Der CoIQ Collective Intelligence Fund ist die radikale Abkehr vom klassischen Fondsdenken: Kein Star-Manager, kein händisches Storytelling, kein makroökonomisches Theater. Stattdessen entscheidet ein algorithmisch gefilterter Kreis von 300 besonders erfolgreichen Privatanlegern über ein globales Aktienportfolio. Der Ansatz hat Charme, ist datengetrieben und bislang erstaunlich erfolgreich. Aber er bleibt ein Aktienfonds mit allen Risiken der Anlageklasse — nur eben mit einem ungewöhnlichen Meinungsfilter.

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Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der CoIQ Collective Intelligence Fund (ISIN: DE000A3C91C5) ist ein aktiv gemanagter globaler Aktienfonds, der am 2. Februar 2022 aufgelegt wurde. Das Fondsvolumen liegt per 30. April 2026 bei rund 65 Millionen Euro; die Erträge werden thesauriert, eine Mindestanlagesumme gibt es nicht. Das Produkt will nicht die nächste Branchenstory erzählen, sondern vielmehr die besseren Marktentscheidungen aus einer großen Datenbasis herausfiltern. Damit positioniert sich CoIQ als Gegenentwurf zu klassischen aktiv gemanagten Fonds, die ihre Überlegenheit über Research, Prognosen oder Bauchgefühl verkaufen.
2. Markt & Umfeld
Der Fonds ist in einem Marktumfeld entstanden, in dem aktive Manager immer stärker unter Beweis stellen müssen, warum Anleger für sie überhaupt noch Gebühren zahlen sollen. Gerade weil viele breit gestreute Aktienfonds den Markt langfristig nicht schlagen, klingt die Idee der kollektiven Intelligenz fast wie ein Befreiungsschlag.
Der Reiz des Modells liegt darin, dass es nicht auf eine einzelne Perspektive vertraut, sondern auf die Verdichtung vieler unabhängiger Einschätzungen. In Phasen, in denen Technologiewerte, KI-Themen und einzelne Mega-Caps den Markt dominieren, kann genau das einen Vorsprung schaffen — oder zumindest die Irrtumswahrscheinlichkeit einzelner Manager reduzieren.
3. Anlageziel & Strategie
CoIQ möchte den globalen Aktienmarkt nicht nur abbilden, sondern ihn um etwa 3 bis 5 Prozent pro Jahr übertreffen. Grundlage hierfür ist das sogenannte Informunity-Universum. Seit 2008 haben dort mehr als 65.000 Teilnehmer Strategien mit fiktivem Kapital getestet, mindestens 10 Aktien aus mehreren Sektoren über lange Zeiträume gehalten und bewertet. Aus diesem Pool werden die 300 besten Investoren nach einem Scoring-Modell ausgewählt. Dabei werden Performance, Risiko, Halteverhalten und weitere Kennzahlen wie Jensens Alpha berücksichtigt. Deren Entscheidungen werden anschließend aggregiert und in ein Fondsportfolio übersetzt – das ist kein Bauchgefühl, sondern Crowd-Selektion mit Regelwerk.
4. Portfolio & Struktur
Das Fondsportfolio umfasst rund 100 liquide globale Aktien und ist nicht an einen Vergleichsindex gebunden. Die Gewichtung folgt der Häufigkeit, mit der Positionen in den Portfolios der Top-Investoren auftauchen; anschließend wird behutsam rebalanciert, meist wöchentlich und nur bei relevanten Schwellenwerten. Laut den vorliegenden Angaben liegt der Schwerpunkt aktuell bei etwa 59 Prozent Growth-, 33 Prozent Value- und 7,9 Prozent Blend-Titeln. Regional dominieren die USA mit rund 57 Prozent, Deutschland folgt mit etwa 25 Prozent; die größten Sektoren sind Informationstechnologie, Industrie und Kommunikation.
Die Top-Positionen zeigen, wie sehr das Modell auf die Gewinner der Gegenwart und potenziell auch der nächsten Jahre setzt: Siemens Energy, Nvidia, Apple, Tesla, Rheinmetall, Amazon und Alphabet gehören zu den größten Einzeltiteln. In der Logik des Fonds ist das kein Zufall, sondern der Punkt: Das Modell will jene Werte bündeln, auf die viele erfolgreiche Anleger unabhängig voneinander setzen. Kritisch bleibt allerdings, dass ein solches Konstrukt zwangsläufig Momentum- und Konzentrationseffekte verstärken kann. Gerade das macht den Fonds reizvoll — und erklärungsbedürftig.
5. Management & Fondsanbieter
Hinter CoIQ steht eine Fondsboutique mit Tech-DNA und einem ungewöhnlichen Gründungshintergrund: Die Macher kommen aus dem Trivago-Umfeld und haben bereits 2008 die Plattform Informunity aufgebaut. Zu den Initiatoren und Gesellschaftern zählen Andrej Lehnert, Andreas Vogler und Dr. Florian Berger. Sie verstehen sich ausdrücklich nicht als klassische Fondsmanager. Sie “managen” den Fonds nicht auf Basis von Marktmeinungen, sondern mithilfe eines Systems, das aus Nutzerdaten und regelbasierter Selektion eine Allokation ableitet. Auch „Skin in the Game” ist vorhanden. Die Gründer und Co-Investoren haben den Fonds im Jahr 2022 mit über 15 Millionen Euro Startkapital ausgestattet.
