
Holdinggesellschaften verbinden Diversifikation mit Expertise – ein Investment in viele Unternehmen zugleich. (Foto: Freepik)
Berkshire Hathaway ist wohl eine der bekanntesten börsennotierten Holdings der Welt. Eine Holdinggesellschaft ist eine Mutter- oder Dachgesellschaft, die Anteile an anderen Unternehmen hält. Eine Holding übt durch ihre Beteiligung an ihren Tochterunternehmen Kontrolle aus und begleitet einzelne Töchter strategisch, ohne in das Tagesgeschäft einzugreifen.
Berkshire Hathaway ist Eigentümer von über 70 Unternehmen im Bereich Versicherungen, Energie, Eisenbahnen und Medien. Zusätzlich ist die von Warren Buffett gegründete Holding an 36 börsennotierten Aktiengesellschaften beteiligt und profitiert von Erträgen aus dem Investmentportfolio. Dazu zählen Apple, American Express und Coca-Cola.
Diversifikation und Zugang zum Privatmarkt
Holdinggesellschaften bieten mit einer einzigen Aktieninvestition eine besondere Diversifikation – je nach Anzahl der Beteiligungen und der Sektor-Auswahl. Indirekt beteiligen sich Aktionäre an einer Vielzahl unterschiedlicher Unternehmen und Branchen. Das Risiko einer Fehlinvestition wird dadurch deutlich reduziert. Sollte ein Tochterunternehmen schwächeln, kann dies durch positive Entwicklungen anderer Beteiligungen ausgeglichen werden.
Ein besonderer Pluspunkt für Anleger liegt darin, dass zahlreiche Beteiligungen von Holdinggesellschaften nicht an der Börse gelistet sind. Dadurch eröffnet sich ein unterschwelliger Zugang zu Unternehmen, die sonst für Privatanleger kaum erreichbar wären. Das Anlageuniversum erweitert sich dadurch um ein Vielfaches. Letztlich haben Manager von Holdinggesellschaften auch langjährige Expertise. Sie verfügen über ein starkes Know-how und ein Netzwerk, um künftige Investmenttrends und profitable Märkte zu erkennen, die Privatanleger meist nicht erkennen können.
Das Problem der Intransparenz
Holdinggesellschaften veröffentlichen häufig konsolidierte Zahlen. Eine transparente Darstellung ist aufgrund des Umfangs schwierig bis unmöglich umzusetzen. Auch eine Bewertung der wirtschaftlichen Lage einzelner Beteiligung bleibt in den meisten Fällen ungelöst.
Aufgrund des Transparenzmangels und des Liquiditätsrisikos von Beteiligungen, insbesondere bei Mehrheitsbeteiligungen oder nicht-gelisteten Unternehmen, werden Holdinggesellschaften an der Börse regelmäßig unter dem Wert ihrer Nettovermögenswerte (NAV) gehandelt. Lediglich bei Holdinggesellschaften wie etwa Berkshire Hathaway, die konstant überdurchschnittlich abschneiden, sind Anleger bereit, einen Aufschlag zu bezahlen.
Familiengeführte Holdings und Managementqualität
Wie auch bei Einzelunternehmen genießen familiengeführte Holdinggesellschaften einen Vertrauensvorschuss. Sie gelten oft als besonders nachhaltig und krisenresistent, denn Familien investieren ihr eigenes Vermögen und gehen daher nachhaltiger mit ihren Investitionsentscheidungen um. Sie vermeiden übermäßige Verschuldung und sind tendenziell langfristig orientiert.
In wirtschaftlich starken Zeiten kann diese Strategie zwar zu konservativ sein, auf lange Sicht zahlt sich Geduld und Disziplin in den meisten Fällen jedoch aus. Bei nicht familiengeführten Holdinggesellschaften sind das Managementteam und die Kapitalallokation entscheidend. Wird das Kapital sinnvoll reinvestiert, werden wertvolle Zukäufe getätigt oder Aktien zurück gekauft?
Weitere Kriterien im Auswahlprozess
Es mag zu einfach klingen, doch vergangene Renditen von Holdinggesellschaften können ein guter Indikator für zukünftige Erträge sein. Langfristig erfolgreiche Holdings, die kontinuierlich Wert schaffen, sind häufig eine bessere Wahl als chronisch schlecht laufende Holdinggesellschaften.
Des Weiteren macht es für Aktionäre Sinn, das Portfolio der Holdinggesellschaft zu betrachten und sich die Frage zu stellen, ob die Diversifikation und Selektion den eigenen Anlagekriterien entspricht. Letztlich sollte auch ein Blick auf die Schulden geworfen werden, denn bei Marktrückschlägen bietet eine niedrige Verschuldung mehr Stabilität. Als primäre Kennzahl zur Bewertung von Holdinggesellschaften dient der NAV (Wert der Beteiligungen minus Schulden).
Ein deutlicher Kursabschlag auf den NAV kann bei Intransparenz oder schlechter Kapitalallokation gerechtfertigt sein, aber auch Chancen auf eine Unterbewertung bieten. Der NAV ist daher nicht der faire Wert, jedoch ein guter Ausgangswert zur Bewertung der Holdinggesellschaft.
Viele Unternehmen weisen den NAV auf der Firmenwebseite oder im Jahresbericht aus, es gibt jedoch keine Verpflichtung dazu. Als Beispiel stellt Investment AB Latour direkt den NAV dem Börsenwert gegenüber und schafft somit Transparenz für Anleger.
Fazit zu Holdinggesellschaften
Holdings bieten eine Möglichkeit, in mehrere Unternehmen mit nur einem Investment zu investieren. Es gibt breit diversifizierte Holdings wie etwa Berkshire Hathaway, aber auch konzentriertere Holdings, die sich auf Sektoren und/oder Länder konzentrieren, wie etwa SoftBank auf Technologie- und Wachstumsunternehmen oder Investor AB auf Industrieunternehmen. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über die Autorin
Sophia studierte Betriebswirtschaft und absolvierte ein Auslandssemester an der Singapore Management University. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Finanzen fest im Griff und sparte den Großteil ihres Taschengeldes. Auch sie vertraute lange den gängigen Anlageprodukten (Sparbuch, Bausparer, Lebensversicherung). Heute nimmt sie ihre Finanzen selbst in die Hand. Sie recherchiert täglich über Unternehmen und konzentriert sich auf Qualität, ergänzt durch ausgewählte Smallcaps und Wachstumswerte. Ihr Ziel ist es, den Zinseszinseffekt bestmöglich für den Vermögensaufbau zu nutzen.


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