Der FOCAM Capital Growth Fund ist ein Mischfonds mit Aktien-DNA. Rund 84 Prozent des Vermögens stecken in europäischen Qualitätsunternehmen, ergänzt durch kurzlaufende Anleihen und eine flexible Steuerung der Aktienquote. Seit November 2008 hat der Fonds 362,6 Prozent Wertzuwachs erzielt. Dazu kommen eine Sharpe Ratio von 0,79 über 10 Jahre und laufende Kosten von nur 0,55 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Ein Mischfonds, der sich wie ein Aktienfonds verhält. Das ist der FOCAM Capital Growth Fund (ISIN: DE000DWS0UY5) in einem Satz. Aufgelegt im November 2008 bei der DWS Investment GmbH und von der FOCAM AG gemanagt, verfolgt er einen langfristigen Qualitäts- und Wachstumsansatz. Das Etikett „Mischfonds“ ist formal korrekt, beschreibt das Produkt aber nur unvollständig. Aktien machen zuletzt rund 84,4 Prozent des Vermögens aus. Wer einen defensiven Stabilitätsbaustein sucht, ist hier deshalb an der falschen Adresse.
Interessant ist der Fonds vielmehr für Anleger, die ein konzentriertes Qualitätsportfolio mit zusätzlichen Instrumenten zur Risikosteuerung suchen. Die SD-Tranche ist formal mit einer Mindestanlage von 500.000 Euro verbunden. Aufgrund der Handelbarkeit über Xetra, gettex und weitere deutsche Börsenplätze ist diese Hürde in der Praxis allerdings weniger relevant. Beim Börsenkauf sollten Anleger dennoch auf Kurs, Geld-Brief-Spanne und Liquidität achten.
2. Markt & Umfeld
Widersprüchliche Signale, wohin man auch schaut. Ein weniger restriktives Zinsumfeld könnte Aktien und Anleihen unterstützen. Gleichzeitig sind viele Qualitätstitel bereits hoch bewertet. Geopolitische Risiken, hohe Gewinnerwartungen und die starke Konzentration der Marktgewinne auf wenige Technologiewerte sprechen für Selektivität statt Autopilot. Genau hier setzt die Flexibilität des FOCAM-Ansatzes an. Die Aktienquote kann verändert, Liquidität aufgebaut, kurzlaufende Unternehmensanleihen beigemischt und über Futures abgesichert werden. Der Fonds muss also nicht dauerhaft mit voller Risikobereitschaft investiert bleiben.
Doch Flexibilität ist kein Freifahrtschein. Wer in einem Börsenboom zu vorsichtig positioniert ist, verpasst Rendite. Wer bei einem schnellen Ausverkauf zu spät reagiert, kann Verluste ebenfalls nicht verhindern. Die Möglichkeiten zur Steuerung sind deshalb Werkzeuge – keine eingebaute Verlustversicherung. Die FOCAM AG beurteilt das Kapitalmarktumfeld grundsätzlich konstruktiv, weist zugleich aber auf hohe Bewertungen, starken Anlegeroptimismus und geopolitische Risiken hin. Entsprechend bleibt der Investmentansatz selektiv.
3. Anlageziel & Strategie
Das Anlageziel ist klar: möglichst viel Wertzuwachs in Euro. Dafür werden die infrage kommenden Unternehmen zunächst auf ihre Qualität geprüft. Im Fokus stehen Management, Bilanz, Marktstellung und die Perspektiven des Geschäftsmodells. Erst danach geht es um die konkrete Aktienauswahl: Welche Unternehmen bieten die beste Kombination aus Ertragsdynamik, Ausschüttungspotenzial und Bewertung? So entsteht kein Portfolio, das jedem Wachstums-Hype hinterherläuft, sondern eines mit langfristig ausgerichteten Qualitätsunternehmen. Die geringe Umschlagshäufigkeit passt dazu: Die ausgewählten Titel sollen sich über Jahre entwickeln – nicht ständig ausgetauscht werden.
Ergänzt wird das Aktienportfolio durch kurzlaufende Euro-Unternehmensanleihen. Sie sollen die Schwankungen dämpfen und zugleich Liquidität für neue Chancen bereithalten. Zusätzlich kann das Management die Aktienquote flexibel verändern und Derivate zur Absicherung einsetzen. Damit hat der Fonds mehr Stellschrauben als ein klassischer Aktienfonds – aber eben auch mehr Möglichkeiten, mit taktischen Entscheidungen falschzuliegen.
