat: Progressive. Progressive konnte 2024 State Farm von der Spitze verdrängen und ist somit heute der größte Autoversicherer in den USA mit 16,4 Prozent Marktanteil (State Farm 16,2 Prozent). Progressive setzt seit Jahrzehnten konsequent auf Daten und Analytik und hat sich damit einen fundamentalen Vorteil geschaffen.

Kosten als Wettbewerbsvorteil

Der zentrale Wettbewerbsvorteil von Progressive liegt in seiner überlegenen Kostenstruktur. Sie waren Pionier im Direktvertrieb und haben früh auf teure Agentenprovisionen verzichtet. Dadurch wurden die Vertriebskosten früh deutlich gesenkt. Parallel dazu hat das Unternehmen große Teile des Underwritings und der Schadenabwicklung automatisiert. So konnten die Kosten deutlich gesenkt werden und unmittelbar an den Kunden weitergereicht werden. Aus diesem Grund unterscheiden sich die Prämien heute spürbar von Wettbewerbern.

Ein weiterer entscheidender Faktor für den stetigen Erfolg ist die Datenführerschaft. Programme zur nutzungsbasierten Versicherung, wie das Snapshot-Programm, nutzen Telematik. Diese Tools analysieren das individuelle Fahrverhalten der Versicherungsnehmer. Dadurch kann Progressive Risiken präziser bewerten und attraktivere Tarife für sichere Fahrer schnüren, während aggressives Fahrverhalten entsprechend höher bepreist wird. Dies führt zu einer positiven Risikoselektion und verbessert die Verlustquoten.

Die Magie der 96-Prozent-Regel

Seit 1971 verfolgt Progressive ein klares finanzielles Ziel: Das Erreichen einer Combined Ratio von 96 Prozent. Die Combined Ratio ist eine Schlüsselkennzahl der Branche. Sie gibt das Verhältnis von Ausgaben (Schäden und Kosten) zu den eingenommenen Prämien an. Ein Wert von 96 bedeutet, dass für jeden Dollar an Prämie nach Abzug aller Aufwendungen 4 Cent als reiner Underwriting-Gewinn übrig bleiben.

Diese Disziplin im Underwriting ist branchenweit einzigartig. Viele Wettbewerber akzeptieren eine Combined Ratio von 100 Prozent oder etwas mehr. Sie wollen also nur „kein Geld verlieren“ und verlassen sich darauf, dass der eigentliche Gewinn durch die Anlage des „Floats“ (Einzahlungen der Versicherungsprämien) in Anleihen, Aktien oder andere Vermögenswerte erzielt wird. Progressive hingegen will mit dem reinen Versicherungsgeschäft Geld verdienen. Der Float eignet sich als zusätzlicher Gewinnbringer.

Da jeder Effizienzgewinn von Progressive an Versicherungsnehmer weitergereicht wird und in niedrigeren Prämien resultiert, zieht dies zunehmend Kunden an. Mehr Kunden liefern wiederum eine bessere Datenbasis und zu einem noch besseren Risikomanagement. Fixkosten lassen sich wiederum auf mehr Policen verteilen. Sowohl Progressive als auch die Kunden profitieren von diesen Mechanismen.

 

Wachstum und die Grenzen des Erfolgs

Die datengetriebene Strategie hat zu einem bemerkenswerten Marktanteilsgewinn geführt. Progressive konnte die Zahl der Policen in den letzten 10 Jahren um durchschnittlich fast 10 Prozent pro Jahr steigern. Die Tarife liegen häufig 10 bis 20 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt. Der resultierende Underwriting-Vorteil ist daher massiv. Würde Progressive seine Policen zum landesweiten Durchschnittspreis anbieten, läge die Combined Ratio potenziell deutlich niedriger.

Obwohl Progressive nun Marktführer ist, sehen Analysten weiter Potenzial den Marktanteil auszubauen. Der Marktführer aus den 1990er-Jahren erreichte fast 25 Prozent. Ein langfristiger Wachstumspfad von insgesamt 10 Prozent pro Jahr erscheint daher realistisch.

Kurzfristig steht Progressive jedoch Herausforderungen gegenüber. Der Markt sieht Anzeichen dafür, dass die Underwriting-Margen ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Eine abschwächende Prämieninflation und sinkende Reparaturkosten könnten den Wettbewerbsdruck verstärken. Zudem können Naturkatastrophen oder regulatorische Maßnahmen die kurzfristigen Ergebnisse belasten.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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Progressive-Aktie: Ausblick und Risiken für Investoren

Progressive ist ein Qualitätswert im Versicherungsbereich. Das Management hat bewiesen, dass es in der Lage ist, Wachstum und Rentabilität in Einklang zu bringen. Progressive will weiter deutlich wachsen, aber dabei immer die 96er-Regel beachten. Der Preisvorteil von 10 bis 20 Prozent ist ein tief verwurzelter und schwer aufholbarer Wettbewerbsvorteil. Der Versicherungszyklus unterliegt einer stetigen Marktbereinigung. Da Progressive besonders rentabel ist, eröffnet sich die Chance, aus schwierigen Phasen gestärkt hervorzugehen und weitere Marktanteile zu gewinnen.

Die Aktie hat nun 25 Prozent vom letzten Hoch verloren. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei einem historisch günstigen Wert von 12, da erstmal ein abschwächendes Gewinnwachstum zu erwarten ist. Trotz des kurzfristigen Gegenwinds und einer zu erwartenden Wachstumsdelle beim Gewinn sollte die Datenführerschaft und die einzigartige Kostenstruktur langfristiges Wachstum sichern. Progressive ist ein herausragendes Unternehmen, Marktführer und hochprofitabel, um aus schwächeren Marktphasen gestärkt hervorzugehen.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Über die Autorin

Sophia studierte Betriebswirtschaft und absolvierte ein Auslandssemester an der Singapore Management University. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Finanzen fest im Griff und sparte den Großteil ihres Taschengeldes. Auch sie vertraute lange den gängigen Anlageprodukten (Sparbuch, Bausparer, Lebensversicherung). Heute nimmt sie ihre Finanzen selbst in die Hand. Sie recherchiert täglich über Unternehmen und konzentriert sich auf Qualität, ergänzt durch ausgewählte Smallcaps und Wachstumswerte. Ihr Ziel ist es, den Zinseszinseffekt bestmöglich für den Vermögensaufbau zu nutzen.

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