
Welches Auto eignet sich als Wertanlage? (Bild: Johannes Giez, Unsplash)
Autos als Investment – das klingt verlockend, wenn wir von plus 225 Prozent beim Renault Twingo in nur einem Jahr hören.
Doch die Realität ist ernüchternd: Während DAX und MSCI World 2024 und 2025 zweistellige Renditen von 14 bis 20 Prozent lieferten, dümpelt der breite Oldtimer-Markt bei mageren 1,2 bis 1,9 Prozent Plus. Die Zeiten, in denen jeder Porsche automatisch im Wert stieg, sind vorbei. Stattdessen explodieren Youngtimer der 90er-Jahre, während Millionen-Klassiker stagnieren.
Der entscheidende Vorteil liegt in der Steuer: Gewinne aus Autoverkäufen sind nach einem Jahr Haltedauer komplett steuerfrei, während Sie bei Aktien 26 Prozent Abgeltungsteuer zahlen.
Das Wichtigste in Kürze
- Aktien schlagen Autos deutlich: DAX plus 19 Prozent, MSCI World plus 14 Prozent, Oldtimer nur plus 1,9 Prozent (2024/2025)
- Steuerfreiheit als Trumpf: Autogewinne nach einem Jahr steuerfrei (Paragraph 23 EStG), Aktien immer steuerpflichtig
- Kostenfalle beachten: 3 bis 5 Prozent laufende Kosten pro Jahr fressen die Rendite (Garage, Versicherung, Wartung)
- Youngtimer explodieren: Renault Twingo plus 225 Prozent, BMW E36 Baur plus 245 Prozent seit 2020
- Blue-Chip-Oldtimer stagnieren: Ferrari-Index minus 9 Prozent, BMW 507 minus 3 Prozent trotz Millionenwert
Marktanalyse: Welche Autos sind eine gute Wertanlage?
Der Automarkt 2025 ist zweigeteilt wie nie zuvor. Die teuren Klassiker über 100.000 Euro, die jahrelang den Markt trieben, kämpfen mit Preiskorrekturen. Investoren sind vorsichtiger geworden. Gleichzeitig explodieren günstige Youngtimer der 90er und 2000er Jahre, weil die Generation, die damit aufwuchs, jetzt ihre Traumautos zurückkauft.
Verlierer: Hochpreisige Blue-Chip-Klassiker stagnieren
Ferrari führt die Verliererliste an – der Ferrari-Index fiel um 9 Prozent. Selbst deutsche Ikonen leiden: Der BMW 507, eines der teuersten deutschen Autos überhaupt, verlor zuletzt etwa 3 Prozent an Wert, auch wenn er mit 1,9 Millionen Euro auf extrem hohem Niveau bleibt. Der Mercedes 300 SL gilt zwar als Fels in der Brandung, zeigt aber volatile Auktionsergebnisse mit starken Schwankungen je nach Zustand und Historie.
Die Gründe für diese Stagnation sind vielfältig. Die Zentralbanken haben die Zinsen erhöht, wodurch sichere Anlagen wieder attraktiv wurden. Gleichzeitig ist die Generation der klassischen Sammler gesättigt – wer einen Ferrari wollte und konnte, hat längst einen. Die jüngere Generation interessiert sich mehr für moderne Supercars oder Elektroautos als für historische Zwölfzylinder.
Gewinner: Youngtimer und Exoten explodieren förmlich
Hier spielt die Musik im Automarkt. Der Renault Twingo der ersten Generation ist das extremste Beispiel: Wertsteigerung von 125 bis 225 Prozent binnen eines Jahres, von etwa 1.200 Euro auf fast 4.000 Euro für Top-Exemplare. Was macht einen ehemaligen Kleinwagen plötzlich so wertvoll?
