Der Human Intelligence R ist eine Antwort auf die Ära der ETFs. Während passive Produkte stoisch Indizes replizieren, jagt dieser Fonds den besten Ideen der globalen Fondsmanager hinterher – schnell, konsequent und ohne Rücksicht auf Benchmark-Gewichte. So wandelte sich das Portfolio binnen eines Monats von einer massiven Energie-Wette zu einem klaren KI- und Cybersecurity-Fokus. Die bisherige Performance gibt dem Ansatz recht. Doch diese Dynamik erfordert Disziplin – und ist mit Kosten verbunden.

FWW FundStars® ? FWW FundStars® ist ein proprietäres Bewertungssystem, das die Performance von Investmentfonds anhand verschiedener Kriterien bewertet. Die Bewertung reicht von 1 bis 5 Sternen, wobei 5 Sterne die beste Bewertung darstellen.
Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der im August 2021 aufgelegte Human Intelligence R Fonds (ISIN: DE000A3CNF56) wird von der Freiburger Greiff Capital Management AG verantwortet und administrativ von HansaInvest betreut. Als Referenz dient der MSCI World, allerdings mehr als Messlatte denn als Orientierung. Das Fondsvolumen bewegt sich mit aktuell 121 Millionen Euro im dreistelligen Millionenbereich. Die Strategie ist klar global ausgerichtet. Die Erträge werden thesauriert. Das Versprechen ist ambitioniert: Outperformance durch die systematische Nutzung kollektiver Manager-Exzellenz. Nicht ein Star-Manager soll den Unterschied machen, sondern die Verdichtung der besten Ideen vieler erfolgreicher Fondsmanager weltweit.
2. Markt & Umfeld
Aktuell werden die Börsen von 2 großen Erzählungen bestimmt: dem langfristigen Produktivitätsschub durch Künstliche Intelligenz einerseits und den teils heftigen Ausschlägen bei Energie- und Rohstoffpreisen andererseits. Zwischen diesen Kraftfeldern positioniert sich aktuell der Human Intelligence R – jedoch nicht neutral, sondern mit klarer taktischer Zuspitzung.
Während zahlreiche globale Fonds faktisch im Fahrwasser weniger US-Mega-Caps treiben und damit versteckte Klumpenrisiken gegenüber dem Index aufbauen, versteht sich dieser Ansatz als bewegliches Ziel. Er zielt nicht auf die dauerhafte Besetzung eines Trends ab, sondern auf das gezielte Ausnutzen von Marktfenstern. In einer Phase werden chinesische Internetwerte wie die Alibaba Group offensiv gewichtet, in einer anderen rücken Finanzwerte oder Goldminen in den Vordergrund.
Auch die Liquiditätssteuerung folgt diesem Opportunismus. In Zeiten erhöhter Unsicherheit wird die Kasse spürbar hochgefahren, nur um bei aufkommender Marktstärke wieder konsequent zu investieren. Ein Marktumfeld mit ausgeprägten Bewertungsunterschieden zwischen Growth- und Value-Titeln begünstigt einen solchen Stil. Doch der Spielraum zwischen Mehrwert und Fehlgriff ist schmal – entscheidend bleiben Timing und Treffsicherheit der Selektion.
3. Anlageziel & Strategie
Das Herzstück ist eine seit Jahren aufgebaute Datenbankanalyse von rund 9.000 aktiv gemanagten Aktienfonds weltweit. Aus diesen werden jene 250 Manager gefiltert, die über 3, 5 und 10 Jahre hinweg besonders erfolgreich agiert haben. Die jeweils höchsten Überzeugungspositionen dieser Manager werden aggregiert, bewertet und in ein konzentriertes Portfolio von etwa 30 bis 40 Aktien überführt.
Entscheidend ist jedoch die laufende Anpassung. Das Management reagiert dabei auf Veränderungen bei Momentum, relativer Stärke und makroökonomischen Trends. So entsteht kein statisches Best-of-Portfolio, sondern ein dynamischer Allokationsmechanismus, der Markttrends nicht nur abbildet, sondern auch aktiv antizipiert.
4. Portfolio & Struktur
Die aktuelle Portfoliostruktur liest sich wie ein Spiegelbild des KI-Booms. An der Spitze stehen mit Nvidia, Microsoft, CrowdStrike Holdings, Palo Alto Networks und Netflix Plattform-, Halbleiter- und Cybersecurity-Titel. Selbst Rockwell Automation steht für industrielle Digitalisierung und Automatisierung.
Mit gut 50 Prozent stellen die USA den Löwenanteil des Länderexposures. Kanada, Großbritannien, Frankreich und Südkorea ergänzen die Struktur. Die Cashquote liegt aktuell bei nur noch gut 3 Prozent – das Kapital ist nahezu vollständig investiert. Mit rund 29 Prozent führt Technologie die Sektorenliste an, gefolgt von Energie und Grundstoffen.
Noch bemerkenswerter ist jedoch ein Blick zurück. Vor einem Monat dominierten Energie- und Rohstofftitel wie Exxon Mobil, Chevron, ConocoPhillips, Petrobras oder Cheniere Energy das Portfolio. Die Gewichtung im Bereich Energie lag bei über 26 Prozent, gleichzeitig hielt der Fonds eine Cashquote von mehr als 24 Prozent. Innerhalb weniger Wochen hat sich das Bild nahezu vollständig verändert. Diese Rotation verdeutlicht den taktischen Ansatz des Fonds und erklärt die hohen Transaktionskosten.
