Deutsche sparen eher konservativ. Aktien halten nur etwa 10% der Bundesbürger (Foto: Pixabay)

Auch im vergangenen Jahr (2018) konnten die Bundesbürger das gesamte Geldvermögen der privaten Haushalte hierzulande wieder etwas steigern. Aktuell besitzen die Privathaushalte ein Gesamt-Geldvermögen in Höhe von rund 6,2 Billionen Euro. 2017 bewegte sich das Wachstum zwar noch bei 5,4 Prozent und fällt im vergangenen Jahr mit 1,9 Prozent deutlich geringer aus. Trotzdem ist die Entwicklung beachtlich, denn im vergangenen Jahr gab es sehr schlechte Voraussetzungen für die weitere Erhöhung des Geldvermögens.

1. Sparfleiß der Bürger als wichtigste Grundlage

Dass das Geldvermögen der Bundesbürger im vergangenen Jahr trotz sehr schlechten Voraussetzungen weiter angestiegen ist, ist im Grunde fast nur auf den Sparfleiß der Menschen in Deutschland zurückzuführen. Schätzungen zufolge stieg die sogenannte Sparquote in 2018 um etwa 0,3 Prozent auf insgesamt etwas mehr als zehn Prozent an. Umgerechnet bedeutet dies, dass beispielsweise von einem frei verfügbaren Einkommen in Höhe von 1.000 Euro durchschnittlich 100 Euro zu Seite gelegt werden. Damit ist es bereits das fünfte Jahr ohne Unterbrechung, dass die Bundesbürger etwas mehr Geld zur Seite legen als noch im Jahr zuvor. Besonders beachtlich ist der weitere Anstieg des Geldvermögens vor dem Hintergrund, dass die Voraussetzungen an den Kapitalmärkten für gute Renditen äußerst schlecht sind bzw. im vergangenen Jahr negativ waren.

2. Niedrige Zinsen als eine große Hürde

Das Geldvermögen der Bundesbürger ist natürlich bezüglich des Wachstums in großem Umfang davon abhängig, welche Renditen sich mit dem angelegten Kapital erzielen lassen. Diesbezüglich gab es im vergangenen Jahr sehr schlechte Voraussetzungen, insbesondere bei den klassischen und verzinslichen Anlageformen. Nach wie vor verharrt der EZB-Leitzins auf 0,0 Prozent, sodass mit den sicheren und gerne genutzten Geldanlagen nur noch eine geringe Rendite zu erzielen ist, die sich selten oberhalb von 0,5 Prozent bewegt. Trotzdem haben die Bundesbürger mehr als 25 Prozent des gesamten Geldvermögens in eine der folgenden Anlageformen investiert:

Darüber hinaus ist es erstaunlicherweise so, dass über 500 Milliarden Euro auf Sichteinlagen „zwischengeparkt“ sind. Experten sprechen in dem Zusammenhang von einem sogenannten Geldstau, da viele Anleger sich einfach nicht sicher sind, welchen Finanzprodukten sie vertrauen und in welche Anlageformen sie ihr Geld letztendlich investieren möchten. Dies führt unter anderem dazu, dass viel zu hohe Summen auf Girokonten oder Tagesgeldkonten geparkt werden, denn dort gibt es oftmals überhaupt keine Rendite mehr.

2.1. Häufig entsteht ein effektiver Kapitalverlust

Dass das Geldvermögen der Bundesbürger auch in 2018 gewachsen ist, ist noch vor einem weiteren Hintergrund sehr erstaunlich: Insbesondere solche Guthaben, die sich auf Giro-, Tagesgeld-, Festgeld- und Sparkonten befinden, werfen nicht nur eine sehr geringe Rendite ab, sondern führen meistens zu einem effektiven Kapitalverlust. Dieser entsteht dadurch, dass die Rendite (deutlich) geringer als die Inflationsrate ist. Somit müsste eigentlich in der Summe eine Geldvernichtung stattfinden, aber trotzdem haben es die Bundesbürger im vergangenen Jahr geschafft, das gesamte Geldvermögen zu vermehren. Auch hier ist wieder der Sparfleiß die wesentliche Grundlage, also dass die Menschen noch mehr als vorher von ihrem Einkommen zu Seite gelegt haben und somit geringe Renditen und eine gewisse Kapitalvernichtung mehr als ausgleichen konnten.

