Anlagestrategie Das Fonds-Duell: JPMorgan gegen L&G – wer gewinnt den Kampf um Europas Dividenden?

Aktives Management versus Index-ETF / Niedrigere Kosten steigern die Rendite / Portfoliostruktur und Performance im Detail

  • Autor Sven Stoll
KI-Bild von Bulle und Bär beim armdrücken mit Aktiencharts im Hintergrund (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI) Das Fonds-Duell: JPMorgan gegen L&G – wer gewinnt den Kampf um Europas Dividenden?

Während der L&G-ETF auf eine strikte Gleichgewichtung europäischer Cashflow-Maschinen setzt, gewichtet das aktive JPMorgan-Management klassische Qualitätsaktien nach fundamentaler Überzeugung. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Europa ist zurück auf dem Dividenden-Radar. Banken verdienen wieder Geld, Versicherer liefern satte Cashflows, Energiekonzerne schütten Milliarden aus. Doch wer holt mehr für Anleger heraus: der erfahrene Fondsmanager von JPMorgan oder die günstige ETF-Maschine von L&G? Das Duell zwischen dem JPM Europe Strategic Dividend und dem L&G Europe ex-UK Quality Dividends Equal Weight ETF zeigt: Der ETF ist nicht nur billiger, sondern war zuletzt auch deutlich erfolgreicher.

Es gibt Fondsduelle, bei denen sich 2 Investmentphilosophien gegenüberstehen. Und es gibt Duelle, bei denen der Preisunterschied allein schon eine Geschichte erzählt. Hier trifft ein etablierter aktiver Fonds mit rund 1,56 Milliarden Euro Volumen auf einen noch jungen ETF mit rund 377 Millionen Euro. Hier stehen rund 1,80 Prozent laufende Kosten gegen gerade einmal 0,25 Prozent. Und hier trifft Fondsmanager-Handwerk auf ein Indexregelwerk.

Der JPM Europe Strategic Dividend Fund A dist EUR (ISIN: LU0247987802) ist der erfahrene Kontrahent. Die Anteilklasse wurde 2006 aufgelegt, die Strategie reicht bis 2005 zurück. Verwaltet wird der Fonds vom erfahrenen JPMorgan-Team um Michael Barakos, Ian Butler, Thomas Buckingham und Mayur Patel.

Auf der anderen Seite steht der L&G Europe ex-UK Quality Dividends Equal Weight UCITS ETF (ISIN: IE00BMYDM919). Aufgelegt im Jahr 2021, deutlich schlanker – und mit einem entscheidenden Unterschied: Hier entscheidet kein Fondsmanager, sondern der Index. Das Duell lautet deshalb: Aktive Überzeugung gegen regelbasiertes Dividenden-Investing.

Dividenden sind plötzlich wieder sexy

Lange galten europäische Dividendenaktien als das Anlageäquivalent zur Einbauküche: solide, nützlich, aber selten aufregend. Das hat sich geändert. Während die Börsenwelt auf US-Tech, künstliche Intelligenz und Mega-Caps starrt, sitzt Europa auf einer anderen Art von Kapitalmaschine. Banken verdienen wieder ordentlich Geld, Versicherer schwimmen in Cashflows, Energiekonzerne profitieren von hohen Ausschüttungen und Pharmariesen liefern stabile Gewinne.

Dividenden sind dabei mehr als ein netter Nebenverdienst. Sie sind ein Ausdruck von Profitabilität und Kapitaldisziplin. Unternehmen, die dauerhaft Geld an ihre Aktionäre zurückgeben können, müssen schließlich erst einmal dauerhaft Geld verdienen. Genau darauf setzen beide Fonds. Doch sie tun es auf völlig unterschiedliche Weise.

Management-Duell: Fondsmanager gegen Indexmaschine

Der JPM Europe Strategic Dividend verfolgt einen klassischen aktiven Ansatz. Das Management sucht Unternehmen mit attraktiver Dividendenrendite, schaut aber nicht einfach auf die höchste Ausschüttung. Stattdessen sollen fundamentale Analysen und quantitative Signale helfen, Unternehmen herauszufiltern, deren Dividenden nachhaltig sind. Das ist wichtig. Denn eine extrem hohe Dividendenrendite ist an der Börse häufig kein Geschenk, sondern eine Warnung. Fällt der Aktienkurs stark, steigt die Dividendenrendite rechnerisch.

