Märkte Gold vor dem nächsten Schub? Diese Fonds und ETFs setzen auf den neuen Minen-Boom

Goldpreis mit Verschnaufpause / Notenbanken bleiben auf der Käuferseite / Goldminen locken mit Gewinnhebel / 4 Produkte mit unterschiedlichen Ansätzen

  • Autor Sven Stoll
KI-Bild mit einem Kran an dem ein riesiger Goldnugget hängt (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI) Gold vor dem nächsten Schub? Diese Fonds und ETFs setzen auf den neuen Minen-Boom

Goldminenaktien profitieren durch ihre operative Hebelwirkung überproportional von einem steigenden Goldpreis und generieren aktuell historisch hohe Margen. (KI-Bild: ftd.de-Redaktion mit Magnific AI)

Gold hat nach dem Höhenflug zu Jahresbeginn eine wilde Achterbahnfahrt hingelegt. Auf mehr als 5.400 Dollar je Unze folgte im Juni der Absturz unter 4.000 Dollar. Im August meldeten sich die Bullen eindrucksvoll zurück: Zeitweise legte das Edelmetall rund 15 Prozent zu. Doch nach der Rede von Kevin Warsh in Jackson Hole kam der Rücksetzer. Der nächste Angriff auf das Rekordhoch ist damit kein Selbstläufer – die fundamentale Unterstützung bleibt jedoch stark.

Denn Gold bekommt Rückenwind von mehreren Seiten. Zentralbanken stocken ihre Bestände weiter auf, geopolitische Risiken bleiben hoch und die Sorge vor steigender Staatsverschuldung hält an. Gleichzeitig sprudeln bei vielen Minen die Gewinne. Bei Goldpreisen jenseits der 4.000-Dollar-Marke wird das Edelmetall für die Produzenten zur Gelddruckmaschine. Genau das macht Goldminen für Anleger interessant – aber auch deutlich schwankungsreicher als Gold selbst.

Wer auf den nächsten Schub setzen will, hat mehrere Möglichkeiten: vom spekulativen Goldminenfonds über einen breit gestreuten Minen-ETF bis zum flexibel gemanagten Goldfonds. 4 Vehikel, 4 unterschiedliche Wege zum Goldhebel.

Goldpreis: Das Edelmetall ist zurück im Rampenlicht

Der Goldmarkt hat Anleger in diesem Jahr bereits mehrfach auf die Probe gestellt. Anfang 2026 schien zunächst nur eine Richtung zu zählen: nach oben. Im Januar kletterte der Preis auf ein Rekordniveau von rund 5.405 Dollar je Feinunze. Danach folgte die kalte Dusche. Ende Juni rutschte Gold sogar unter 4.000 Dollar. Was wie das Ende der Rally aussah, entpuppte sich als Verschnaufpause. Im August drehten die Käufer wieder auf. Gold schoss nach oben und näherte sich erneut der Marke von 4.500 Dollar. Ende August kostete die Feinunze rund 4.430 Dollar – trotz des Rücksetzers nach der US-Notenbankkonferenz in Jackson Hole.

Der große Goldrausch ist damit keineswegs Geschichte. Aber die Nerven der Anleger werden wieder stärker strapaziert. Das nächste Ziel ist klar: das Januar-Hoch. Bis dorthin ist noch Luft. Und genau hier wird es für Anleger spannend. Denn Gold selbst ist nur die eine Seite der Wette. Wer auf die Aktien der Goldproduzenten setzt, kann bei einem weiteren Anstieg des Edelmetalls einen deutlich größeren Hebel bekommen.

