
Grenzmärkte rücken ins Rampenlicht: Hier entstehen die Renditen von morgen. (Foto: freepik)
Während die Wall Street nach Atem ringt und Europa in der Wachstumsschwäche verharrt, erleben die Grenzmärkte ein stilles Börsenwunder. Vietnam, Nigeria oder Marokko liefern Renditen, von denen Anleger in Dax und S&P 500 nur träumen können. Doch wie investiert man in Märkte, die zwischen Euphorie und Abgrund balancieren? 2 Fonds stechen heraus: der AvH Emerging Markets UI und der Redwheel Next Generation Emerging Markets.
Schwellenländer: Die neue Lust am Risiko
Im jüngsten Fund Manager Survey der Bank of America gaben 200 institutionelle Investoren mit fast 500 Milliarden Dollar Anlagevolumen ein klares Signal: Kapital raus aus den überbewerteten USA und Europa, rein in die Schwellenländer. Doch die eigentlichen Gewinner sind nicht die bekannten Schwergewichte China oder Indien, sondern die sogenannten Frontier Markets – Märkte, die noch am Rande stehen, aber enormes Potenzial bergen.
Der MSCI Frontier Markets Index hat seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der MSCI Emerging Markets kommt auf 16 Prozent, der MSCI World auf 11 Prozent. Die Gründe liegen auf der Hand: Ressourcenreichtum, eine junge und konsumfreudige Bevölkerung, Produktionsverlagerungen aus China – und zuletzt auch ein schwächerer Dollar, der hochverschuldeten Schwellen- und Grenzländern dringend benötigte Luft verschafft.
Nigeria, Vietnam und Co.: Warum die Außenseiter boomen
James Johnstone, Frontier-Spezialist bei Redwheel, bringt es auf den Punkt: Diese Märkte profitieren von Rohstoffen, Produktionsverlagerungen und Tourismus. Nigeria und Kasachstan sind für Öl und Gas unverzichtbar, Ghana für Gold. Vietnam und Bangladesch gewinnen durch den „China-Plus-One“-Effekt, weil Unternehmen ihre Lieferketten absichern wollen. Und Länder wie Sri Lanka, Ägypten oder Kenia erleben einen Aufschwung, den der wachsende Tourismus direkt in die Binnenwirtschaft trägt.
Hinzu kommt die Bewertung. Während Anleger in New York oder Frankfurt für Tech-Giganten mitunter dreistellige Multiples bezahlen, notieren viele Frontier-Aktien zu Kurs-Gewinn-Verhältnissen von unter 10. Dividendenrenditen von 6 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Natürlich bleibt das Risiko hoch – politische Instabilität, Währungsvolatilität, fragile Marktinfrastruktur. Doch genau das macht den Reiz aus: Hier entstehen Renditequellen, die mit klassischen Märkten kaum korrelieren.