Gleichzeitig kann genau dieser Kursverfall darauf hindeuten, dass die Dividende künftig gekürzt wird. Die Manager des JPM-Fonds versuchen deshalb, hohe Ausschüttungen mit finanzieller Qualität zu verbinden. Das Team um Michael Barakos bringt dabei jahrzehntelange Erfahrung mit. Der Fonds kann flexibel reagieren, einzelne Aktien meiden, Gewichtungen verändern und auch Unternehmen halten, die nicht in das klassische Hochdividenden-Schema passen.

Der L&G-ETF braucht dagegen keinen Star-Manager. Er bildet einen FTSE-Index ab, der europäische Aktien ohne Großbritannien anhand von Dividendenwachstum, erwarteter Dividendenrendite und Qualitätskriterien auswählt. ESG-Filter gehören ebenfalls zum Regelwerk. Hinzu kommt eine Equal-Weight-Komponente, die verhindert, dass einzelne Schwergewichte das Portfolio dominieren. Der Unterschied ist brutal einfach: JPM kauft nach Überzeugung. L&G kauft nach Regeln.

Portfolio-Duell: ASML gegen Equinor

Wie unterschiedlich die beiden Ansätze aussehen, zeigt ein Blick auf die Portfolios. Beim JPM-Fonds finden sich unter den größeren Positionen ASML, HSBC, Roche, Novartis, Nestlé, Shell, Santander, AstraZeneca und Allianz.

Das ist kein klassischer Hochdividenden-Bauchladen. ASML etwa ist kein typischer Dividendenstar. Die Position zeigt vielmehr, dass JPM Dividende mit Qualität und langfristigem Wachstum kombinieren will. Das Portfolio besitzt damit ein gewisses europäisches Blue-Chip-Rückgrat: Pharma, Banken, Versicherungen, Energie und Industrie – aber mit der Freiheit, auch Qualitätsunternehmen stärker zu gewichten.

Beim L&G-ETF sieht die Welt anders aus. Hier dominieren unter anderem Equinor, Repsol, Unipol, Orlen, BBVA, ING, Generali, CaixaBank, Orion und NN Group. Das liest sich weniger wie das Who’s who europäischer Qualitätsaktien und mehr wie eine Liste der großen europäischen Cashflow-Maschinen: Banken, Versicherer, Energie. Genau dort, wo Europa derzeit besonders viel ausschüttungsfähigen Gewinn produziert. Und durch die Gleichgewichtung wird verhindert, dass einzelne Unternehmen zu dominant werden. Der ETF verteilt die Dividendenwette damit deutlich systematischer über das Anlageuniversum.

Kosten-Duell: Hier wird es für JPM unangenehm

Jetzt kommt der Punkt, an dem der aktive Fonds einen schweren Rucksack bekommt. Der JPM Europe Strategic Dividend verlangt rund 1,80 Prozent laufende Kosten. Der L&G-ETF kommt auf gerade einmal 0,25 Prozent. Das sind rund 1,55 Prozentpunkte Unterschied pro Jahr. Klingt zunächst nach einer Kleinigkeit. Ist es aber nicht.

Über 10 Jahre summiert sich ein solcher Kostennachteil – bei gleicher Bruttorendite und ohne weitere Effekte – zu einem erheblichen Renditeunterschied. Ein aktiver Manager muss also erst einmal einen ziemlich großen Mehrwert schaffen, bevor der Anleger überhaupt besser dasteht. Das ist die stille Grausamkeit des ETF-Zeitalters: Gute Geschichten sind teuer. Regeln sind billig. JPM kann diesen Nachteil nur rechtfertigen, wenn das Management dauerhaft bessere Aktien findet oder Risiken erfolgreicher steuert.

Performance-Duell: Der ETF zieht davon

Und genau hier wird das Duell interessant. Denn der L&G-ETF hat JPM in den vergangenen Jahren nicht nur über den Preis geschlagen. Auch bei der Rendite liegt der ETF vorne. Der JPM-Fonds erzielte über ein Jahr rund 27 Prozent, über 3 Jahre gut 80 Prozent und über 5 Jahre rund 85 Prozent. Das sind durchaus starke Zahlen.

