Märkte Biotech Fonds 2026: Revolution im Labor, Rendite im Depot?

Biotechnologie profitiert vom demografischen Wandel / Innovative Biotech-Aktien bieten hohes Wachstumspotenzial / Mit diesen Fonds streuen Sie das Risiko

  • Autor Sven Stoll
Collage mit einem Mikroskop und einer Doppelhelix und Aktienbalkendiagramm mit grüner Farbe im Hintergrund (Bild: Magnific AI) Biotech Fonds 2026: Revolution im Labor, Rendite im Depot?

Durch die breite Streuung in Biotech-Fonds können Anleger das hohe Risiko von Einzelwetten im Gesundheitssektor deutlich reduzieren. (Bild: Magnific AI)

Kaum ein Sektor kennt größere Kurssprünge als die Biotechnologie. Ein positiver Studienverlauf kann eine Aktie binnen weniger Monate vervielfachen, ein Fehlschlag Milliarden an Börsenwert vernichten. Nach mehreren schwierigen Jahren hellt sich das Umfeld nun wieder auf: neue medizinische Durchbrüche und eine wachsende Übernahmefantasie sorgen für Rückenwind. Wer investieren will, braucht allerdings starke Nerven – und setzt besser auf erfahrene Fondsmanager als auf einzelne Hoffnungsträger.

Warum Biotech gerade jetzt wieder interessant wird

An der Börse gelten Biotechnologie-Aktien als Extremisten. Während klassische Unternehmen anhand von Umsatz, Gewinn oder Dividenden bewertet werden, entscheidet im Biotech-Sektor oft eine einzige Nachricht über Milliarden an Börsenwert.

Der Grund: Viele Unternehmen schreiben über Jahre Verluste. Sie investieren enorme Summen in Forschung und Entwicklung, ohne bereits ein marktfähiges Produkt zu besitzen. Ob sich diese Investitionen auszahlen, entscheidet sich meist erst in klinischen Studien. Positive Ergebnisse können den Unternehmenswert explosionsartig steigen lassen, negative Daten dagegen innerhalb eines Tages halbieren. Genau diese Dynamik macht den Sektor so faszinierend – und so riskant.

Aktuell sprechen jedoch mehrere Faktoren dafür, dass Biotechnologie wieder Rückenwind erhält. Zum einen profitieren wachstumsstarke Unternehmen von einem günstigen Zinsumfeld. Je niedriger die Finanzierungskosten sind, desto höher bewerten Investoren zukünftige Gewinne. Zum anderen erlebt die Branche einen Innovationsschub. Fortschritte bei mRNA-Technologien, Gentherapien, personalisierter Medizin sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Wirkstoffentwicklung eröffnen völlig neue Behandlungsmöglichkeiten. Hinzu kommt ein struktureller Wachstumstreiber, der kaum zu stoppen ist: Die Welt altert.

Der demografische Wandel sorgt für dauerhafte Nachfrage

Bis 2050 werden weltweit mehr als 2 Milliarden Menschen älter als 60 Jahre sein. Mit zunehmendem Alter steigen Erkrankungen wie Krebs, Alzheimer, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden oder Autoimmunerkrankungen deutlich an. Genau hier setzen zahlreiche Biotech-Unternehmen an.

BioNTech arbeitet beispielsweise an personalisierten mRNA-Krebsimpfstoffen, die individuell für jeden Patienten hergestellt werden. Biogen gehört mit seinem gemeinsam mit Eisai entwickelten Alzheimer-Medikament Leqembi zu den Pionieren bei einer Erkrankung, für die es jahrzehntelang kaum Fortschritte gab.

Auch bei seltenen Erkrankungen („Orphan Diseases“), neurologischen Leiden oder psychischen Erkrankungen entstehen derzeit völlig neue Therapieansätze. Unternehmen wie Compass Pathways forschen etwa an Psilocybin-basierten Therapien gegen schwere Depressionen, während zahlreiche Biotech-Firmen neue Wirkstoffe gegen Krebs, Parkinson oder Autoimmunerkrankungen entwickeln.

