
Die Energiewende treibt die Nachfrage: Investitionen in Stromnetze und erneuerbare Energien bieten planbare, langfristige Erträge. (Foto: Freepik KI Suite)
Noch vor wenigen Jahrzehnten galten Versorger, Pipelines und Mautstraßen als Synonyme für Langeweile. Anleger, die in Infrastruktur investierten, wollten keine Rekorde jagen, sondern ruhige Nächte verbringen. Doch diese Zeit ist vorbei. Heute ist Infrastruktur einer der dynamischsten und zugleich stabilsten Anlagebereiche an den globalen Kapitalmärkten – angetrieben von Energiewende, Digitalisierung und gigantischen staatlichen Investitionsprogrammen.
Warum jetzt Infrastruktur?
„Die Energiewende steht ganz vorne“, erklärt Marc Caretti, Fondsmanager des Raiffeisen New Infrastructure ESG Aktienfonds gegenüber dem Anlegermagazin Geld. Der Umbau der weltweiten Energieversorgung zwinge Staaten, Unternehmen und Privathaushalte zu massiven Investitionen in Netze, Speicher, erneuerbare Energien und Flexibilitätslösungen. Das sorge für planbare Cashflows, weil langfristige Stromabnahmeverträge oder Auktionen stabile Einnahmen garantieren.
Hinzu komme die zweite große Welle: die Digitalisierung. Cloud-Dienste, Streaming und Künstliche Intelligenz (KI) verlangen nach immer mehr Rechenzentren, Glasfasernetzen und Funktürmen. „Standortqualität, Energieeffizienz und moderne Kühlsysteme sind hier entscheidend für die Profitabilität“, so Caretti.
Und schließlich spielt auch die Geldpolitik eine zentrale Rolle. Sinkende oder stabile Zinsen reduzieren die Kapitalkosten und stützen die Bewertungen. Gleichzeitig sichern inflationsindexierte Tarife und regulierte Preisrahmen reale Erträge – während staatliche Förderprogramme die Nachfrage zusätzlich befeuern.
Sachwerte mit Schutzschild
Infrastruktur ist im Kern ein Sachwert. „Viele Infrastrukturverträge enthalten explizite oder implizite Mechanismen zur Weitergabe von Inflation“, sagt Jana Rietow, Team Lead Product Specialists Liquid Real Assets bei der DWS. Das ermögliche den Unternehmen, Preisanpassungen vorzunehmen und kostendeckend zu bleiben.
Diese Preissetzungsmacht sei der „wahre Inflationsschutz“ der Branche, ergänzt Rietow. Versorger oder Mautstraßenbetreiber profitieren häufig von inflationsgebundenen Verträgen, Energietransporteure von sogenannten Take-or-Pay-Abmachungen – also Einnahmen, die auch dann fließen, wenn kein Volumen transportiert wird. Funkmastbetreiber wiederum haben meist Mietsteigerungsklauseln, die sich an den Verbraucherpreisindex koppeln.
Die stille Pricing Power
Während viele Branchen in einem inflationären Umfeld unter steigenden Kosten leiden, spielen Infrastrukturunternehmen ihre strukturelle Stärke aus. Sie besitzen die Fähigkeit, Preise weiterzugeben, weil ihre Dienstleistungen unverzichtbar sind. Niemand verzichtet auf Strom, Mobilfunk oder Transportwege – selbst in Rezessionen nicht.
Besonders dynamisch entwickelt sich derzeit die digitale Infrastruktur. Der rasant steigende Datenbedarf durch KI und Cloud-Dienste zwingt zum Ausbau von Rechenzentren und Glasfasernetzen. Diese Unternehmen erzielen zweistellige Gewinnzuwächse, oft mit planbaren, langfristigen Verträgen.
Globale Chancen – von Indien bis Europa
Die größten Wachstumstreiber liegen laut Caretti in den Emerging Markets: „Vor allem Indien überzeugt mit klar definierten Ausbauplänen und massiver staatlicher Unterstützung.“ Telekommunikation, Energie und Transport stünden dort im Fokus.
Auch in den USA bietet die Elektrifizierung der Wirtschaft enorme Chancen. Der steigende Strombedarf durch Rechenzentren und KI-Cluster begünstigt regulierte Versorger und Gaspipelines. In Europa wiederum locken attraktive Bewertungen, verlässliche Regulierungsrahmen und milliardenschwere Investitionsprogramme – von nationalen Klimafonds bis zu EU-Aufbauhilfen.

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Solide Renditen, stabile Nerven
Wer auf Infrastruktur setzt, erhält nicht nur Wachstum, sondern auch Stabilität. Die Korrelation mit dem MSCI World liegt bei weniger als zwei Prozent, so Rietow – ein Beleg dafür, dass Infrastruktur eine eigene Anlageklasse ist.
Seit Auflegung des Dow Jones Brookfield Global Infrastructure Index (2008) erzielte dieser in Euro eine jährliche Rendite von 9,5 Prozent – bei deutlich geringerer Volatilität als globale Aktien. Der Inflationsschutz ist messbar: Laut HQ Trust erzielten Infrastrukturaktien in Phasen steigender Preise im Schnitt 6,6 Prozent p. a. mehr Rendite als der breite Weltaktienmarkt.
Ruhige Erträge statt Tech-Hype
Viele Anleger sind aktuell stark in den großen US-Technologiewerten engagiert – was Konzentrationsrisiken schafft. „Infrastruktur bietet Diversifikation weg von den Magnificent Seven“, argumentiert Brock Campbell, Manager des BNY Mellon Global Infrastructure Fund. Die Bewertungen seien niedriger, die Cashflows stabiler.
Tatsächlich zeigt der Blick auf die Performance: Die besten Infrastruktur-Fonds erzielten in den vergangenen 5 Jahren Renditen von bis zu 86 Prozent – bei teils halb so hoher Volatilität wie der MSCI World.
Risiken? Ja, aber beherrschbar
Natürlich ist auch Infrastruktur kein Selbstläufer. Steigende Baukosten, politische Eingriffe oder technologische Umbrüche können Margen belasten. Besonders bei Flughäfen und Schienennetzen hängt die Entwicklung stark von Konjunktur und Regulierung ab. Doch selbst in schwächeren Marktphasen bleiben die Erträge meist positiv – dank langfristiger Verträge und hoher Eintrittsbarrieren.
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Fazit: Infrastruktur – Stabilität trifft Wachstum
Infrastruktur gehört in jedes gut strukturierte Portfolio. Ob aktiv gemanagt oder passiv über ETFs – diese Investments verbinden stabile Erträge und solide Dividenden mit Wachstumspotenzial, getrieben von globalen Megatrends wie Energiewende, Digitalisierung und Urbanisierung.
Für Anleger, die Planbarkeit, Substanz und Inflationsschutz schätzen, bieten Infrastruktur-Fonds und -ETFs eine überzeugende Beimischung. Sie liefern Cashflow, Diversifikation und strategische Stabilität, ohne auf Renditechancen verzichten zu müssen – und stellen damit das perfekte Gegenstück zu hochvolatilen Tech-Investments dar.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
Über den Autor
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.


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