
Japan im Aufwind: Der Aktienmarkt boomt, die Wirtschaft setzt Hoffnungen auf die neue Regierung. (Foto: Freepik KI Suite)
Der japanische Aktienmarkt erlebt derzeit eine historische Rally. Seit Jahren steigen die Kurse unaufhaltsam – angeführt von starken Technologieunternehmen, stabilen Finanzwerten und strukturell wichtigen Industrien. Mit der Wahl von Sanae Takaichi zur Premierministerin verfügt das Land nun über eine politische Führung, die auf eine expansive Fiskalpolitik, strukturelle Reformen und industrielle Modernisierung setzt. Anleger können über aktiv gemanagte Fonds und ETFs von diesem Umfeld gezielt profitieren.
Politische Stabilität als Wachstumstreiber
Die jüngste Entwicklung an der Tokioter Börse ist beeindruckend: Am 20. Oktober 2025 durchbrach der Nikkei 225 erstmals die Marke von 50.000 Punkten. Nur eine Woche später stand der Index bereits bei 51.497 Punkten. Haupttreiber dieser Rally ist die politische Stabilität. Unter der neuen Premierministerin Sanae Takaichi verfolgt Japan einen klaren Wachstumsfokus, der auf fiskalischer Expansion, Industriepolitik und gezielter Förderung strategischer Branchen basiert.
Takaichi gilt als Schülerin des im Jahr 2022 verstorbenen ehemaligen Premierministers Shinzo Abe und setzt dessen wirtschaftspolitische Agenda, bekannt als „Abenomics“, konsequent fort. Ihr Ziel ist es, das Wirtschaftswachstum zu stärken, die Binnen- und Exportnachfrage anzukurbeln und gleichzeitig strukturelle Reformen in Schlüsselbranchen umzusetzen.
Diese Maßnahmen wirken sich unmittelbar auf die Aktienmärkte aus. Technologieunternehmen wie die Softbank Group und Advantest konnten in diesem Jahr Kursgewinne von über 170 respektive 90 Prozent verzeichnen. Doch auch klassische Industrie-, Maschinenbau- und Immobilienwerte profitieren. Der ehemalige Gouverneur der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, spricht daher von einem langfristigen Aufwärtstrend, der weit über kurzfristige Kursfantasien hinausgeht.
Gewinner der neuen Wirtschaftspolitik
Die Reformagenda der Regierung Takaichi begünstigt insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Robotik, Halbleiterproduktion, Luft- und Raumfahrt, Industrieautomation sowie Finanzdienstleistungen. Halbleiterhersteller wie Renesas, Advantest oder Tokyo Electron profitieren von staatlicher Förderung sowie von globalen Lieferkettenverschiebungen. Unternehmen der Rüstungs- und Luftfahrtindustrie wie Mitsubishi Heavy Industries oder Mitsubishi Electric erleben einen Nachfrageboom. Roboter- und Automatisierungskonzerne wie FANUC, Keyence und Yaskawa wiederum werden durch Produktivitätsprogramme gestärkt. Gleichzeitig profitieren Exportchampions wie Toyota oder Sony von einem weiterhin schwachen Yen, der ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

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Dieses Umfeld eröffnet Chancen für aktives Stock-Picking. Während breit aufgestellte Indexfonds auch weniger attraktive Sektoren abbilden, können aktiv gemanagte Fonds gezielt in die strukturellen Gewinner der neuen Wirtschaftspolitik investieren. Dabei spielt Erfahrung mit dem japanischen Markt eine zentrale Rolle, da er kulturelle und regulatorische Besonderheiten aufweist, die für die Bewertung von Unternehmen entscheidend sind.
Nippon Growth (UCITS) Fund: Langfristiges Wachstum mit Euro-Absicherung
Der Nippon Growth (UCITS) Fund (ISIN: IE00B95WDX70) von Eric Sturdza Investments hat in den vergangenen 5 Jahren eine Performance von 274 Prozent in der in Euro abgesicherten Tranche erzielt. Im laufenden Jahr liegt der Fonds bei plus 23 Prozent. Das Anlageziel ist langfristiges Kapitalwachstum, das durch gezielte Sektorallokation und Aktienauswahl basierend auf fundamentaler Analyse und Makrotrends erreicht werden soll. Die Fondsmanager Maiko und Yutaka Uda investieren primär in Aktien der Börsen von Tokio und Osaka. Zu den Titeln im Portfolio zählen Schwergewichte wie die Sumitomo Mitsui Financial Group, die Mitsubishi UFJ Financial Group, die Mizuho Financial Group, die ITOCHU Corp. und die Penta-Ocean Construction.