6. Performance & Rendite
Die Bilanz ist bislang beeindruckend. Seit Jahresbeginn liegt der Fonds bei plus 12,54 Prozent, nach einem Jahr bei plus 29,82 Prozent und über 3 Jahre bei plus 136,43 Prozent. Zum Vergleich: Der jeweilige Sektor kommt im selben Zeitraum nur auf plus 9,82 Prozent, plus 20,08 Prozent und plus 44,34 Prozent (Stand: 26. Mai 2026). Das ist keine kosmetische Outperformance, sondern ein klarer Vorsprung gegenüber dem Sektor. Der Fonds profitiert dabei von seiner hohen Aktienexponierung und der schnellen Anpassung an Markttrends.
Wichtig ist aber die Einordnung: Der Erfolg stammt aus einer Phase, in der Growth, KI, Mega-Caps und selektive Value-Themen besonders gut liefen. Ein Modell, das in solchen Marktregimen vorne liegt, muss nicht zwingend in der nächsten Marktphase ebenso glänzen. Für Anleger ist das die zentrale Frage: Ist die Outperformance ein struktureller Vorteil oder nur ein besonders gut getimter Treffer auf das aktuelle Marktbild?
7. Risiko & Volatilität
Hier wird der Fonds deutlich weniger freundlich. Die Volatilität beträgt 20,92 Prozent über ein Jahr und 17,42 Prozent über 3 Jahre; der Maximum Drawdown lag seit Auflegung bei 29,09 Prozent. Das ist für einen globalen Aktienfonds kein Wunder, aber es macht klar: Das hier ist kein defensiver Baustein, sondern ein Renditevehikel mit spürbaren Rückschlägen. Die Sharpe Ratio liegt bei 1,60 über ein Jahr und 1,70 über 3 Jahre.
Gerade diese Kombination ist interessant: hohe Rendite und ordentliche risikoadjustierte Effizienz bei deutlichen Schwankungen. Wer den Fonds kauft, erwirbt keine Glätte, sondern setzt auf die Hoffnung, dass der Schwarm langfristig öfter recht behält als der durchschnittliche Manager. Für Privatanleger bedeutet das: Nur mit längerem Atem und psychologischer Stabilität ist das Produkt sinnvoll. Für Profis kann das Modell als satellitenfähiger, offensiver Aktienbaustein eine Rolle spielen, jedoch nicht als Kernersatz für ein breit diversifiziertes Basisportfolio.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Nachhaltigkeit ist in diesem Modell nicht der primäre Anker. Der Fonds folgt keiner dezidierten ESG-Story, sondern einer Rendite- und Auswahlstrategie, die sich am Anlegerverhalten und der Portfolioaggregation orientiert. Das bedeutet jedoch nicht, dass ESG ignoriert wird. Es ist klar: Der Fonds verkauft keine Nachhaltigkeit, sondern Performance durch kollektive Entscheidungsqualität. Anleger, die strenge Ausschlusskriterien oder explizite Nachhaltigkeitsziele verfolgen, werden hier nicht automatisch glücklich.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Preislich ist der Fonds für ein aktives Produkt bemerkenswert moderat. Sowohl der maximale Ausgabeaufschlag als auch die maximale Rücknahmegebühr betragen 0,00 Prozent. Die laufenden Kosten liegen bei 1,10 Prozent, davon entfallen 0,30 Prozent auf Portfoliotransaktionskosten und 0,80 Prozent auf sonstige laufende Kosten. Das ist im Segment der aktiven Aktienfonds tatsächlich ein Schnäppchen und angesichts des Konzepts auch nicht überzogen.
Genau hier liegt einer der Stärken des Fonds: Er muss seine Existenz nicht mit einer überteuerten Gebührenstruktur verteidigen. Wenn das Modell funktioniert, bleibt von der Bruttorendite mehr beim Anleger hängen als bei vielen klassischen High-Expense-Produkten. Das ist bei einem vergleichsweise jungen Fonds mit aktivem Ansatz ein echter Pluspunkt.
10. Chancen & Ausblick
Die große Chance liegt im strukturellen Vorteil der Crowd-Selektion. Wenn es gelingt, die tatsächlich besseren Entscheidungen aus den Investitionen vieler unabhängiger Investoren herauszufiltern, kann das dem Markt überlegen sein. Dieser Ansatz ist besonders attraktiv in Phasen, in denen Trends relativ klar verlaufen und der Markt starken Gewinnern viel Spielraum gibt. Genau dann kann ein solches Modell frühzeitig auf die richtigen Themen setzen, beispielsweise auf KI, Halbleiter, Rüstung oder große Qualitätswerte.
Die Kehrseite der Medaille: Wenn sich das Marktregime ändert, kann auch ein guter Schwarm plötzlich danebenliegen. Herdentrieb, Survivorship Bias und Momentum-Verzerrungen bleiben reale Risiken. Der Fonds lebt also davon, dass die beste Masse tatsächlich besser ist als die lauteste Masse. Und genau darin liegt seine Faszination.
11. Fazit
Der CoIQ Collective Intelligence ist ein faszinierender Fonds, weil er die alte Fondsfrage neu beantwortet. Nicht „Wer hat recht?“, sondern „Wie verdichten wir möglichst viele gute Entscheidungen?“ Das Ergebnis kann sich bislang sehen lassen – vor allem mit Blick auf die deutliche Outperformance und die ordentliche risikoadjustierte Rendite. Gleichzeitig bleibt es ein offensiver Aktienfonds mit spürbaren Schwankungen, Drawdown-Risiken und einer klaren Abhängigkeit von der Marktphase.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.