Zentralbanken stocken ihre Goldreserven 2026 weiter auf

Der wichtigste strukturelle Treiber bleibt die Nachfrage der Zentralbanken. Zwar wurde die zunächst gemeldete Goldnachfrage der Notenbanken für das 1. Quartal 2026 nachträglich kräftig nach unten revidiert. Statt rund 244 Tonnen weist der World Gold Council inzwischen nur noch 57 Tonnen aus. 187 Tonnen wurden aufgrund einer methodischen Neubewertung einer anderen Nachfragekategorie zugeordnet. Im 2. Quartal griffen die Notenbanken dafür umso kräftiger zu: Netto kamen rund 289 Tonnen hinzu. Für das 1. Halbjahr summierten sich die Käufe damit auf rund 345 Tonnen. Das war zwar der niedrigste Halbjahreswert seit 2022 – von einem Ende des Goldhungers kann aber keine Rede sein.

Das zeigt auch eine Umfrage des World Gold Council. 89 Prozent der befragten Zentralbanker erwarten, dass die weltweiten Goldreserven in den kommenden 12 Monaten steigen. 45 Prozent rechnen sogar mit höheren Goldbeständen der eigenen Institution – ein Rekordwert. Ein besonders bemerkenswertes Signal kam aus Südkorea. Die Bank of Korea hielt Ende des 2. Quartals rund 250 Millionen Dollar im SPDR Gold Trust. Es war die erste Goldanlage der Notenbank seit 13 Jahren. Zusätzlich plant sie, erstmals seit 2013 auch wieder heimisches Gold zu kaufen. Gold ist damit längst mehr als ein Krisenmetall für Privatanleger. Für immer mehr Notenbanken wird es zum strategischen Gegengewicht zu Dollar, Euro und Staatsanleihen.

Finanzpolitik: Die US-Schuldenmaschine liefert Rückenwind

Der zweite große Treiber ist die wachsende Skepsis gegenüber der Finanzpolitik. Die US-Staatsschulden haben inzwischen die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Gleichzeitig stehen die langfristigen Renditen amerikanischer Staatsanleihen unter Druck. US-Finanzminister Scott Bessent hat die Rückkäufe älterer, langlaufender Staatsanleihen ausgeweitet. Die Maßnahme soll den Anleihemarkt stabilisieren. Bei Investoren nährt sie allerdings auch die Sorge vor einer schleichenden Entwertung von Staatsschulden und Währungen.

Für Gold ist das grundsätzlich Rückenwind. Denn das Edelmetall hat weder eine Bilanz noch einen Schuldner. Es lässt sich nicht per Knopfdruck vermehren und ist damit das Gegenstück zur wachsenden Schuldenlast der Staaten. Allerdings gibt es einen Gegenspieler: die Zinsen.

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Der jüngste Belastungstest kam Ende August. Fed-Präsident Kevin Warsh betonte bei seiner ersten Rede in Jackson Hole die Bedeutung des Inflationsziels von 2 Prozent und signalisierte, dass die US-Notenbank bei anhaltendem Preisdruck auch höhere Zinsen nicht scheuen würde. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September stieg daraufhin an – und Gold geriet unter Druck. Damit ist die Fed wieder der kurzfristige Spielverderber für die Gold-Bullen. Steigende Realzinsen erhöhen die Opportunitätskosten einer unverzinsten Goldanlage. Der langfristige Trend muss deshalb noch einige Tests bestehen.

Goldpreis als Gewinn-Turbo: Minen mit operativem Hebel

Für Anleger gibt es noch einen weiteren Grund, sich die Minen anzusehen. Goldproduzenten besitzen einen eingebauten operativen Hebel. Das Prinzip ist simpel: Ein Unternehmen verkauft seine Unze Gold für 4.000 Dollar und muss dafür beispielsweise 1.500 Dollar an laufenden Produktionskosten aufbringen. Übrig bleiben 2.500 Dollar. Steigt der Goldpreis auf 4.500 Dollar, wächst die Marge auf 3000 Dollar. Der Goldpreis steigt in diesem Beispiel um 12,5 Prozent – die operative Marge aber um 20 Prozent.