4. Portfolio & Struktur
Konzentriert, aber mit unterschiedlichen Ertragsquellen: Die 10 größten Aktienpositionen bringen es zusammen auf rund 59,3 Prozent des Fondsvermögens. An der Spitze stehen Linde mit 9,4 Prozent und ASML mit 8,9 Prozent. Es folgen Allianz mit 6,6 Prozent, Deutsche Telekom mit 6,1 Prozent und Enel mit 5,3 Prozent. Auch bei der Auswahl der Titel gibt es einen klaren Mix. Linde und ASML stehen für starke globale Marktpositionen und strukturelles Wachstum. Allianz, Deutsche Telekom und Enel bringen dagegen stärker laufende Erträge, stabile Cashflows und defensivere Geschäftsmodelle ins Portfolio.
Die Kehrseite der Konzentration liegt auf der Hand: Enttäuscht eine der großen Positionen, schlägt das stärker auf die Gesamtperformance durch als bei einem breit gestreuten Aktienfonds. Das ist kein Ausrutscher, sondern Teil des Konzepts. Der Fonds setzt bewusst auf wenige, aus Sicht des Managements besonders attraktive Unternehmen. Regional bleibt das Portfolio klar europäisch geprägt. Die meisten Unternehmen sind allerdings international tätig und erzielen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze außerhalb Europas. Trotzdem bleibt die Entwicklung stärker vom europäischen Aktienmarkt und dessen Bewertungsniveau abhängig als bei einem global aufgestellten Standardportfolio.
5. Management & Fondsanbieter
Seit Oktober 2014 ist Ulrich Reitz Chief Investment Officer der FOCAM AG. Er verantwortet die volkswirtschaftliche Einschätzung, die Kapitalmarktstrategie, den Capital Growth Fund und individuelle Privatkundenmandate. Reitz bringt mehr als 35 Jahre Kapitalmarkterfahrung mit. Nach seiner Ausbildung bei der Deutschen Bank und dem BWL-Studium in Göttingen war er ab 1987 mehr als 2 Jahrzehnte bei der BHF-Bank und deren Tochtergesellschaften tätig. Beim Frankfurt-Trust verantwortete er mehrere Publikums- und Spezialfonds. Später leitete er als Geschäftsführer der BHF Capital Management das Kapitalmarkt- und Wertpapier-Research der BHF-Bank.Von 2010 bis 2014 war Reitz bei Gebser & Partner für Kapitalmarktstrategie, Research und Portfoliomanagement zuständig.
Seit 2014 prägt er als CIO der FOCAM AG die strategische Ausrichtung des Investmentprozesses. Für einen langfristig investierenden Fonds ist diese personelle Kontinuität relevant. Die Investmentphilosophie ist über Jahre nachvollziehbar und nicht von häufigen Managerwechseln geprägt. Gleichzeitig bleibt das ein Schlüsselpersonenrisiko: Ein wesentlicher Teil der strategischen Ausrichtung hängt an der Erfahrung und dem Know-how des verantwortlichen Teams.
6. Performance & Rendite
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Rund 12 Prozent Plus über ein Jahr, 24 Prozent über 3 Jahre, knapp 40 Prozent über 5 Jahre und rund 140 Prozent über 10 Jahre. Seit der Auflegung 2008 summiert sich der Wertzuwachs auf 362,6 Prozent. Annualisiert entspricht das 7,6 Prozent über 3 Jahre, 6,9 Prozent über 5 Jahre, 9,1 Prozent über 10 Jahre und 9,0 Prozent seit Auflegung. Auch gegenüber der Vergleichskategorie fällt die Entwicklung deutlich aus: Über 5 Jahre legte der Fonds um 40,2 Prozent zu, der Vergleichssektor kam auf 20,8 Prozent. Über 10 Jahre stehen 139,8 Prozent einem Sektorzuwachs von 53,8 Prozent gegenüber.
Die historische Outperformance ist damit erheblich. Sie sollte allerdings im Kontext des Fondsprofils betrachtet werden: Hinter der Rendite stehen eine hohe Aktienquote und ein konzentriertes Portfolio. Der Fonds bietet damit deutlich mehr Aktienexposure als ein klassischer defensiver Mischfonds – und entsprechend auch mehr Schwankungs- und Einzelwertrisiko.
7. Risiko & Volatilität
Genau hier wird es interessant: Die Volatilität liegt bei 8,6 Prozent über ein Jahr und steigt auf 10,6 Prozent über 10 Jahre. Für einen Fonds mit einem Aktienanteil von rund 84 Prozent ist das eine vergleichsweise moderate Schwankungsbreite. Die Sharpe Ratio liegt bei 1,18 über 1 Jahr, 0,68 über 3 Jahre, 0,55 über 5 Jahre und 0,79 über 10 Jahre. Vor allem die 10-Jahres-Kennzahl ist relevant: Sie setzt die langfristig erzielte Rendite ins Verhältnis zu den eingegangenen Schwankungen.
Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Der Fonds schützt nicht automatisch vor Verlusten. Über 5 Jahre lag der maximale Rückgang bei rund 11 Prozent, über die gesamte Historie bei etwa 28,7 Prozent. Wer hier also eine automatische Notbremse erwartet, wird enttäuscht. Die Steuerungsinstrumente können das Risiko reduzieren, wenn das Management rechtzeitig handelt. Sie können einen Verlust aber weder ausschließen noch rückgängig machen.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Der FOCAM Capital Growth ist als Artikel-8-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung eingestuft. Das bedeutet nicht, dass es sich um einen konsequenten Nachhaltigkeitsfonds handelt. Ein automatischer Ausschluss fossiler Energien oder der Rüstungsindustrie folgt daraus beispielsweise nicht. Anleger mit konkreten Nachhaltigkeitsanforderungen sollten deshalb genauer auf Ausschlusskriterien, Mindeststandards und den Umgang mit Kontroversen achten. Beim FOCAM Capital Growth ist ESG vor allem ein zusätzlicher Bestandteil des Qualitätsprozesses. Die zentrale Renditethese bleibt die Auswahl profitabler und langfristig wachstumsfähiger Unternehmen.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
0,55 Prozent laufende Kosten pro Jahr, kein Ausgabeaufschlag und keine ausgewiesene Performance Fee – für einen aktiv gemanagten, konzentrierten Fonds mit taktischer Allokationssteuerung ist das eine schlanke Kostenstruktur. Daneben existieren weitere Anteilklassen. Die später aufgelegten Tranchen weisen laut den vorliegenden Daten laufende Kosten zwischen 0,86 und 1,36 Prozent einschließlich Transaktionskosten auf und unterscheiden sich bei Vertriebsstruktur und Zugangsvoraussetzungen.
Für kostenbewusste Anleger ist damit vor allem die SD-Tranche interessant. Ihre formale Mindestanlage von 500.000 Euro wird durch die Börsenhandelbarkeit relativiert. Über Xetra, gettex und weitere deutsche Handelsplätze können Anleger die Anteilklasse auch mit deutlich geringerem Kapitaleinsatz erwerben. Das hat allerdings einen Preis: Beim Börsenkauf zählen nicht nur die Fondskosten, sondern auch Börsenkurs, Geld-Brief-Spanne, Liquidität und Orderkosten. Wer deutlich vom Nettoinventarwert abweichende Kurse vermeiden will, sollte mit Limit arbeiten.
10. Chancen & Ausblick
Die Chance des Fonds liegt in der Kombination aus Qualitätsselektion und taktischer Flexibilität. Die Unternehmen sollen langfristig wachsen und ihre Marktpositionen ausbauen, während das Management zugleich auf veränderte Kapitalmarktbedingungen reagieren kann. Hinzu kommen die geringe Umschlagshäufigkeit und die langjährige Erfahrung des verantwortlichen Teams. Das Konzept ist damit weniger auf kurzfristige Markttrends ausgerichtet als auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auch über mehrere Konjunkturzyklen hinweg funktionieren können.
Die Risiken bleiben dennoch real. Hohe Aktienquote, Konzentration auf wenige Schwergewichte und die europäische Ausrichtung können in ungünstigen Marktphasen gleichzeitig belasten. Auch die taktische Steuerung muss sich immer wieder neu beweisen. Die Möglichkeit, Aktienquoten zu reduzieren oder Derivate zur Absicherung einzusetzen, ist wertvoll – sie garantiert aber keinen Schutz vor dem nächsten Börsensturz.
11. Fazit
Der FOCAM Capital Growth Fund ist ein Mischfonds mit Aktien-DNA. Seine Stärke liegt nicht in maximaler Streuung, sondern in konzentrierter Titelauswahl, langfristigem Denken und zusätzlichen Werkzeugen zur Steuerung von Aktienquote und Risiko. Die Strategie hat über viele Jahre eine bemerkenswerte Bilanz geliefert. Gleichzeitig sollten Anleger das Produkt nicht mit einem defensiven Mischfonds verwechseln: Die hohe Aktienquote, die Konzentration und der historische Drawdown machen den FOCAM zu einem offensiven Investment.
Für deutsche Anleger ist die SD-Tranche vor allem wegen ihrer Kosten und der Börsenhandelbarkeit interessant. Als renditeorientierter Qualitätsbaustein kann der Fonds eine Alternative zu einem klassischen Europa-Aktienfonds darstellen. Als defensiver Depotanker oder Anleihenersatz taugt er dagegen nicht. Unterm Strich ist der Fonds kein spektakuläres Story-Investment. Dafür bietet er etwas, das an der Börse deutlich seltener ist: einen langen Track Record, konzentrierte Qualitätsauswahl und einen zusätzlichen Werkzeugkasten für schwierige Börsenphasen.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.