Anzeige
Bei anderen Depots investieren Sie in Ordergebühren, bei Smartbroker+ in Ihren Vermögensaufbau.
- kostenlose Depotführung
- Ordergebühren ab 0€
- kostenlose ETF-Sparpläne
Fonds statt ETF – die Pioniere an der Peripherie
Bislang gibt es für Privatanleger keinen MSCI-Frontier-ETF. Einzig ein Xtrackers-ETF bildet einen stark verkürzten S&P-Index mit 40 Titeln ab und hinkt dem Originalindex hinterher. Somit sind aktive Fondsmanager gefragt, die Ineffizienzen in den Märkten nutzen können. 2 Produkte stechen dabei heraus: der AvH Emerging Markets UI von Axel Krohne und der Redwheel Next Generation Emerging Markets von James Johnstone und Victor Erch.
AvH Emerging Markets UI – Value-Investing an den Außengrenzen
Axel Krohne ist der Value-Jäger unter den Grenzmarkt-Investoren. Mit dem AvH Emerging Markets UI (ISIN: DE000A1145G6) sucht er kompromisslos nach unterbewerteten Unternehmen mit solidem Geschäftsmodell – fernab der üblichen Anlagepfade. Krohne kauft nicht das Offensichtliche, sondern das Verborgene. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im einstelligen Bereich ist für ihn Standard, Dividenden im zweistelligen Bereich sind willkommen.
Krohnes Credo lautet: „Jedes Investment braucht mindestens 100 Prozent Upside.“ Um Value-Fallen zu vermeiden, investiert er nur in Unternehmen, die entweder ein Wachstum von mindestens 10 Prozent pro Jahr erzielen oder ihre Aktionäre durch hohe Ausschüttungen belohnen.
Beispiele gefällig? Ein Highlight ist die Bank of Kigali in Ruanda. Während der Westen Ruandas noch mit Bürgerkrieg verbindet, investiert Krohne in eine Bank, die Kundeneinlagen von über einer Milliarde Dollar verwaltet und Eigenkapitalrenditen von 20 Prozent erwirtschaftet.
Ein weiteres Beispiel ist MAP Aktif aus Indonesien, ein Sportartikelhändler und Marktführer im Land, dessen Umsatz sich seit 2015 verdreifacht hat, der aber nur mit einem KGV von 12 bewertet wird. In Ghana hält Krohne Beteiligungen an Finanzinstituten, die ein KGV von eins aufweisen. Auch Konsumtitel wie Guinness Ghana Breweries oder Unilever Nigeria sind im Portfolio zu finden – Unternehmen, die von einer wachsenden Mittelschicht profitieren.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 25 Prozent Plus im vergangenen Jahr, mehr als 70 Prozent auf Sicht von 5 Jahren – das entspricht einer durchschnittlichen Jahresrendite von 11,6 Prozent, bei einer Volatilität, die unterhalb des Dax liegt. Frontier Investing, das nicht nur exotisch, sondern auch erstaunlich stabil ist.
Redwheel Next Generation Emerging Markets – Aufsteiger von morgen
Während Krohne kompromisslos auf Value setzt, verfolgen James Johnstone und Victor Erch mit dem Redwheel Next Generation Emerging Markets (ISIN: LU1965309757) eine andere Strategie: Sie identifizieren Märkte, die kurz davorstehen, vom Frontier- zum Emerging-Market-Status aufzusteigen.
Johnstone und Erch sind der Meinung, dass die heutigen Außenseiter die Industrieländer von morgen sind. Deshalb suchen sie nach Ländern mit günstigen Bewertungen, starkem Wachstum und strukturellem Aufwertungspotenzial – sowohl bei den Aktienkursen als auch bei den Währungen.
Die Diversifikation ist breit. Die größten Positionen sind Südafrika (9,6 Prozent), die Philippinen (8,7 Prozent), die Vereinigten Arabischen Emirate (8,7 Prozent), Indonesien (8,3 Prozent) und Mexiko (6,8 Prozent). Ergänzt wird das Portfolio durch Vietnam, Argentinien, Griechenland und Polen.
Auch die Sektorengewichtung ist ungewöhnlich: Über 30 Prozent entfallen auf Finanzwerte, 22 Prozent auf Rohstoffe und 13 Prozent auf Immobilien. Zu den Top-Holdings zählen Nova Ljubljanska Banka (Slowenien), Piraeus Financial (Griechenland), First Quantum Minerals (Kanada, Kupfer) und Emaar Properties (VAE).
Seit Auflage im Jahr 2019 hat der Fonds 170 Prozent erwirtschaftet, während die Benchmark nur rund 30 Prozent schaffte. Auf Fünfjahressicht summiert sich die Outperformance sogar auf über 220 Prozent. Selbst nach Abzug von Währungs- und Volatilitätsrisiken bleibt ein dreistelliges Plus.
Die Volatilität ist mit 13 Prozent nur geringfügig höher als beim MSCI Frontier und das Beta liegt bei 1,03. Für Johnstone ist dies jedoch kein Makel, sondern Ausdruck eines aktiven, benchmarkunabhängigen Ansatzes.
Fazit: Die Zukunft liegt an der Peripherie
Frontier Markets sind fragil, politisch riskant und oft illiquide. Doch genau dort entstehen die Wachstumszentren von morgen. Der schwache US-Dollar liefert Rückenwind, die Bewertungen sind niedrig, die Dividenden hoch. Wer investiert, braucht Mut – und die richtigen Manager. Axel Krohne liefert Value mit Substanz, James Johnstone setzt auf die Aufsteiger von morgen. Beide zeigen: Die Renditen der Zukunft liegen nicht in New York oder Frankfurt, sondern in Kigali, Lagos oder Ho-Chi-Minh-Stadt.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über den Autor
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.



Meistgelesen
Vergleiche

Festgeld-Vergleich
Geben Sie die Laufzeit vor, ftd.de findet die besten Zinsen

Tagesgeld-Vergleich
Mit dem Einlagensicherungscheck sind Sie auf der sicheren Seite

Depot-Vergleich
Ohne den Vergleich von ftd.de sollten Sie kein Depot eröffnen







