
WSS-Europa und R-co Valor: Fondsmanager mit klarer Meinung und freier Hand (Foto: Freepik, hujur1100)
Gold glänzt, China wankt, Europa läuft dem Dow davon – an den Kapitalmärkten hat sich 2025 alles verschoben. Wer jetzt Kapital aufbauen will, braucht keine Standardlösungen, sondern Manager mit klarer Meinung und freier Hand. 2 Fonds stechen heraus: der WSS-Europa aus Linz – und der R-co Valor aus dem Haus Rothschild.
Zeitenwende an den Kapitalmärkten
Seit Donald Trump ins Weiße Haus eingezogen ist, ist an den Finanzmärkten nichts mehr wie zuvor, denn sein wirtschaftlicher Kurs ist für die Finanzwelt ein unkalkulierbares Risiko. Die Ära der US-Dominanz verliert an Strahlkraft: Der Dollar schwächelt, der Dax übertrifft den Dow und Gold erlebt ein spektakuläres Comeback. Trumps Zollpolitik lähmt die Globalisierung und geopolitische Risiken sorgen für neue Unsicherheiten. Anleger sortieren deshalb ihre Portfolios neu.
Anstelle von E-Commerce und E-Mobilität stehen nun Energieeffizienz, Militärtechnologie und Schwellenländer auf der Agenda. Emerging-Markets-Anleihen verzeichnen beeindruckende Nettozuflüsse in Höhe von 35 Milliarden US-Dollar. Länder wie Indien wachsen mit 6,4 Prozent stärker als jede Industrienation. Gleichzeitig sichern sich die größten Rüstungskonzerne der Welt Aufträge bis 2027. Das ist ein deutliches Signal für neue Wachstumssegmente.
Um mit solchen Entwicklungen Schritt halten zu können, braucht es mehr als passive ETF-Kosmetik. Gefragt sind flexible Konzepte mit aktiver Steuerung – und genau hier kommen dynamische Mischfonds ins Spiel. 2 Fonds mit besonders viel Spielraum und Substanz sind der WSS-Europa und der R-co Valor.
WSS-Europa: Linzer Einzelgänger mit Langstreckenformat
Der WSS-Europa (ISIN: AT0000497227) ist ein echter Hidden Champion – ein Fonds, der nicht schreit, aber liefert. Seit der Auflage im Jahr 2005 hat er knapp 400 Prozent Rendite eingefahren, das entspricht 11,3 Prozent pro Jahr. Über 10 Jahre steht ein Plus von 230 Prozent (12,6 Prozent p.a.), über 5 Jahre 131 Prozent, über 3 Jahre 65 Prozent – und im laufenden Jahr bereits beeindruckende plus 23 Prozent. Für ein Produkt mit Mischfonds-Etikett ist das beinahe provokant gut.
Fondsmanager Markus Weissörtel gehört zur alten Schule der aktiven Verwalter. Kein Konzern, keine Benchmarkbindung, keine PR-Blase – stattdessen Stock-Picking, Risikomanagement und Markttechnik. Zwar heißt der Fonds „Europa“, der Blick ist dennoch global: 54 Prozent Deutschland, 20,5 Prozent Österreich, 5 Prozent Niederlande – und immerhin 11 Prozent USA.
Der Aktienanteil beträgt aktuell rund 80 Prozent, die restlichen 19 Prozent stecken in Anleihen. Bei den Top-Holdings finden sich Werte, die sonst selten gemeinsam im Portfolio liegen: Lang & Schwarz, Vonovia, Deutsche Wohnen und der Bitcoin-Proxy Microstrategy. Eine Mischung, die nicht jedem gefällt – aber offenbar funktioniert.
Weissörtel und seine Partner, allesamt Ex-Banker, haben den Fonds gegründet, um sich von starren Strukturen zu befreien. Und das merkt man dem Fonds an: unkonventionell, dynamisch und konsequent unabhängig. Für Anleger, die keine Lust mehr auf benchmark-konformes Mittelmaß haben, ein spannendes Produkt.
R-co Valor: Rothschilds Allzweckwaffe mit Mineninstinkt
Der zweite Kandidat im Ring stammt aus einem deutlich bekannteren Haus: Rothschild & Co. Doch statt konservativem Depot-Adelsglanz bringt der R-Co Valor vor allem eines mit: Mut zur Meinung. Die beiden Fondsmanager Yoann Ignatiew und Charles-Edouard Bilbault agieren beim R-Co Valor (ISIN: FR0011253624) nach dem „Carte-Blanche“-Prinzip. Alles kann, nichts muss. Die Aktienquote kann zwischen 0 und 100 Prozent liegen – je nach Marktlage.
Derzeit liegt der Aktienanteil bei 76,8 Prozent, defensiv abgesichert mit kurz laufenden Nullkuponanleihen. Das Ziel: maximale Flexibilität, um jederzeit zuschlagen zu können. Die Titelauswahl ist bewusst konzentriert: höchstens 50 Einzeltitel, klare Meinung statt Streuungsillusion.
Im Portfolio: ein Mix aus Konsum, Tech und Rohstoffen. Alphabet, Alibaba, Uber, Trip.com, Grab, Newmont, Agnico Eagle Mines und Airbus stehen auf der Liste. Auffällig: die starke Positionierung in Gold- und Kupferminen – das Markenzeichen des leitenden Managers, der studierter Bergbauingenieur ist und regelmäßig Minenstandorte persönlich inspiziert. Ein Detail, das für echten Research-Mehrwert sorgt.
Besonders bemerkenswert ist auch die China-Quote: rund 20 Prozent, obwohl viele Investoren längst das Weite gesucht haben. Der Fonds setzt auf den Konsumsektor und Technologietitel wie CATL oder Hello Group – und hat zuletzt bei Kursschwäche sogar nachgekauft.
Die Zahlen sprechen für sich: 450 Prozent Rendite in 20 Jahren (8,91 Prozent p.a.), 288 Prozent in 15 Jahren, 107 Prozent in 10 Jahren, 57 Prozent in 5 Jahren, 39 Prozent in 3 Jahren, aktuell plus 5,6 Prozent seit Jahresbeginn. Trotz geopolitischem Gegenwind – der Fonds liefert. Und das ohne Klumpenrisiko bei den Magnificent Seven. Nur Meta und Alphabet finden sich im Portfolio.
Fazit: 2 Fonds für die neue Weltordnung
Der WSS-Europa und der R-co Valor zeigen: Mischfonds müssen nicht langweilig sein. Sie können flexibel, fokussiert und furchtlos zugleich sein. Während der eine aus Linz auf Stock-Picking mit Markttechnik setzt, kombiniert der andere Pariser Wagemut mit geopolitischem Gespür und Rohstoff-Know-how.
Beide Produkte richten sich an Anleger mit Weitblick und einem Faible für aktives Management. Wer bereit ist, Volatilität auszuhalten und dem Fondsmanagement Raum lässt, bekommt hier 2 Strategien, die echten Mehrwert liefern können – fernab von ETF-Einheitsbrei.
In einer Welt, in der sich Machtzentren verschieben, geopolitische Risiken zunehmen und Marktzyklen schneller drehen, braucht es Strategien, die mitdenken – und mitgehen. Der Kapitalmarkt wird unberechenbarer. Gut, wenn jemand an Bord ist, der trotzdem Kurs hält.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über den Autor
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.



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