Genau dieser Effekt macht Minenaktien so reizvoll. Sie können bei steigenden Goldpreisen deutlich schneller zulegen als das Edelmetall. Aber Vorsicht: Der Hebel funktioniert in beide Richtungen. Ein Beispiel für die derzeit komfortable Lage der Branche liefert Agnico Eagle. Der kanadische Goldproduzent erzielte im 2. Quartal 2026 einen freien Cashflow von rund 1,34 Milliarden Dollar. Der realisierte Goldpreis lag bei 4.483 Dollar je Unze, die All-in Sustaining Costs lagen dagegen bei lediglich 1.459 Dollar. Das sind Margen, von denen die Branche vor wenigen Jahren nur träumen konnte. Und ein Teil des Geldsegens fließt über Dividenden und Aktienrückkäufe an die Aktionäre zurück.

Noch größer kann der Hebel bei kleineren Produzenten und Explorern sein. Dafür steigt das Risiko drastisch. Ein enttäuschendes Bohrloch, steigende Kosten oder ein politischer Eingriff können die Investmentstory schnell zerlegen. Wer Goldminen kauft, kauft deshalb nicht nur Gold. Er kauft Management, Geologie, Kostenkontrolle und politische Risiken gleich mit. Wer diesen Hebel nutzen will, kann über Branchenfonds und ETFs gleich ein ganzes Paket von Minen ins Depot holen.

4 Fonds und ETFs für den Goldhebel im Portfolio

Gold ist nicht gleich Gold. Das zeigt der Vergleich ziemlich deutlich. Der Fonds von Stabilitas ist die spekulative Variante. Kleine Produzenten, Explorer und Übernahmekandidaten können bei Erfolg enorme Kurssprünge hinlegen. Dafür ist das Risiko entsprechend hoch. Der NESTOR Gold setzt stärker auf etablierte Minengesellschaften. Das reduziert zwar nicht die Volatilität, macht das Portfolio aber etwas weniger abhängig von einzelnen Explorationsprojekten. Der Market Access Gold BUGS ETF ist die regelbasierte Lösung. Anleger bekommen mit einem Produkt ein breites Paket von Goldproduzenten und profitieren von einem direkten Goldhebel – bei vergleichsweise niedrigen laufenden Kosten. Der Incrementum Active Gold Fund setzt dagegen auf Flexibilität. Das Management kann zwischen Minen, Royalty- und Streaming-Gesellschaften sowie weiteren Goldwerten wechseln.

4 Produkte im Detail:

Fazit: Der nächste Goldschub ist kein Selbstläufer

Die Ausgangslage für Gold bleibt grundsätzlich konstruktiv. Zentralbanken diversifizieren ihre Reserven, geopolitische Risiken sind nicht verschwunden und die Diskussion über die langfristige Tragfähigkeit der Staatsverschuldung dürfte Anleger noch lange beschäftigen.

Hinzu kommt die Gewinnmaschine der Minen. Bei Goldpreisen von mehr als 4.000 Dollar je Unze arbeiten viele Produzenten mit außergewöhnlich hohen Margen. Selbst ein deutlicher Rückgang des Goldpreises würde bei vielen Unternehmen zunächst lediglich diese Rekordmargen abschmelzen lassen.

Doch der Markt hat Ende August auch die Warnblinker eingeschaltet. Die hawkishe Tonlage der Fed in Jackson Hole setzte Gold unter Druck. Steigende Realzinsen und ein stärkerer Dollar bleiben die größten kurzfristigen Risiken.

Der nächste große Test steht deshalb im September an. Dann entscheidet sich, ob die Inflationssorgen der Fed die Gold-Bullen weiter ausbremsen – oder ob wieder die großen strukturellen Argumente zählen.

Für Anleger mit längerem Atem bleibt die Rechnung interessant: Sollte Gold erneut in Richtung des Januar-Rekords steigen, könnten die Produzenten überproportional profitieren. Der nächste Goldschub ist also keineswegs garantiert. Aber wenn er kommt, dürften die Minen zu den größten Profiteuren gehören. Und genau deshalb könnten Goldminen im nächsten Aufwärtsimpuls deutlich stärker glänzen als das Edelmetall selbst.

 

Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.

Über den Autor

Autor Sven Stoll

Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.

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