Der BMW 3er (E36), speziell seltene Modelle wie der Baur Topcabrio, legte um 245 Prozent seit 2020 zu. Der Matra Bagheera, ein französischer Exot, den kaum jemand kennt, stieg 2024 um unglaubliche 98,6 Prozent. Selbst der biedere Ford Taunus 20M verzeichnete solide 23,8 Prozent Zuwachs in einem Jahr.
Die Erklärung ist simpel: Diese Autos treffen den Nerv der Zeit. Die Generation der heute 35- bis 50-Jährigen kauft die Autos ihrer Jugend. Ein Twingo war das erste eigene Auto, der E36 das Poster an der Wand, der Taunus stand beim Opa in der Garage. Nostalgie trifft auf Kaufkraft – eine explosive Mischung für Wertsteigerungen.
Verborgenen Kosten nagen bei Autos an Ihrer Rendite
Was Autosammler gerne verschweigen: Ein Auto kostet Geld, auch wenn es nur steht.
Als Faustformel sollten Sie 3 bis 4 Prozent des Fahrzeugwerts pro Jahr als Kostenblock ansetzen. Bei einem 50.000-Euro-Oldtimer sind das 1.500 bis 2.000 Euro jährlich.
Die Garage in Ballungsräumen kostet oft 100 bis 150 Euro monatlich – macht 1.200 bis 1.800 Euro im Jahr. Die Versicherung schlägt je nach Wert mit 500 bis 1.000 Euro zu Buche. Auch ein stehendes Auto altert: Dichtungen werden spröde, Reifen bekommen Standplatten, Flüssigkeiten müssen gewechselt werden. Mindestens 500 Euro jährlich für Wartung sind realistisch.
Dazu kommen Transaktionskosten, die oft unterschätzt werden. Verkaufen Sie über eine Auktion oder einen Händler, werden 10 bis 20 Prozent Provision fällig. Bei einem 50.000-Euro-Auto sind das 5.000 bis 10.000 Euro. Beim Aktienhandel zahlen Sie oft nur wenige Euro Ordergebühr.
Renditevergleich: Autos vs. DAX vs. MSCI World
Die harten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Wir haben die führenden Indizes – Südwestbank OTX, VDA DOX und Knight Frank Luxury Index – mit DAX und MSCI World verglichen. Das Ergebnis überrascht in seiner Klarheit.
Aktuelle Performance: Aktien dominieren klar
| Zeitraum | Oldtimer (Index-Durchschnitt) | DAX (Performance) | MSCI World | Gewinner |
|---|---|---|---|---|
| 1 Jahr (2024/25) | +1,2% bis +1,9% | +19,0% | +14,0% | 🟢 Aktien |
| 5 Jahre | +29,5% | +73,0% | +88,0% | 🟢 Aktien |
| Langzeit (seit 2005) | +487% (OTX Spitzenwerte) | +273% | ~360% | 🚗 Oldtimer |
Die Tabelle zeigt: Kurzfristig sind Aktien unschlagbar. Der DAX performte zehnmal besser als Oldtimer, der MSCI World siebenmal besser. Über fünf Jahre verdoppelt sich der Vorsprung der Aktien fast. Nur in der Langzeitbetrachtung seit 2005 haben ausgewählte Oldtimer-Indizes wie der OTX den DAX geschlagen – aber dieser Trend hat sich seit etwa 2016 massiv abgeflacht.
Ein Steuer-Hebel macht den Unterschied
Der größte Vorteil von Autos als Wertanlage in Deutschland ist steuerlicher Natur. Nach Paragraph 23 EStG sind Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften nach einem Jahr Haltedauer komplett steuerfrei. Bei Aktien fallen immer 26,375 Prozent Abgeltungsteuer inklusive Solidaritätszuschlag an.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht den Effekt: Sie kaufen einen Youngtimer für 20.000 Euro und verkaufen ihn nach zwei Jahren für 30.000 Euro. Der Gewinn von 10.000 Euro ist komplett steuerfrei. Bei Aktien müssten Sie 2.637,50 Euro Steuern zahlen. Um netto 10.000 Euro zu verdienen, müsste die Aktie um 13.587 Euro steigen – 36 Prozent mehr Performance als das Auto.