 

Doch der L&G ETF legt noch eine Schippe drauf: knapp 29 Prozent über ein Jahr, gut 102 Prozent über 3 Jahre und rund 121 Prozent über 5 Jahre. Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung in einzelnen Marktphasen. 2022 kam der ETF mit rund minus 4 Prozent vergleichsweise glimpflich durch das schwierige Börsenjahr. 2025 folgte ein Plus von rund 38 Prozent. Die Kombination aus Value, Banken, Energie und Equal Weight erwies sich damit als echter Renditeturbo. Damit ist der Befund ziemlich eindeutig: JPM liefert. L&G liefert mehr. Und das bei einem Bruchteil der Kosten.

Was für JPM spricht: Der Mensch bleibt flexibler

Trotzdem wäre es zu einfach, den aktiven Fonds abzuschreiben. Er hat einen entscheidenden Vorteil: Flexibilität. Der Fondsmanager muss sich nicht sklavisch an einen Index halten. Er kann Unternehmen aussortieren, deren Dividende ihm zu riskant erscheint. Er kann Qualitätswerte höher gewichten und auf Veränderungen bei Bewertungen oder Fundamentaldaten reagieren.

Auch Großbritannien kann berücksichtigt werden. Das ist nicht unwichtig. Der britische Aktienmarkt ist einer der größten Dividendenpools Europas. Wer europäische Dividenden sucht, findet dort zahlreiche Unternehmen mit langer Ausschüttungshistorie. JPM kann diesen Markt nutzen. Der L&G-ETF verzichtet dagegen bewusst auf Großbritannien. Das macht die Strategie klarer – aber auch enger.

 

Was für L&G spricht: Der Dividendenautomat funktioniert

Der ETF hat dagegen eine andere Stärke: Disziplin. Kein Fondsmanager kann plötzlich eine Lieblingsaktie übergewichten. Kein Investmentkomitee kann die Strategie kurzfristig verändern. Und niemand wird von einer besonders attraktiven, aber möglicherweise gefährlichen Dividendenrendite verführt. Die Regeln entscheiden.

Dividendenwachstum, erwartete Ausschüttungen, Qualität und Equal Weighting bilden ein ziemlich nüchternes Auswahlverfahren. Und genau diese Nüchternheit hat sich zuletzt bezahlt gemacht. Der ETF vermeidet damit auch einen klassischen Fehler vieler Dividendenstrategien: einfach die Aktien mit der höchsten Dividendenrendite zu kaufen. Denn die höchste Rendite ist häufig dort zu finden, wo der Markt die größten Probleme erwartet. L&G versucht stattdessen, Dividende und Qualität zusammenzubringen.

Das Risiko-Duell: Der ETF ist kein defensiver Sparstrumpf

Ein Punkt darf allerdings nicht übersehen werden. Der L&G-ETF ist kein Allwetterprodukt. Wer stark auf Banken, Versicherer und Energiekonzerne setzt, kauft automatisch einen ordentlichen Schuss Value. Läuft der Markt wieder in Richtung hoch bewerteter Wachstums- und Qualitätstitel, kann sich das Bild schnell drehen. Auch der Ausschluss Großbritanniens ist eine bewusste Wette.

Und der Equal-Weight-Ansatz bedeutet ebenfalls: Der Anleger kauft nicht einfach den europäischen Aktienmarkt. Er kauft eine sehr spezifische Kombination aus Dividende, Qualität und Gleichgewichtung. JPM ist hier flexibler. Der Fonds kann stärker gegensteuern und muss nicht jeden Indexzyklus mitmachen. Doch Flexibilität ist eben nur dann etwas wert, wenn sie tatsächlich Mehrwert produziert. Und genau dafür liefert die bisherige Bilanz noch keinen überzeugenden Beweis.

