Märkte Agrar-Aktien, Fonds & ETFs: Der nächste Preisschock wächst auf dem Acker

Agrartechnik und Saatgut profitieren / Direkte Investments vermeiden / Innovative Unternehmen als Hebel / 4 Fonds und ETFs für Anleger

  • Autor Sven Stoll
KI -Bild von einem Farmer, der über ein Feld geht auf dem Balkendiagramme wachsen (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI) Agrar-Aktien, Fonds & ETFs: Der nächste Preisschock wächst auf dem Acker

Statt auf schwankende Agrarrohstoffe zu wetten, setzen Anleger bei Agrar-Fonds auf die langfristige Produktivitätssteigerung der Landwirtschaft. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

El Niño, Ernteausfälle, knappe Ackerflächen: Bei Weizen, Zucker, Kaffee und Kakao steigt die Nervosität. Wer nicht auf den Rohstoffpreis wetten will, kann dort investieren, wo der eigentliche Hebel sitzt: bei Saatgut, Dünger, Landmaschinen und Agrartechnik. 4 Produkte für Anleger.

An der Börse gibt es Dinge, über die Anleger lieber nicht sprechen. Agrarrohstoffe gehören dazu. Zu schnell schwingt der Vorwurf mit, Spekulanten würden auf Kosten hungernder Menschen wetten. Doch die Realität ist komplizierter. Wenn Dürren, Kriege oder blockierte Handelsrouten das Angebot verknappen, dann steigen die Preise – ohne dass Spekulanten dafür verantwortlich sind.

El Niño kommt – und mit ihm neue Ernte-Risiken

Und genau danach sieht es derzeit in einigen Märkten aus. Ein besonders starkes El-Niño-Muster – ein wiederkehrendes Klimaphänomen im Pazifik, das sich weltweit auf Wetterlagen und somit auch auf Ernten auswirken kann – könnte die ohnehin angespannte Lage bei einzelnen Agrarrohstoffen weiter verschärfen.

Besonders im Fokus steht dabei Weizen: Australien steuert auf eine schwächere Ernte zu, während in den USA nur 26 Prozent der Winterweizenbestände als gut bis sehr gut bewertet werden.

Bei Zucker wiederum könnte sich ein bislang komfortables Angebot in Richtung Defizit bewegen. Die Kakaopreise hängen weiterhin vom Wetter in Westafrika ab und die Kaffeepreise vom Spagat zwischen einer erwarteten Rekordernte in Brasilien und sinkenden Beständen.

Das klingt nach einer Einladung, auf steigende Rohstoffpreise zu wetten. Doch genau hier lauert der erste Denkfehler. Agrarrohstoffe sind keine klassischen Langfristinvestments. Ein Wetterumschwung, eine gute Ernte oder funktionierende Lieferwege können einen Preissprung ebenso schnell zunichte machen, wie er entstanden ist.

Wer den Acker kontrolliert, muss nicht auf Weizen wetten

Interessanter ist deshalb ein anderer Ansatz: nicht den Weizen selbst kaufen, sondern die Unternehmen, die dafür sorgen, dass mehr davon wächst.
Denn die Rechnung ist langfristig simpel und brutal. Die Weltbevölkerung wächst, während gleichzeitig die Ackerfläche pro Kopf knapper wird. Zudem wollen mehr Menschen mehr und proteinreicher essen. Mehr Fleischkonsum bedeutet wiederum eine höhere Nachfrage nach Getreide und Ölsaaten als Futtermittel. Die Landwirtschaft muss also mehr produzieren – bei weniger Fläche.

Das kommt den Anbietern von Saatgut, Pflanzenschutzmitteln, Dünger und Landtechnik zugute. Präzisionslandwirtschaft, GPS-Steuerung und datenbasierte Bewirtschaftung sollen die Erträge steigern und gleichzeitig Saatgut, Wasser, Dünger und Diesel einsparen. Mit dem Vormarsch künstlicher Intelligenz erhält das Thema eine zusätzliche technologische Note.

Für Anleger ergibt sich daraus eine interessante Investmentidee: Es ist nicht entscheidend, ob der Weizenpreis in 6 Monaten steigt. Es reicht, auf die Unternehmen zu setzen, die davon profitieren, dass weltweit mehr produziert werden muss. Denn Saatgut, Dünger, Landmaschinen und Agrartechnik werden immer benötigt – egal, ob die nächste Ernte üppig ausfällt oder der Markt erneut knapp wird.

Genau hier kommen Agrar-Aktien und spezialisierte Fonds und ETFs ins Spiel. 4 Produkte stechen dabei besonders hervor, die ganz unterschiedliche Wetten auf die Zukunft der Landwirtschaft ermöglichen:

Die eigentliche Wette heißt Produktivität

Was macht Agraraktien langfristig interessant? Nicht allein der nächste Wetterbericht. Die entscheidende Variable ist die Produktivität. Wenn Ackerfläche knapper wird, muss jeder Hektar mehr leisten. Genau dafür braucht es besseres Saatgut, effizientere Düngung, intelligentere Maschinen und zunehmend digitale Systeme. Die Landwirtschaft wird somit zu einem Tech-Thema, bei dem die Server zwischen den Maisfeldern stehen.

Das erklärt auch, warum Agraraktien langfristig einen anderen Charakter haben als ein direktes Investment in Weizen, Mais oder Zucker. Der Rohstoffpreis kann innerhalb weniger Wochen explodieren und anschließend wieder einbrechen. Ein Unternehmen kann hingegen über Jahre hinweg Marktanteile gewinnen, seine Technologie verbessern, Margen ausbauen und Dividenden zahlen.

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Ganz ohne Risiken ist die Rechnung trotzdem nicht. Agrarunternehmen bleiben zyklisch. Energie- und Düngemittelpreise, Zinsen, Agrarsubventionen, Handelskonflikte und Regulierung können die Gewinne erheblich beeinflussen. Auch ein extremes Wetterereignis kann zunächst mehr schaden als nutzen.

Für Anleger lautet die entscheidende Überlegung deshalb: Wer kurzfristig auf einen Engpass wetten will, schaut auf den Rohstoff. Wer hingegen langfristig von einer Welt mit mehr Menschen, weniger Ackerfläche und höherem Produktivitätsdruck profitieren möchte, betrachtet die dahinterstehenden Unternehmen. Und dort wird die nächste Ernte längst nicht mehr nur auf dem Feld entschieden.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Über den Autor

Autor Sven Stoll

Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.

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