
Breslau, das Venedig Schlesiens: Wie polnische Nebenwerte nicht zu unterschätzen. (Foto: Freepik, azgek)
Polens Wirtschaft hat in den letzten Jahren einen beeindruckenden Wandel durchlaufen. Vom Krisenstaat aus den 1990er-Jahren hin zu einem aufstrebenden EU-Mitglied mit robusten Wachstumsraten, während ehemalige Wachstumsstaaten schwächeln. Unternehmerischer Geist, Innovationsstreben und staatliche Unterstützung sorgen dafür, dass der Wirtschaftsmotor in Polen weiter läuft. Für Anleger gibt es zusätzliche Chancen, da die neue Kapitalmarktreform ein steuerfreies Konto (OKI-Konto) schafft und die Nachfrage nach Aktien erhöhen wird. 3 Unternehmen zeigen beispielhaft, warum polnische Aktien attraktiv sind.
PZU – Stabilität eines Versicherers mit Dividendenkraft
PZU (Powszechny Zakład Ubezpieczeń) ist das größte Versicherungsunternehmen in Polen. Mit einem Marktanteil von 30 Prozent dominiert PZU den polnischen Versicherungsmarkt und strebt danach, eine breite Diversifikation weg vom reinen Versicherungsgeschäft zu erreichen. Neben den Versicherungsgeschäften bietet PZU daher auch Finanzdienstleistungen (Pensionsfonds, Bankgeschäfte) und Gesundheitsdienstleistungen (eigene medizinische Zentren) an, um die Abhängigkeit vom klassischen Versicherungsgeschäft zu reduzieren.
Operativ ist PZU in einer guten Verfassung. Digitalisierung und effizienter Prozesse haben dazu beigetragen, dass sich die operative Marge von 10 Prozent auf 20 Prozent in den letzten Jahren verbessern konnte. Mit dieser Entwicklung hielt auch der Aktienkurs Schritt. In den letzten 5 Jahren wurden Anleger mit einem Kursgewinn von 120 Prozent belohnt – und dazu gibt es aktuell eine Dividende von 8,3 Prozent. Damit zählt PZU zu den attraktivsten Dividendenzahlern der Region.
Auch die Wachstumsperspektiven sind für PZU positiv. Steigende Einkommen, wachsende Ersparnisse und die zunehmende Kapitalmarktbeteiligung fördern die Nachfrage nach Versicherungs- und Anlageprodukten. Hinzu kommt die laufende Digitalisierung und die Expansion in Nachbarländer wie Litauen und die Ukraine.
Shoper SA – Die E-Commerce-Plattform für Polens Mittelstand
Während internationale Investoren oft nur auf US-Tech-Unternehmen blicken, wächst in Polen ein digitaler Champion heran. Shoper SA betreibt eine Software-Plattform, die kleinen und mittleren Unternehmen den Aufbau und Betrieb eigener Onlineshops ermöglicht. Im Prinzip ist Shoper das polnische Pendant zu Shopify. Doch es hat den Vorteil einer dominanten Marktstellung in einem noch stark wachsenden E-Commerce-Markt.
Shoper profitiert vom strukturellen Trend zur Digitalisierung des Handels. Tausende lokale Händler setzen auf die Plattform, um ihre Produkte online zu verkaufen. Dabei bietet Shoper ein integriertes Ökosystem aus Webshop, Zahlungsabwicklung, Versandlösungen und auch Marketing-Tools. Die Gründerfamilie, die auch rund 23 Prozent der Aktien hält, sorgt mit dem „Alles aus einer Hand“-Prinzip für hohe Kundenbindung und stetig wiederkehrende Umsätze.
Das Wachstum ist beachtlich. Die Zahl der aktiven Shops steigt kontinuierlich, und das Unternehmen erzielt hohe Margen (75 Prozent Bruttomarge) durch seine SaaS-Struktur. Der Umsatz wächst weiterhin zwischen 17 bis 20 Prozent, während der freie Cashflow bei bereits 24 Prozent liegt.

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Trotz einer bereits starken Performance wird Shoper an der Börse moderat bewertet. Die Aktie notiert auf einem Niveau, das noch deutliches Aufholpotenzial bietet, insbesondere wenn Polen weiter zum digitalen Drehkreuz Mitteleuropas aufsteigt. In Kombination mit steuerlichen Anreizen wie dem OKI-Konto könnte Shoper zu einem der großen Profiteure des neuen Kapitalmarktbooms werden. Der Streubesitz liegt nur bei 28 Prozent.
Voxel SA – Medizintechnik als Wachstumssektor
Auch in der Medizintechnik hat Polen einiges zu bieten. Voxel SA ist ein Beispiel dafür, wie Innovation und Spezialisierung einen Marktführer schaffen können. Voxel betreibt eine der größten Netze für bildgebende Diagnostik in Polen, darunter Magnetresonanztomografie, Computertomografie und Nuklearmedizin.
Jährlich werden Millionen Patienten von Voxel versorgt und es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem nationalen Gesundheitssystem. Die Verträge mit der öffentlichen Hand sichern stabile Einnahmen, während die wachsende Nachfrage nach medizinischer Bildgebung für zusätzlichen Schub sorgt. In den letzten Jahren ist Voxel organisch und durch strategische Akquisitionen gewachsen, ohne dafür Aktionäre zu verwässern.
Neben dem Diagnostikgeschäft betreibt Voxel auch eine IT-Sparte, die Softwarelösungen für Radiologie und Teleradiologie entwickelt. Letztlich wird das Portfolio durch modernste Radiotherapie zur Behandlung von Gehirnerkrankungen abgerundet. Dadurch ist Voxel in mehreren Nischen aktiv, die hohe Margen und Eintrittsbarrieren aufweisen sowie Diversifikation bieten. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 und einer Cashflow-Rendite von 5 Prozent und zweistelligen Wachstumszahlen wirkt Voxel trotz eines Kursanstiegs von über 800 Prozent in 10 Jahren nicht zu teuer.
Polnische Nebenwerte bieten viele Chancen
Diese 3 Unternehmen sind nur eine kleine Auswahl an vielfältigen Möglichkeiten, in den polnischen Markt zu investieren. Alle 3 Unternehmen spiegeln die neue Stärke des polnischen Marktes wider, der von Digitalisierung, Innovationsgeist, Effizienzsteigerung und Wachstum profitiert.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über die Autorin
Sophia studierte Betriebswirtschaft und absolvierte ein Auslandssemester an der Singapore Management University. Schon als kleines Kind hatte sie ihre Finanzen fest im Griff und sparte den Großteil ihres Taschengeldes. Auch sie vertraute lange den gängigen Anlageprodukten (Sparbuch, Bausparer, Lebensversicherung). Heute nimmt sie ihre Finanzen selbst in die Hand. Sie recherchiert täglich über Unternehmen und konzentriert sich auf Qualität, ergänzt durch ausgewählte Smallcaps und Wachstumswerte. Ihr Ziel ist es, den Zinseszinseffekt bestmöglich für den Vermögensaufbau zu nutzen.


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