Die Euro-Absicherung schützt Anleger vor den Schwankungen des traditionell schwachen Yen und sorgt so für eine stabile Rendite in der Heimatwährung. Dies ist besonders für risikoaverse Investoren interessant, die von der japanischen Aktienhausse profitieren möchten, ohne zusätzliche Währungsrisiken einzugehen. Der Nachteil: Wer auf eine weitere Yen-Abwertung setzt, verpasst den zusätzlichen Renditehebel.
MAN GLG Japan CoreAlpha Equity D H: Value-Fokus und Technologiechancen
Auf Platz 2 der über 5 Jahre erfolgreichen Japan-Fonds liegt der Man GLG Japan CoreAlpha Equity D H (ISIN: IE00B5648R31), der rund 270 Prozent zulegen konnte. Der Fonds setzt auf Large- und Mid-Cap-Werte aus den Bereichen Elektronik, Informationstechnologie, Finanzdienstleistungen und Maschinenbau. Dies sind Sektoren, die stark von Takaichis Reformen profitieren dürften. Ein Schwachpunkt ist der mit rund 16 Prozent gewichtete Automobilsektor, der im Falle einer globalen Absatzkrise die Performance belasten könnte.
Fondsmanager Jeff Atherton verfolgt eine konträre Value-Strategie, die durch eine Analyse von Return on Equity, Earnings Quality und Corporate Governance unterstützt wird. Die aktive Selektion erlaubt eine gezielte Allokation in Unternehmen mit hohem Aufholpotenzial und verbessertem Re-Rating. Auch hier bietet die Währungsstrategie eine entscheidende Komponente. Fonds mit Fremdwährungsabsicherung minimieren die Volatilität durch Yen-Schwankungen, während ungehedgte Varianten von einer fortgesetzten Yen-Schwäche profitieren können.
WisdomTree Japan Equity UCITS ETF Euro Hedged: Dividendenstarke Exporteure
Der WisdomTree Japan Equity UCITS ETF (ISIN: IE00BYQCZJ13) ist für ETF-Freaks eine attraktive Option. Er weist über 5 Jahre eine Performance von rund 200 Prozent auf und konzentriert sich auf dividendenstarke Unternehmen mit hohem Exportanteil und international ausgerichtetem Geschäftsmodell, die oft die Lokomotive der japanischen Wirtschaft sind. Der zugrunde liegende „WisdomTree Japan Hedged Equity Index” berücksichtigt zudem ESG-Kriterien, wodurch potenziell risikoreiche Unternehmen ausgeschlossen werden.
Durch die Euro-Absicherung profitieren Anleger von stabilen Renditen, selbst wenn der Yen stark schwankt. Gleichzeitig wird die Chance auf zusätzliche Gewinne bei einer weiteren Abwertung des Yen reduziert. Angesichts der politischen Weichenstellungen durch Takaichi ist zu erwarten, dass exportstarke Unternehmen weiterhin profitieren werden. Die expansive Fiskal- und Geldpolitik stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nämlich und hält den Yen tendenziell schwach.
Chancen, Risiken und Währungsstrategien
Japanische Aktien bieten derzeit eine seltene Kombination aus politischem Rückenwind, technologischer Stärke und struktureller Erneuerung. Langfristig orientierte Anleger können von Takaichis Reformagenda, der steigenden Binnen- und Exportnachfrage sowie der gezielten staatlichen Förderung profitieren.
Ein aktives Fondsmanagement ist entscheidend, um gezielt in die Gewinnersektoren zu investieren. Gleichzeitig sollten Anleger die Währungsfrage beachten. Euro- oder USD-hedgte Fonds bieten Stabilität und Schutz vor Yen-Schwankungen, während ungehedgte Fonds die Chance auf höhere Gesamtrenditen bei einem weiterhin schwachen Yen eröffnen, aber auch kurzfristige Volatilität mit sich bringen. Wer beide Faktoren – strukturelles Wachstum und Währungsentwicklung – im Blick behält, kann die japanische Aktienhausse optimal nutzen.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über den Autor
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.


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