Realrendite nach Kosten ist entscheidend
Eine ehrliche Rechnung muss alle Kosten einbeziehen. Ein Oldtimer für 50.000 Euro steigt um 5 Prozent im Wert – macht 2.500 Euro Plus. Davon gehen ab: Garage (1.500 Euro), Versicherung (700 Euro), Wartung (300 Euro). Bleiben 0 Euro reale Rendite.
Ein ETF auf den MSCI World mit 5 Prozent Rendite hätte Ihnen bei 0,2 Prozent Kosten netto 2.400 Euro gebracht. Nach Steuern bleiben 1.766 Euro. Das ist immer noch deutlich mehr als die Null beim Auto – und Sie hatten keinen Aufwand.
Die Rechnung zeigt: Autos müssen deutlich stärker steigen als Aktien, um nach Kosten und Steuern die gleiche Rendite zu erzielen. Als Faustformel gilt: Ein Auto muss mindestens 8 bis 10 Prozent pro Jahr zulegen, um mit einem durchschnittlichen Aktienportfolio mitzuhalten.

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Fazit: „Autos als Wertanlage funktionieren nur mit Expertise und Leidenschaft – für reinen Vermögensaufbau sind Aktien unschlagbar“
Die Zahlen sind eindeutig: Mit 19 Prozent Rendite schlägt der DAX jeden Oldtimer-Index, der MSCI World liegt mit 14 Prozent ebenfalls weit vorne. Der breite Oldtimer-Markt dümpelt bei 1,9 Prozent – nach Kosten bleibt oft ein Minus. Nur ausgewählte Youngtimer wie der Renault Twingo mit plus 225 Prozent oder der BMW E36 Baur mit plus 245 Prozent bieten spektakuläre Renditen.
Der einzige massive Vorteil von Autos ist die Steuerfreiheit nach einem Jahr. Bei hohen Gewinnen spart das 26 Prozent Abgeltungsteuer – ein enormer Hebel. Doch die laufenden Kosten von 3 bis 5 Prozent jährlich plus hohe Transaktionskosten fressen diesen Vorteil oft auf.
Unsere Empfehlung: Bleiben Sie für den Vermögensaufbau beim MSCI World oder DAX. Die Liquidität ist höher, die Kosten niedriger, der Aufwand minimal. Nutzen Sie Oldtimer oder Youngtimer nur als steuerfreies Add-on für das Portfolio, idealerweise im Preissegment 15.000 bis 40.000 Euro, wo aktuell das Wachstumspotenzial am höchsten ist.
Autos sollten erst ab einem liquiden Vermögen von über 500.000 Euro eine Rolle spielen und maximal 5 bis 10 Prozent des Portfolios ausmachen. Kaufen Sie nicht blind „einen Porsche“ – der Markt für 911er ist gesättigt. Suchen Sie Nischen: gut erhaltene 90er-Jahre-Modelle, seltene Farben, lückenlose Historie.
Wer das Ganze spielerisch sieht, kann gerade an Weihnachten mal z.B. an einem Auto-Gewinnspiel wie das von Omaze teilnehmen.
Am wichtigsten: Sehen Sie das Auto als „Dividende, die man fahren kann“. Wenn der Wagen im Wert stagniert, hatten Sie immerhin Freude daran. Wenn der MSCI World stagniert, haben Sie nur eine rote Zahl im Display.
Über den Autor
Carlos Arad ist seit dem letzten Semester seines Wirtschaftstudiums in der Finanzbranche als Analyst & Autor aktiv. Nach seiner Zeit als Produktentwickler in zahlreichen Fintechs schreibt er für etablierte Wirtschaftsmagazine und gründetet nebenbei eigene Bildungsportale im Finanzbereich. Seine Vision: Unternehmertum & Finanzen zum Teil unserer DNA zu machen.


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