
Mit transparenten Gebühren und einem eigenen Netzwerk revolutioniert Wise den internationalen Geldtransfer. (Foto: Freepik)
Wer eine Auslandsüberweisung tätigt, kennt die Probleme der intransparenten und teilweise hohen Gebühren. Bei der klassischen Auslandsüberweisung entstehen hohe und unvorhersehbare Gebühren, da mehrere Korrespondenzbanken über das SWIFT-Netzwerk zwischengeschaltet sind. Auch die Dauer der Überweisung dauert oft Tage. Die Gründer von Wise, ehemals TransferWise, schmiedeten daraus 2011 ein neues Geschäftsmodell.
Aus einem Problem wurde eine Lösung
Die Wise Europe SA hat das SWIFT-System umgangen, indem sie ein eigenes Netzwerk aufgebaut hat, das deutlich kostengünstiger und transparenter ist. Anstatt Geld tatsächlich über Ländergrenzen hinweg zu senden, gleicht Wise die Zahlungen in lokaler Währung intern ab. Wenn jemand Euro in US-Dollar senden möchte, nimmt Wise das Geld auf seinem Euro-Konto entgegen. Gleichzeitig sucht das Wise-System nach jemandem, der US-Dollar in Euro senden möchte, und verwendet dessen Einzahlung vom US-Dollar-Konto, um die Auszahlung in den USA zu tätigen.
Das Geld überquert daher keine Grenze und eliminiert nicht nur teure Zwischenhändler, sondern beschleunigt den Prozess deutlich. Sollte es in diesem Moment kein Matching geben, sorgt Wise durch die lokalen Konten trotzdem für eine schnelle, günstige Überweisung. Mit diesem Modell belaufen sich die durchschnittlichen Gebühren auf nur 0,5 Prozent, während klassische Banken auf rund 7 Prozent und Geldtransferdienstleister wie etwa Western Union auf rund 3 bis 4 Prozent kommen. Beträge werden zum echten Devisenmittelkurs gewechselt, versteckte Aufschläge und Gebühren entfallen.
Herzstück: Multi-Währungs-Konto mit Debitkarte
Das Herzstück ist heute das Multi-Währungs-Konto, eine mächtige Erleichterung für jeden, der international lebt, arbeitet oder reist. Nutzer können Geld in über 50 Währungen halten, erhalten lokale Bankverbindungen in wichtigen Währungen wie Euro, US-Dollar oder britischen Pfund und können mit einer zugehörigen Debitkarte weltweit ohne hohe Auslandsgebühren bezahlen.
Damit wird Wise auch zum direkten Konkurrenten für traditionelle Bankkonten, insbesondere für Expatriates und international tätige Unternehmen. Diese Erweiterung des Angebots schafft eine stärkere Kundenbindung und sorgt für neue, wiederkehrende Einnahmequellen abseits des reinen Transaktionsgeschäfts. Für B2B-Kunden ist Wise mit dem Business-Konto eine oft unschlagbar günstige und effiziente Lösung.
Geschäftsmodell mit Burggraben
Um ein solches Geschäftsmodell aufzubauen und zu betreiben, benötigt es jahrelange Investitionen in Lizenzen, regulatorische Genehmigungen und technische Integrationen weltweit. Das stellt für Wise einen erheblichen Wettbewerbsvorteil dar. Direktanbindungen an zentrale Zahlungssysteme wie SEPA und Faster Payments machen Wise nicht nur günstiger, sondern auch schneller als die meisten Wettbewerber.
Der Markt ist riesig und Wise hält weniger als 5 Prozent des Marktanteils im Gesamtmarkt für persönliche Transfers. Wise hält mehr als 17 Milliarden Pfund als Kundenvermögen, was in Zeiten höherer Zinsen attraktive Zinsüberschüsse ermöglicht. Das typische Schwungrad für Wachstum entsteht durch niedrige Gebühren, die das Volumen antreiben und die Kundenbindung stärken, und die höheren Volumina wiederum ermöglichen weitere Gebührenreduktionen.
Neue Kundensegmente mit der „Wise Platform“
Neben den Einzelkunden und B2B-Kunden integriert das Unternehmen mit der Wise-Plattform zunehmend auch Banken und Neobanken direkt als Dienstleister. Morgan Stanley und andere Großbanken setzen inzwischen auf die Wise-Infrastruktur. Bemerkenswert ist auch der langfristige Fokus des Gründers und CEOs Käärmann.
Ähnlich wie Amazon investiert Wise Erträge fortlaufend in die Weiterentwicklung der eigenen Infrastruktur und verzichtet bewusst auf eine Maximierung kurzfristiger Gewinne, denn die Skalierung steht im Fokus der Unternehmensstrategie. Die langfristige Zielsetzung: Internationale Überweisungen nahezu kostenlos zu machen, da Zinseinnahmen und zusätzliche Services den Zahlungsverkehr finanzieren.

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Wachstumschancen und Risiken
Die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs steht global noch am Anfang. Die Wachstumsrate im internationalen Zahlungsverkehr liegt bei jährlich 16 bis 17 Prozent. Wise befindet sich daher in einem starken Wachstumsmarkt und wächst selbst im zweistelligen Bereich. Die EBIT-Marge liegt bei 34 Prozent und der Return on invested capital als Qualitätskennzahl liegt bei 34 Prozent. Wise hat zudem beschlossen, die Hauptnotierung von London an die US-Börse der New York Stock Exchange zu verlegen.
Für US-Anleger macht das die Aktie deutlich attraktiver. Doch die Bewertung ist zuletzt gestiegen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 30, während die Cashflow-Rendite nun nur noch bei 4,4 Prozent liegt. Risiken ergeben sich auch durch verschärfte Regulierungen, zunehmenden Wettbewerb und den Vormarsch von Digitalwährungen, die eine Disruption des gesamten Währungssystems einleiten könnten.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über die Autorin
Sophia studierte Betriebswirtschaft und absolvierte ein Auslandssemester an der Singapore Management University. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Finanzen fest im Griff und sparte den Großteil ihres Taschengeldes. Auch sie vertraute lange den gängigen Anlageprodukten (Sparbuch, Bausparer, Lebensversicherung). Heute nimmt sie ihre Finanzen selbst in die Hand. Sie recherchiert täglich über Unternehmen und konzentriert sich auf Qualität, ergänzt durch ausgewählte Smallcaps und Wachstumswerte. Ihr Ziel ist es, den Zinseszinseffekt bestmöglich für den Vermögensaufbau zu nutzen.


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