Anlagestrategie Synthetische ETFs: So sichern Sie sich den US-Steuervorteil

Swap-ETFs auf den S&P 500 oder MSCI World / Mehr Rendite durch Steuerbefreiung / So funktioniert der Swap-Mechanismus

  • Autor Tim Krupka - Foto: Fotodesign Lorenz
US-Flagge mit Steuerformular und Taschenrechner (Foto: Magnific.com, sweet_tomato) Synthetische ETFs: So nutzen Sie den US-Steuervorteil

Besteuerung in den USA: Synthetische ETF können ein Renditeplus bringen. (Foto: Magnific.com, sweet_tomato)

Manche Vorteile beim Investieren sind offensichtlich, andere hingegen wirken eher im Verborgenen, ohne dass Anleger viel davon wissen. Der Steuervorteil synthetisch replizierender ETFs, umgangssprachlich als Swap-ETFs bekannt, gehört zu letzterer Kategorie. Investoren, die ihn kennen, können sich langfristig messbare Mehrrenditen sichern. Doch wie funktioniert der legale “Steuertrick”?

Um den steuerlichen Vorteil zu verstehen, muss man zunächst etwas ausholen. Relevant sind die nachfolgenden Ausführungen primär für Anleger, deren ETFs auf ausschüttungsstarke US-Werte setzen.

Problematische Quellensteuer: Physische ETFs und US-Dividenden

Wenn amerikanische Unternehmen Dividenden zahlen, behält der dortige Fiskus einen Teil davon zurück, bevor das Geld überhaupt im ETF ankommt. Standardmäßig liegt diese Quellensteuer bei 30 Prozent. Aufgrund des bestehenden Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und den USA reduziert sich dieser Satz für in Irland domizilierte ETFs jedoch auf 15 Prozent.

Nimmt man nun eine Dividendenrendite von eher konservativen 2 Prozent an, verliert ein physisch replizierender ETF auf US-Titel also 0,3 Prozentpunkte pro anno an den amerikanischen Staat. Auf mehrere Jahrzehnte hochgerechnet und unter Berücksichtigung des Zinseszinseffekts ergibt sich daraus ein Betrag, der schnell den Wert eines Mittelklassewagens erreicht. Wichtig ist: Diese Einbuße lässt sich nicht zurückfordern, auch nicht über die deutsche Steuererklärung.

Wie der Swap-Mechanismus 2026 funktioniert: Der Rendite-Boost

Synthetische ETFs gehen diesem Hindernis auf elegante Weise aus dem Weg. Statt die Aktien eines Index direkt zu erwerben, schließt der ETF einen Tauschvertrag – daher der Name Swap – mit einer Bank oder einem anderen Finanzinstitut ab.

Vereinfacht läuft das wie folgt ab: Der ETF hält ein Sicherheitenportfolio, meist bestehend aus liquiden Aktien oder Anleihen, und tauscht dessen Renditen gegen die exakte Performance des Zielindex. Die Bank (oder ein anderes Finanzinstitut) liefert dem ETF also genau das, was der Index macht, unabhängig davon, was im Sicherheitenportfolio liegt.

Nun wird es etwas komplexer. Nach US-amerikanischer Steuergesetzgebung (Abschnitt 871 [m] Internal Revenue Code) sind Swap-Kontrakte auf qualifizierte Indizes mit liquiden Futures-Märkten wie dem S&P 500 von der Quellensteuer auf Dividenden befreit.

Während ein physischer ETF auf US-Werte maximal 85 Prozent der Bruttodividende vereinnahmt (sofern er in Irland domiziliert ist), sind es bei synthetischen ETFs theoretisch bis zu 100 Prozent. Ein solcher Unterschied macht sich unmittelbar in der sogenannten Tracking Difference bemerkbar, also der Abweichung zwischen ETF- und Indexrendite. Bei synthetischen ETFs auf US-Indizes kann diese Kennzahl sogar negativ sein, was bedeutet, dass der Fonds den Index übertrifft.

Smartbroker Dashboard / Quelle: Smartbroker Presse

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UCITS-Richtlinie: Wie hoch ist das Risiko bei synthetischen ETFs?

Natürlich gibt es Renditevorteile nicht umsonst. So ist bei Swap-ETFs vor allem hinsichtlich des Kontrahentenrisikos Aufmerksamkeit geboten. Fällt die Institution aus, mit der der Tauschvertrag geschlossen wurde, könnte ein Teil des ETF-Vermögens gefährdet sein. An dieser Stelle greift nun allerdings europäisches Recht.

Die UCITS-Richtlinie begrenzt das Kontrahentenrisiko auf maximal 10 Prozent des Nettoinventarwerts eines ETFs. Mindestens 90 Prozent müssen durch hochqualitative Sicherheiten gedeckt sein, zum Beispiel durch Aktien großer Unternehmen oder Staatsanleihen mit guter Bonität.

In der Praxis liegt das tatsächliche Risiko bei den meistern Anbietern sogar deutlich unter der gesetzlichen Obergrenze, da viele ETF-Emittenten Swaps regelmäßig auf null zurücksetzen und/oder mehrere Kontrahenten gleichzeitig nutzen.

Xtrackers, Invesco & Co: Diese ETFs nutzen den Vorteil

Wer vom beschriebenen Mechanismus profitieren möchte, hat eine überschaubare, aber solide Auswahl an Produkten. Für den S&P 500 ist etwa der Xtrackers S&P 500 Swap UCITS ETF (ISIN: LU0490618542) der DWS Group (FSE: DWS) einer der etabliertesten Vertreter seiner Art.

Ebenso bietet Invesco (NYSE: IVZ) synthetisch replizierende S&P-500-Produkte an (zum Beispiel ISIN: IE00B3YCGJ38), die in der Vergangenheit durch eine günstige Tracking Difference aufgefallen sind.

Auch auf den MSCI World gibt es synthetische Alternativen. Der Xtrackers MSCI World Swap UCITS ETF 1C (ISIN: LU0274208692) ist seit 2006 am Markt und verwaltete zuletzt knapp über 5 Milliarden Euro. Der Quellensteuer-Vorteil entfaltet hier ebenfalls seine Wirkung, da der MSCI World zu rund 70 Prozent aus US-Titeln besteht.

Fazit: Warum der Renditevorteil von Swap-ETFs oft übersehen wird

Obwohl der Steuervorteil synthetischer ETFs auf US-Aktien kein Geheimnis ist, wird er im Alltag von vielen Investoren schlicht übersehen respektive ignoriert. Anleger mit langfristigem Horizont, die sich vor allem US-Indizes ins Portfolio packen, sollten zumindest prüfen, ob es ein synthetisches Pendant zum bevorzugten ETF gibt. Immerhin akkumuliert sich der Renditevorteil über die Zeit und kann so über die Jahre (und Jahrzehnte) ein Zusatzplus einbringen.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Über den Autor

Autor Tim Krupka - Foto: Fotodesign Lorenz

Die Börse und vor allem Aktien begeistern Tim bereits seit seinem 14. Lebensjahr. Schon in der Schulzeit begann er, für unterschiedliche Publikationen über die Welt der Investments zu schreiben und führt dies nun auch parallel zu seinem betriebswirtschaftlichen Studium weiter. Sein besonderes Faible gilt Titeln aus der zweiten Reihe, die aber dennoch durch Qualität zu überzeugen wissen und für ihre Anleger dadurch ansehnliche Renditen erwirtschaften.

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