Rasanter Aufstieg der Robo Advisor
Die Geldanlage Computern überlassen? Robo Advisors sollen das erfolgreich umsetzen.

In den vergangenen zwei Jahren gab es mehrere Trends am Finanzmarkt, von denen insbesondere zum einen die Kryptowährungen und zum anderen die sogenannten Robo-Advisors besondere Beachtung fanden. Robo-Advisors sind in der Regel Online-Vermögensverwalter, welche die Dienste einer klassischen Vermögensverwaltung anbieten, allerdings ausschließlich über das Internet. Persönliche Beratung vor Ort findet daher nicht statt, aber dafür können sich Robo-Advisors durch andere Vorteile auszeichnen. Eine spannende Frage wird in 2019 sein, ob die Robo-Advisors von den Kunden weiter in verstärktem Umfang angenommen werden und es noch weitere Unternehmen aus dieser Sparte gibt, die sich neu am Markt präsentieren werden.

1. Mehr als zehn neue Robo-Advisors in 2018

Das vergangene Jahr war Bereich der Online-Vermögensverwalter insbesondere dadurch geprägt, dass es mehr als zehn neue Robo-Advisors gab, die erstmals am Markt auftraten. Auf der anderen Seite gibt es allerdings auch schon einige Anbieter in dieser Sparte, die ihre Tätigkeit bereits wieder eingestellt haben. Darüber hinaus ist am Markt der Robo-Advisors durchaus auch deshalb Bewegung, weil manche Anbieter ihre Strategien anpassen. So handelte es sich zum Beispiel bei den meisten Robos, die 2018 neu am Markt auftraten, umso genannte hybride Anbieter. Dies bedeutet, dass nicht nur der finanzmathematische Algorithmus im Vordergrund steht, sondern stattdessen verstärkt Wert auf die menschliche Komponente in der Vermögensverwaltung Wert gelegt wird.

2. Welche Kunden nutzen bisher Robo-Advisors?

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den Online-Vermögensverwaltungen und der klassischen Vermögensverwaltung der Banken besteht darin, dass die Mindesteinlage bei den Robo-Advisors in aller Regel deutlich geringer ist. Somit ergibt sich neben den vermögenden Privatkunden eine weitere Zielgruppe, nämlich Kleinanleger und mitunter sogar Sparer. Der bisher typische Kunde eines Online-Vermögensverwalters hat anzulegendes Kapital zwischen 10.000 und 50.000 Euro und ist relativ kostensensibel.

Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil der Robo-Advisors gegenüber der klassischen Vermögensverwaltung, nämlich dass die Kostenquote in aller Regel um einiges niedriger als bei den Vermögensverwaltungen der Banken ist. Somit sind natürlich auch preissensible Kunden eine größere Gruppe, die sich im vergangenen Jahr für die Dienste der Robos entschieden hat. Darüber hinaus nutzen natürlich insbesondere solche Anleger die Angebote der Online-Vermögensverwalter, die sich nicht selbst um ihr Vermögen kümmern möchten und keine persönliche Beratung vor Ort wünschen.

Zusammenfassend weisen die typischen Kunden der Robo-Advisors bisher insbesondere die folgenden Eigenschaften auf:

  • digitalen Angeboten gegenüber aufgeschlossen
  • preissensibel
  • kleinere bis mittlere Vermögen
  • Anleger möchten sich nicht selbst um ihr Vermögen kümmern

2.1. Könnte die Marktsättigung in 2019 bereits erreicht werden?

Mittlerweile existieren am Markt über 20 Robo-Advisors, die zum Beispiel Anlegern aus Deutschland aktiv ihre Dienste anbieten. Nicht wenige Experten halten den Markt mittlerweile für nahezu gesättigt, sodass nicht mehr viel Platz für weitere digitale Vermögensverwalter sein dürfte. Nicht wenige Anbieter befinden sich aktuell noch nicht in die Gewinnzone, was allerdings auch damit zu tun haben kann, dass die meisten Robo-Advisors erst seit maximal zwei oder drei Jahren am Markt tätig sind. Allerdings ist auch der Zuspruch der Anleger auf breiter Ebene noch nicht so groß, wie es sich die meisten Online-Vermögensverwalter erhofft haben. Ob sich dies in diesem Jahr gravierend ändern wird, wird von einigen Faktoren abhängen.

Für die einzelnen Robo-Advisors wird es zum Beispiel äußerst wichtig sein, dass der Anleger erkennt, worin die Unterschiede zu den Mitbewerbern bestehen. Daher kommt es sicherlich nicht nur darauf an, dass der Online-Vermögensverwalter seinen Dienst besonders günstig zur Verfügung stellen kann. Darüber hinaus ist auch die durchschnittlich erzielte Portfolio-Performance ein wichtiger Fakt, an dem sich Anleger bei der Entscheidung für einen Robo-Advisor orientieren werden. Leider fehlt es allerdings bei manchen Anbietern gerade in diesem Punkt noch an der nötigen Transparenz, sodass insbesondere Nichtkunden häufiger keine Gelegenheit haben, die durchschnittliche Performance einzusehen. Andere digitale Vermögensverwalter hingegen gehen mit diesem Thema sehr offensiv und transparent um, was sicherlich einer von vielen möglichen Wettbewerbsvorteilen sein kann.

2.2. Ausblick auf 2019: weniger neue Robo-Advisors am Markt zu erwarten

Eine Prognose dazu abzugeben, wie sich die bereits am Markt vorhandenen Robo-Advisors in 2019 entwickeln werden und in welchem Umfang die Kunden das Angebot verstärkt annehmen, ist relativ schwierig. Ausgesprochen einig sind sich die Experten allerdings in einem Punkt: Es ist davon auszugehen, dass es deutlich weniger neue Robo-Advisors am Markt geben wird, als es noch im vergangenen Jahr und auch in 2017 der Fall war. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass der Zuspruch der Kunden auf breiter Ebene noch nicht so groß ist, wie es sich die Online-Vermögensverwalter erhofft haben.

Daher dürften manche Unternehmen, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, einen digitalen Vermögensverwalter ins Leben zu rufen, die Entwicklung in 2019 vielleicht noch abwarten wollen. Fortsetzen könnte sich allerdings auch in diesem Jahr ein Trend, der insbesondere in 2018 deutlich wurde. So gab es im vergangenen Jahr mehrere Kooperationen zwischen den Robo-Advisors und etablierten sowie zum Teil größeren Finanzunternehmen, unter denen sich auch einige Banken befanden.

Solche Synergie-Effekte gilt es sicherlich auch zukünftig zu nutzen, wenn die Online-Vermögensverwalter auf Dauer am Markt bestehen möchten.