2.2. Verluste an den Börsen verringern Guthaben

Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zu mehr Geldvermögen war insbesondere im letzten Quartal 2018 die Entwicklung an den Börsen. Zwischen September und Dezember des vergangenen Jahres sanken die Kurse um durchschnittlich mehr als fünf Prozent, sodass das Vermögen der Aktionäre in diesem Bereich ebenfalls eher kleiner als größer wurde. Für viele Anleger ist dies umso schmerzlicher, als dass sie Aktien oftmals noch für den einzigen Ausweg aus der Niedrigzinsphase halten, wenn man sich nicht für hochspekulative und häufig nicht besonders transparente Investments entscheiden möchte.

2.3. Resümee 2018: Beachtliche Sparleistung der Deutschen

In der Summe lässt sich festhalten, dass 2018 zwar von den Grundvoraussetzungen an den Kapitalmärkten her ein sehr schlechtes Jahr für Sparer war, die Bundesbürger aber mehr als das Beste draus gemacht haben. Trotz der widrigen Voraussetzung ist das gesamte Geldvermögen erneut um knapp zwei Prozent auf über sechs Billionen Euro angestiegen. Der Hauptgrund dafür war, dass die Bürger mehr als den vergangenen Jahren von ihrem frei verfügbaren Einkommen zur Seite gelegt haben und somit geringe Renditen und auch Kapitalverluste ausgeglichen werden konnten. Dies wird allerdings voraussichtlich nicht mehr in jedem der folgenden Jahre glücken, sodass es wichtig wäre, dass zumindest die Anlagezinsen endlich die ersehnte Trendwende vollziehen.

3. Ausblick auf 2019: Wie werden sich Sparer dieses Jahr verhalten?

Grundsätzlich ist es zwar positiv, wenn sich das Geldvermögen der Bundesbürger vermehrt. Im Sinne der Europäische Zentralbank ist diese Entwicklung allerdings auf gar keinen Fall, denn diese möchte mit ihrer Niedrigzinspolitik genau das Gegenteil erreichen, nämlich dass weniger gespart und mehr konsumiert wird. Auf der einen Seite sind die Kreditzinsen zwar auf einem sehr geringen Niveau, sodass der Anreiz vorhanden sein müsste, öfter günstige Darlehen aufzunehmen, um damit Konsumausgaben zu finanzieren. Dies geschieht in der Praxis zwar auch, aber dennoch ist anscheinend durch das Sparverhalten weniger Geld am Markt, als die Zentralbank gerne hätte. In gewisser Hinsicht handelt es sich natürlich um einen Teufelskreis, denn solange die Wirtschaft nicht nachhaltig anspringt, wird die EZB kaum die Möglichkeit sehen, die Leitzinsen wieder anzuheben. Das wiederum hat zur Folge, dass auch die Anlagezinsen vorerst auf dem geringen Niveau bleiben werden. Beim Ausblick auf 2019 ist demnach vor allem spannend, wie sich die Börsen in diesem Jahr entwickeln werden.

Das Sparverhalten der Deutschen in diesem Jahr ist seitens der Experten relativ einfach einzuschätzen, denn es wird davon ausgegangen, dass es keine signifikanten Änderungen im Vergleich zum letzten Jahr geben wird. Ein Großteil der Bundesbürger wird weiterhin so gut es geht sparen und dabei auf sichere Anlageformen setzen, auch wenn diese Anlagen eine sehr geringe Rendite verbriefen. Der andere große Teil der Anleger wird sein Glück weiter an der Börse versuchen oder sich möglicherweise etwas verstärkt nach alternativen Geldanlagen umsehen.