
Schlagzeilen bestimmen die Märkte – doch der richtige Währungshedge entscheidet, was im Depot ankommt (Foto: freepik, roman-).
Was ist gerade los mit dem US-Dollar? Anfang des Jahres wollte er noch auf Augenhöhe mit dem Euro marschieren, nun taumelt er wie ein Boxer in der 12. Runde. Für Anleger im Euroraum hat das spürbare Folgen. Wer auf US-Aktien wie Amazon, Nvidia oder Apple setzt, musste zuletzt zusehen, wie Kursgewinne von der Währungsseite wieder aufgefressen wurden. Ein S&P-500-Investment ohne Absicherung? Seit Januar ein Minusgeschäft – nicht wegen der Aktien, sondern wegen des US-Dollars. Willkommen in der harten Realität der Währungsrisiken.
Greenback strauchelt – Hedged-ETFs als Rettungsanker?
Zum Glück gibt es eine Lösung – zumindest auf dem Papier: Währungsgehedgte ETFs, also Indexfonds, bei denen der Anbieter das Dollar-Risiko für europäische Anleger ausbügelt. Wie ein US-Amerikaner, der seinen Lebensunterhalt in Dollar verdient und ausgibt, erleben Euro-Anleger mit Hedged-ETFs das wahre Börsengeschehen – ohne Wechselkursverzerrung.
Wer beispielsweise den iShares S&P 500 EUR Hedged (ISIN: IE00B3ZW0K18) im Depot hat, schaut auf die reine Performance der US-Unternehmen – und nicht auf die Launen des Devisenmarkts.
Klingt nach der ultimativen Lösung? Ganz so einfach ist es leider nicht.
Die Schattenseite des Absicherungsglücks
Denn die Währungsabsicherung ist nicht kostenlos. Zwar zahlen Anleger bei vielen währungsgesicherten ETFs nominell keine höheren Gebühren, doch die wahren Kosten entstehen durch das sogenannte Zinsdifferenzgeschäft. Und das kann wehtun. Ein Beispiel: Liegen die Geldmarktzinsen in den USA bei 5 Prozent, in der Eurozone aber nur bei 3 Prozent, frisst die Absicherung satte 2 Prozentpunkte weg. Wer also denkt, mit dem „sicheren” Euro-Hedge ungeschoren davonzukommen, sollte sich nicht wundern, wenn ein Renten-ETF nur noch mit halber Kraft läuft.
Und auch bei Aktien-ETFs kann die Sache tricky sein: Steigt der US-Dollar wieder, verpasst man das Währungsplus. Die Hedging-Kurve verläuft nie linear – mal gewinnt man, mal verliert man. Und: Die Absicherung wird monatlich oder vierteljährlich neu justiert. Das schützt zwar vor Dauerverlusten, sorgt aber nicht selten für Timing-Probleme.
Der Blick in die Praxis: Wer profitiert wirklich?
Die Liste der verfügbaren gehedgten ETFs ist inzwischen lang. Vom Nasdaq 100 über den MSCI World bis hin zu US-Staatsanleihen ist alles absicherbar. Die beliebtesten Produkte stammen von iShares, SPDR und Xtrackers und tragen meist das Kürzel „EUR Hedged“ im Namen. Besonders bei Anleihe-ETFs ist eine Absicherung sinnvoll, da Wechselkursverluste dort wie ein zweites Risiko wirken – und das wollen Anleger bei einem „sicheren“ Investment eigentlich nicht.
Beispiel gefällig? Der iShares JP Morgan EM Bond EUR Hedged ETF (ISIN: IE00B9M6RS56) sichert US-Dollar-Staatsanleihen aus Schwellenländern ab und kommt bei moderater Volatilität immerhin auf 4,35 Prozent Jahresplus – wohlgemerkt in Euro. Ohne Absicherung wäre das Risiko – und die Währungsunsicherheit – deutlich größer.
Auch bei Aktien-ETFs ist der Währungs-Hedge ein zweischneidiges Schwert. So hat der iShares Nasdaq 100 ETF (ISIN: IE00BYVQ9F29) mit Euro-Absicherung 2025 bislang ordentlich geliefert: über 8 Prozent Plus – ein echter Lichtblick im Tech-Sektor. Wer hingegen auf die klassische, ungesicherte Variante gesetzt hat, sieht ein Minus von 3,4 Prozent im Depot stehen. Und das, obwohl die Aktien darin exakt dieselben sind. Der Unterschied: der schwächelnde Dollar.
Doch Vorsicht ist geboten: Der Währungsschutz ist kein Freifahrtschein. Denn so wie der Hedge im schwachen Dollarjahr 2025 für Rückenwind sorgt, kann er bei einer Dollar-Rallye zur handfesten Performancebremse werden. Wer absichert, kappt nicht nur Risiken – sondern womöglich auch künftige Chancen. In Währungsfragen gilt: Wer sich schützt, verzichtet auf den Kick – und manchmal auf das Sahnehäubchen der Rendite.
Fazit: Hedging – Segen, Fluch oder beides?
Wer derzeit in den US-Markt investiert, bekommt den schwächelnden Dollar schmerzhaft zu spüren. Währungsgehedgte ETFs bieten eine elegante Lösung – aber keine perfekte. Sie sind kein Freifahrtschein für sorgenfreies Investieren, sondern ein Tool im Werkzeugkasten smarter Anleger. Sie schützen vor dem Dollar-Debakel, können aber auch beim nächsten Comeback des Greenback zur Renditefalle werden.
Der Trick besteht darin, die Währungsabsicherung gezielt und nicht flächendeckend einzusetzen. Vor allem bei Anleihen ist ein Hedge sinnvoll, bei Aktien ist mehr Fingerspitzengefühl erforderlich. An der Börse gilt eben: Der Teufel steckt nicht nur im Detail, sondern auch im Wechselkurs.
Ausgewählte ETFs mit Euro-Währungsabsicherung:
| ETF-Name | ISIN | Schwerpunkt | Kosten p.a. in % | Volumen in Mio. € | Performance 2025 in % |
| Invesco S&P 500 ETF | IE00BRKWGL70 | Aktien USA | 0,05 | 37.835 | 6,09 |
| iShares Nasdaq 100 ETF | IE00BYVQ9F29 | Aktien USA | 0,33 | 16.407 | 8,04 |
| UBS MSCI World ETF | IE000TB15RC6 | Aktien Welt | 0,10 | 2.509 | 6,68 |
| SPDR MSCI ACWI ETF | IE00BF1B7389 | Aktien Welt | 0,17 | 5.051 | 6,36 |
| iShares JP Morgan EM Bond ETF | IE00B9M6RS56 | Anleihen EM | 0,50 | 1.837 | 4,14 |
| SPDR FTSE Global Convertible Bond ETF | IE00BDT6FP91 | Wandelanleihen Welt | 0,55 | 1.502 | 8,39 |
| Vanguard Global Aggregate Bond ETF | IE00BG47KH54 | Anleihen Welt | 0,08 | 4.059 | 1,20 |
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über den Autor
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.


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