
Wie viel investieren Deutsche in Aktien? (Bild: Brooke Cagle @Unsplash)
Jeder sechste Deutsche besitzt Aktien, ETFs oder Fonds – klingt nach viel, ist aber im internationalen Vergleich mager.
Während die Amerikaner mit 25 Prozent Aktionärsquote vorangehen, trauen sich hierzulande nur 17,2 Prozent an die Börse. Dabei zeigen die Zahlen: Wer investiert, macht es richtig. Die durchschnittliche Depotgröße hat sich seit 2015 verdreifacht, und ETF-Sparpläne boomen wie nie zuvor. Wir zeigen Ihnen, wie viel die Deutschen wirklich investieren und welche Aktien sie kaufen.
Die gute Nachricht: Die Aktienkultur wächst. Mit 12,1 Millionen Aktionären haben wir deutlich mehr Börsianer als vor Corona. Die schlechte: Über 80 Prozent der Deutschen verpassen weiterhin die Chancen des Aktienmarkts.
Wie viel investieren Deutsche in Aktien?
Die Zahlen überraschen: Der typische deutsche Aktienanleger hat 14.400 Euro in Einzelaktien und 15.900 Euro in Fonds investiert. Das sind die Median-Werte – die Hälfte hat weniger, die andere Hälfte mehr. Der Durchschnitt liegt mit 65.100 Euro in Aktien und 44.600 Euro in Fonds deutlich höher, wird aber durch Großanleger nach oben verzerrt.
Die durchschnittliche Depotgröße beträgt Ende 2024 etwa 34.900 Euro. Das ist eine beeindruckende Entwicklung: 2015 waren es noch magere 11.200 Euro, 2020 dann 24.500 Euro. Innerhalb von neun Jahren hat sich der Wert mehr als verdreifacht – nicht nur durch Sparbemühungen, sondern auch durch die starke Börsenentwicklung.
ETF-Sparpläne werden zum Massenphänomen. Fast fünf Millionen Deutsche besparen monatlich einen ETF – 2015 waren es nur 300.000. Die durchschnittliche Sparrate liegt bei 175 bis 177 Euro pro Monat. Das mag nicht nach viel klingen, summiert sich aber: Über ETF-Sparpläne flossen 2024 insgesamt 9,3 Milliarden Euro in den Markt.
Das Gesamtbild zeigt Fortschritte: Von den 9,3 Billionen Euro Gesamtvermögen der Deutschen sind mittlerweile über 20 Prozent in Aktien und Fonds angelegt – 9,5 Prozent direkt in Aktien, 13,6 Prozent in Investmentfonds. Noch vor zehn Jahren lag dieser Anteil bei unter 15 Prozent. Trotzdem: 3,4 Billionen Euro dümpeln weiter auf Girokonten und Sparbüchern herum.
Aktionärsquote: Wie viele Deutsche investieren in Aktien?
Die nackten Zahlen: 12,1 Millionen Deutsche besitzen Aktien, Fonds oder ETFs. Bei 70 Millionen Erwachsenen macht das eine Quote von 17,2 Prozent. Anders ausgedrückt: Fünf von sechs Deutschen meiden die Börse.
| Anlageform | Anzahl Anleger | Anteil |
|---|---|---|
| Nur Fonds/ETFs | 7,6 Millionen | 62,8% |
| Einzelaktien + Fonds/ETFs | 2,9 Millionen | 24,0% |
| Nur Einzelaktien | 1,6 Millionen | 13,2% |
| Gesamt | 12,1 Millionen | 100% |
Die Mehrheit setzt auf Fonds und ETFs statt auf Einzelaktien. Das ist vernünftig – breite Streuung reduziert das Risiko. Nur 5,9 Millionen trauen sich an Einzelaktien, während 10,5 Millionen auf Fonds setzen.
Die demografischen Unterschiede sind aufschlussreich. Die größte Anlegergruppe hat ein Nettoeinkommen zwischen 2.000 und 3.000 Euro (4 Millionen Anleger). Aber auch 2,7 Millionen mit 1.000 bis 2.000 Euro Einkommen investieren – Aktien sind längst nicht mehr nur etwas für Reiche.
Bei den Jungen tut sich was: 35 Prozent der 14- bis 39-Jährigen haben einen ETF-Sparplan, bei den über 40-Jährigen sind es nur 17 Prozent. Die junge Generation hat verstanden, dass Sparbuch und Tagesgeld keine Zukunft haben.
Regional klafft eine Lücke: In Westdeutschland investieren 19,2 Prozent, in Ostdeutschland nur 10,8 Prozent. Bildung spielt ebenfalls eine Rolle: Mit Abitur liegt die Aktionärsquote bei 25,9 Prozent, mit Hauptschulabschluss bei nur 6,5 Prozent.