Das Urteil: L&G gewinnt – und zwar ziemlich deutlich

Der JPM Europe Strategic Dividend ist der elegantere Fonds. Er verfügt über ein erfahrenes Managementteam, einen flexiblen Investmentprozess und die Möglichkeit, Dividenden mit Qualität und Wachstum zu verbinden. Wer glaubt, dass aktive Manager im europäischen Aktienmarkt dauerhaft Fehlbewertungen ausnutzen können, bekommt hier das bessere Handwerkszeug.

Doch der L&G Europe ex-UK Quality Dividends Equal Weight ETF ist derzeit das schärfere Paket. Er kostet nur 0,25 Prozent, ist transparent, breit gestreut und hat über 1, 3 und 5 Jahre stärker geliefert. Die Kombination aus Dividendenwachstum, Qualität und Equal Weighting hat sich als bemerkenswert effektiv erwiesen. Vor allem aber muss der ETF keinen Fondsmanager schlagen. Er muss nur seine Regeln einhalten. Das ist der entscheidende Punkt dieses Duells: JPM muss Mehrwert schaffen. L&G muss nur effizient sein. Und bislang war genau das erfolgreich.

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JPMorgan gegen L&G: das Fazit

Gewinner des Fonds-Duells ist der L&G Europe ex-UK Quality Dividends Equal Weight UCITS ETF. Nicht durch K.o., sondern nach Punkten. JPM punktet bei Flexibilität, Managementerfahrung und der Möglichkeit, auch Großbritannien sowie individuelle Qualitätsaktien einzubeziehen. L&G gewinnt dagegen bei Kosten, Transparenz und der jüngeren Performance.

Für Anleger, die europäische Dividenden systematisch und kosteneffizient abbilden wollen, ist der ETF derzeit schwer zu schlagen. Der JPM-Fonds bleibt die interessantere Wahl für alle, die dem Faktor Fondsmanager einen echten Mehrwert zutrauen. Das Duell liefert damit eine kleine Lektion über das ETF-Zeitalter: Wenn der Manager nicht deutlich besser ist, wird der Preis zum entscheidenden Gegner. Und bei diesem Duell ist der Preisunterschied gewaltig.

KennzahlJPM Europe Strategic DividendL&G Europe ex-UK Quality Dividends ETF
ISIN / WKNLU0247987802 / A0JJ5SIE00BMYDM919 / A2QK9U
ProduktartAktiver AktienfondsPassiver ETF
Ertragsverwendung  AusschüttendAusschüttend, quartalsweise
Auflage15.05.200615.04.2021
Fondsvolumenca. 1,56 Mrd. Euroca. 377 Mio. Euro
Laufende Kostenca. 1,80% p.a.0,25% p.a.
ManagementMichael Barakos, Ian Butler, Thomas Buckingham, Mayur PatelRegelbasiert / L&G
StrategieHohe Dividendenrendite, fundamental + quantitativDividendenwachstum, Qualität, ESG-Filter, Equal Weight
UK-Anteilca. 25%0%, da ex UK
Top-HoldingsASML, HSBC, Roche, Novartis, Nestlé, Shell, Santander, AstraZeneca, AllianzEquinor, Repsol, Unipol, Orlen, BBVA, ING, Generali, CaixaBank, Orion, NN Group
Performance YTD+16,86%+19,38%
Performance
1 Jahr
+26,93%+29,37%
Performance
3 Jahre
+80,42%+102,61%
Performance
5 Jahre
+85,02%+121,11%
Performance
10 Jahre
+134,04%–
2025+28,64%+38,00%
2024+12,44%+14,29%
2023+14,41%+17,83%
2022-8,77%-4,08%
Volatilität 1 Jahr12,15%10,77%
Volatilität 3 Jahre12,14%11,99%
Volatilität 5 Jahre13,43%13,79%
Max. Verlust 1 Jahr-7,94%-6,84%
Max. Verlust
3 Jahre
-12,95%-14,76%
Max. Verlust
5 Jahre
-19,96%-20,38%
Sharpe Ratio 1 Jahr1,982,43
Sharpe Ratio 3 Jahre1,561,98
Sharpe Ratio 5 Jahre0,991,26
Hinweis: JPM inkl. UK, L&G ex UK. Performance/Risiko nach Anbieterangaben; Zeitpunkte können leicht abweichen. Keine Anlageberatung.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Über den Autor

Autor Sven Stoll

Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.

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