Studien, Zulassungen und Übernahmen treiben die Kurse

Wer Biotech verstehen will, sollte weniger auf Quartalszahlen als auf klinische Daten schauen. Ein gutes Beispiel liefert Praxis Precision Medicines. Nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Medikament Ulixacaltamid gegen essentiellen Tremor den Status einer „Breakthrough Therapy“ verliehen hatte, schoss die Aktie innerhalb eines Jahres zeitweise um mehrere Hundert Prozent nach oben. Das Gegenstück liefert Neumora Therapeutics. Nachdem eine Phase-III-Studie gegen schwere Depressionen die Erwartungen verfehlte, verlor die Aktie innerhalb kurzer Zeit fast die Hälfte ihres Wertes.

Neben Studien zählen Zulassungen durch FDA oder EMA zu den wichtigsten Kurstreibern. Ebenso bedeutend sind Übernahmen. Große Pharmakonzerne kaufen regelmäßig kleinere Biotech-Unternehmen, um sich Zugang zu innovativen Wirkstoffen zu sichern. Schon Spekulationen über mögliche Übernahmen können Aktien kräftig antreiben – wie zuletzt bei Revolution Medicines.
Warum Fonds meist die bessere Wahl sind

Genau deshalb ist Biotechnologie kaum ein Markt für Bauchentscheidungen. Fondsmanager analysieren nicht nur Bilanzen, sondern beschäftigen sich intensiv mit klinischen Studien, regulatorischen Verfahren und medizinischen Daten. Viele stehen regelmäßig mit Ärzten, Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen im Austausch, um Erfolgschancen neuer Therapien besser beurteilen zu können.

Vor allem aber streuen sie das Risiko über zahlreiche Unternehmen. Scheitert eine Studie, können erfolgreiche Beteiligungen die Verluste zumindest teilweise ausgleichen. Für Privatanleger ist das meist der deutlich vernünftigere Weg als die Wette auf einzelne Hoffnungsträger.

Franklin Biotechnology Discovery Fund – Der dynamische Stockpicker

Der Franklin Biotechnology Discovery Fund (ISIN: LU0195948822) gehört derzeit zu den erfolgreichsten aktiv gemanagten Biotechfonds. Verantwortlich sind Evan McCulloch und Akiva Felt, die den Fonds konsequent über intensives wissenschaftliches Research steuern.

Das Management sucht regelmäßig den Austausch mit Ärzten, Wissenschaftlern und Branchenexperten, um Erfolgsaussichten klinischer Studien möglichst früh einschätzen zu können. Investiert wird sowohl in etablierte Biotech-Konzerne als auch in kleinere Small- und Mid-Caps mit besonders hohem Kurspotenzial.

 

Typischerweise umfasst das Portfolio rund 80 Titel. Neben reinen Biotech-Unternehmen finden sich auch größere Pharmawerte im Fonds, wodurch das Risiko etwas abgefedert wird. Zu den bekannten Beteiligungen zählen unter anderem Praxis Precision Medicines und Revolution Medicines.

Die Bilanz kann sich sehen lassen. Innerhalb eines Jahres gewann der Fonds zuletzt rund 64 bis 76 Prozent hinzu und gehört damit zu den stärksten Produkten seiner Vergleichsgruppe. Der Franklin Biotechnology Discovery eignet sich vor allem für Anleger, die möglichst umfassend an der Dynamik des Biotech-Sektors partizipieren und dafür auch größere Kursschwankungen akzeptieren.

Janus Henderson Biotechnology – Wissenschaft statt Bauchgefühl

Der Janus Henderson Horizon Biotechnology Fund (ISIN: LU1897414303) verfolgt ein klares Ziel: Langfristig soll der NASDAQ Biotechnology Total Return Index um durchschnittlich 2 Prozentpunkte pro Jahr vor Kosten übertroffen werden. Dafür investiert der Fonds mindestens 80 Prozent seines Vermögens in Biotechnologie-Unternehmen, kann aber je nach Marktlage auch Wandelanleihen, Vorzugsaktien oder Liquidität beimischen.

Im Mittelpunkt steht konsequentes Stock-Picking. Als Referenz dient zwar der Nasdaq Biotechnology Index, doch das Management weicht bewusst von dessen Zusammensetzung ab, wenn das eigene Research attraktivere Chancen erkennt. Top Holdings aktuell: Praxis Precision Medicines und Revolution Medicines. Gesteuert wird der Fonds von einem erfahrenen Biotech-Team mit wissenschaftlichem Hintergrund, unterstützt durch die Healthcare-Experten von Janus Henderson. Zu den verantwortlichen Portfoliomanagern zählt Andy Acker.