Anzeige
Bei anderen Depots investieren Sie in Ordergebühren, bei Smartbroker+ in Ihren Vermögensaufbau.
- kostenlose Depotführung
- Ordergebühren ab 0€
- kostenlose ETF-Sparpläne
Welche Aktien oder ETFs sind bei den Deutschen am beliebtesten?
Die Deutschen setzen auf Sicherheit und Bekanntheit. Bei ETFs dominiert der iShares Core MSCI World mit einem Volumen von über 103 Milliarden Euro. Er bildet 1.325 Unternehmen aus 23 Industrieländern ab – breiter geht’s kaum. Allerdings dominieren US-Firmen mit 72 Prozent den Index.
Die Top-ETFs der Deutschen
| ETF | Volumen | TER | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| iShares Core MSCI World | 103 Mrd € | 0,20% | Meistgekaufter ETF |
| iShares Core S&P 500 | 84 Mrd € | 0,07% | US-Fokus |
| Vanguard FTSE All-World | 45 Mrd € | 0,22% | Inkl. Schwellenländer |
| iShares Core DAX | 8,6 Mrd € | 0,16% | Deutschland-Fokus |
| Xtrackers DAX | 6,4 Mrd € | 0,09% | Günstigster DAX-ETF |
Themen-ETFs sind der neue Trend. Der Xtrackers Artificial Intelligence & Big Data ETF schafft es bei Scalable Capital auf Platz 8. Rüstungs-ETFs wie der VanEck Defense boomen 2025. Gold-Miner-ETFs explodierten mit über 120 Prozent Performance.
Die Lieblingsaktien der Deutschen
Bei Einzelaktien zeigt sich ein klares Muster: US-Tech dominiert alles. Amazon, Apple und Microsoft führen bei Trade Republic das Ranking an. Alphabet (Google), Tesla und Nvidia komplettieren die Tech-Dominanz.
Die große Überraschung 2025: Rüstungsaktien sind der neue heiße Scheiß. Rheinmetall schaffte es bei comdirect auf Platz 3, mit 241 Prozent Performance über 52 Wochen. DroneShield, Renk Group, Palantir und Hensoldt folgten. Fünf von zehn Top-Aktien bei comdirect haben militärischen Hintergrund.
Deutsche Blue Chips bleiben beliebt: Allianz, SAP und Siemens Energy gehören zu den meistgekauften deutschen Aktien. Die Commerzbank und Deutsche Bank überraschen mit jeweils über 75 Prozent Plus. Die Autowerte Mercedes, BMW und Volkswagen bleiben Dauerbrenner.
Pharma-Aktien sind zurück: Novo Nordisk war im dritten Quartal 2025 die meistgekaufte Aktie bei comdirect. Der Diabetes-Spezialist profitiert vom Abnehm-Medikamenten-Boom. Biontech bleibt trotz Corona-Ende beliebt.
Fazit: „Die Deutschen entdecken die Börse – aber im Schneckentempo“
Mit 17,2 Prozent Aktionärsquote hinken wir den USA (25 Prozent) und UK (23 Prozent) hinterher. Aber der Trend stimmt: ETF-Sparpläne explodieren, die Depots werden größer, und sogar die Jungen sind dabei. Der typische Anleger hat 34.900 Euro im Depot und spart monatlich 175 Euro per ETF – das sind solide Zahlen.
Die Anlageentscheidungen zeigen Vernunft: MSCI World als Basis, US-Tech für Rendite, deutsche Blue Chips fürs gute Gefühl. Dass Rüstungsaktien 2025 boomen, zeigt, wie schnell sich Trends ändern können. Wer vor einem Jahr Rheinmetall kaufte, hat sein Geld verdreifacht. Die Moral von der Geschichte: 83 Prozent der Deutschen verpassen solche Chancen, weil sie der Börse fernbleiben. Zeit, das zu ändern.
Über den Autor
Carlos Arad ist seit dem letzten Semester seines Wirtschaftstudiums in der Finanzbranche als Analyst & Autor aktiv. Nach seiner Zeit als Produktentwickler in zahlreichen Fintechs schreibt er für etablierte Wirtschaftsmagazine und gründetet nebenbei eigene Bildungsportale im Finanzbereich. Seine Vision: Unternehmertum & Finanzen zum Teil unserer DNA zu machen.


Meistgelesen
Vergleiche

Festgeld-Vergleich
Geben Sie die Laufzeit vor, ftd.de findet die besten Zinsen

Tagesgeld-Vergleich
Mit dem Einlagensicherungscheck sind Sie auf der sicheren Seite

Depot-Vergleich
Ohne den Vergleich von ftd.de sollten Sie kein Depot eröffnen