 

Der Investmentansatz konzentriert sich auf Unternehmen mit aussichtsreichen Medikamenten-Pipelines, frühen klinischen Erfolgen und hohem Übernahmepotenzial. Ziel ist es, jene Firmen zu identifizieren, deren wissenschaftliche Fortschritte vom Markt noch nicht vollständig eingepreist sind. Damit versteht sich der Fonds als echtes Alpha-Produkt und nicht als bloßer Indexnachbau.

Wie bei allen Biotech-Investments bleiben die Risiken hoch. Klinische Rückschläge, regulatorische Entscheidungen oder ein erhöhter Finanzierungsbedarf kleiner Unternehmen können die Kurse erheblich belasten. Gelingen dagegen erfolgreiche Studien oder Zulassungen, besitzt der Fonds das Potenzial, den Gesamtmarkt der Biotechnologie langfristig zu übertreffen.

Medical BioHealth – Spezialist für Innovationen und Nebenwerte

Der Medical BioHealth (ISIN: LU0119891520) verfolgt einen deutlich spezielleren Ansatz. Der Fonds investiert bevorzugt in kleinere und mittelgroße Biotechnologie-Unternehmen, die sich auf besonders innovative Therapien konzentrieren. Ein Schwerpunkt liegt auf seltenen Erkrankungen, genetischen Therapien und hochspezialisierten Medikamenten.

Gerade bei sogenannten Orphan Diseases entstehen derzeit enorme medizinische Fortschritte. Da es für viele dieser Erkrankungen bislang kaum Behandlungsmöglichkeiten gibt, erhalten erfolgreiche Medikamente häufig regulatorische Vorteile und attraktive Ertragschancen. Diese Spezialisierung sorgte zuletzt für eine starke Wertentwicklung. Innerhalb eines Jahres gewann der Fonds rund 62 Prozent hinzu.

 

Der Fokus auf kleinere Unternehmen erhöht allerdings auch die Schwankungsanfälligkeit. Dafür bietet der Fonds Anlegern Zugang zu vielen Innovationsführern, die in klassischen Gesundheitsfonds häufig gar nicht vertreten sind.

3 Fonds – 3 unterschiedliche Ansätze

Obwohl alle 3 Fonds vom gleichen Megatrend profitieren, unterscheiden sie sich deutlich in ihrem Investmentstil:

Der Franklin Biotechnology Discovery Fund ist der offensivste Vertreter. Er kombiniert große Biotech-Unternehmen mit wachstumsstarken Small Caps und ergänzt das Portfolio teilweise um etablierte Pharmakonzerne. Wer möglichst breit an der Entwicklung der Branche partizipieren möchte, findet hier einen dynamischen Allrounder.

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Der Janus Henderson Biotechnology verfolgt dagegen einen besonders forschungsintensiven Ansatz. Das Management setzt konsequent auf wissenschaftlich fundiertes Stock-Picking und möchte den Biotech-Index durch aktive Titelauswahl langfristig schlagen. Damit richtet sich der Fonds vor allem an Anleger, die auf die Fähigkeiten erfahrener Spezialisten vertrauen.

Der Medical BioHealth schließlich konzentriert sich stärker auf kleinere Innovationsführer sowie seltene Erkrankungen. Dadurch besitzt der Fonds zwar das höchste Kurspotenzial, gleichzeitig müssen Anleger aber auch die größten Schwankungen einkalkulieren.

Fazit: Große Chancen – aber nichts für schwache Nerven

Biotechnologie gehört zu den spannendsten Wachstumsbranchen der kommenden Jahrzehnte. Alternde Gesellschaften, medizinische Innovationen, personalisierte Therapien und künstliche Intelligenz dürften den Sektor langfristig weiter antreiben. Gleichzeitig bleibt Biotech einer der volatilsten Bereiche überhaupt. Klinische Rückschläge, regulatorische Entscheidungen oder geplatzte Übernahmen können selbst aussichtsreiche Unternehmen massiv unter Druck setzen.

Wer dennoch investieren möchte, sollte nicht auf einzelne Hoffnungsträger setzen, sondern auf erfahrene Fondsmanager mit medizinischem Know-how und einer breiten Diversifikation. Für geduldige Anleger mit einem langen Anlagehorizont könnte Biotechnologie damit genau das sein, was sie an der Börse suchen: ein chancenreicher Zukunftssektor mit erheblichem Renditepotenzial – allerdings nur für diejenigen, die die unvermeidlichen Rückschläge auch aushalten können.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Über den Autor

Autor Sven Stoll

Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.

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