5. Management & Fondsanbieter
Die Greiff Capital Management AG mit Sitz in Freiburg verfolgt einen klar researchgetriebenen Investmentansatz. Frank Termathe fungiert als CIO, Initiator der Strategie und verantwortlicher Fondsmanager des Human Intelligence R. Er steuert das Portfolio und trägt die Gesamtverantwortung für die Umsetzung der Investmentstrategie. Termathe ist mit einem Citywire-AA-Rating ausgezeichnet.
Volker Schilling, CEO der Greiff Capital Management AG, agiert als Co-Manager des Fonds und begleitet die strategische Weiterentwicklung des Ansatzes. Unterstützt wird das Management durch ein spezialisiertes Team: Werner Lang leitet die Research-Abteilung und verantwortet die Weiterentwicklung der zugrunde liegenden Fondsstudie, die das Fundament der Strategie bildet. Markus Merkel ist für das Risikomanagement zuständig, während Fabian Hoch als Junior-Portfoliomanager das Portfoliomanagement unterstützt.
Die seit vielen Jahren etablierte quantitative Studie, auf der der Auswahlprozess basiert, wird kontinuierlich weiterentwickelt und gilt als Herzstück des Investmentansatzes. Branchenanerkennungen wie die Refinitiv Lipper Awards unterstreichen die Expertise und Reputation des Hauses. Entscheidend bleibt jedoch, dass Systematik und diskretionäre Feinarbeit im Tagesgeschäft präzise ineinandergreifen – nur dann kann das Modell dauerhaft Mehrwert generieren.
6. Performance & Rendite
Seit der Auflage hat der Fonds eine kumulierte Wertentwicklung von knapp 100 Prozent erzielt, was einer jährlichen Rendite von rund 16,5 Prozent entspricht. Damit wurde der MSCI World um rund 50 Prozentpunkte übertroffen. Besonders die Jahre 2023 bis 2025 fielen mit Zuwächsen im zweistelligen Bereich stark aus. Selbst im schwierigen Börsenjahr 2022 blieb der Rückgang mit 1,7 Prozent vergleichsweise moderat.
Entscheidend ist, dass es sich bei diesen Zahlen um Nettowerte nach Kosten handelt. Dem Management ist es bislang gelungen, trotz hoher Gebühren eine signifikante Überrendite zu erwirtschaften. Ob diese Outperformance strukturell oder zyklisch bedingt ist, wird sich jedoch erst in einer längeren Marktphase mit wechselnden Stilregimen zeigen.
7. Risiko & Volatilität
Mit einer Volatilität zwischen 12 und 15 Prozent ist der Fonds klar im dynamischen Aktiensegment angesiedelt. Die Konzentration auf 30 bis 40 Titel verstärkt die Einzelwertrisiken. Hinzu kommt das Timing-Risiko aus der aktiven Rotation. Anleger müssen bereit sein, temporäre Rückschläge auszuhalten.
Gleichzeitig zeigt die Historie, dass das Management bereit ist, die Liquidität deutlich zu erhöhen, wenn die Risiken steigen. Diese Flexibilität kann in Krisenphasen stabilisierend wirken, setzt jedoch ein präzises Markteinschätzungsvermögen voraus. Der maximal gemessene Drawdown lag bislang bei 20 Prozent.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Der Fonds verfolgt keine explizite Strategie in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und ist regulatorisch als Artikel-6-Produkt klassifiziert. Nachhaltigkeitskriterien sind nicht das primäre Steuerungsinstrument. Anleger mit strengen Nachhaltigkeitsvorgaben finden hier keinen dezidierten Impact-Ansatz, sondern eine renditeorientierte Globalstrategie.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Die Kostenseite ist kein Nebenaspekt, sondern integraler Bestandteil des Investmentmodells. In der Retail-Tranche summieren sich die laufenden Gesamtkosten auf 6,10 Prozent. Davon entfallen 3,70 Prozent auf Portfoliotransaktionskosten, was eine unmittelbare Folge der hohen Umschlagshäufigkeit ist, sowie 2,40 Prozent auf sonstige laufende Kosten. Zusätzlich wird eine Performance-Fee erhoben: 10 Prozent der positiven Wertentwicklung oberhalb einer „Hurdle Rate” von ebenfalls 10 Prozent werden vereinnahmt, versehen mit einer „High-Water-Mark-Systematik”.
Im Wettbewerbsvergleich sind diese Werte zweifellos hoch. Sie spiegeln jedoch exakt das wider, was der Fonds verspricht: aktive, konsequente Rotation und taktische Anpassungsfähigkeit. Entscheidend ist daher weniger die absolute Kostenhöhe als die Nettobetrachtung. Die bislang erzielte Outperformance wurde bereits nach Abzug sämtlicher Gebühren erwirtschaftet. Das Alpha wurde also nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erzielt – und zwar trotz, womöglich sogar wegen der intensiven Handelsaktivität.
10. Chancen & Ausblick
Die große Stärke dieses Fonds liegt in seiner Anpassungsfähigkeit. Er kann zyklische Energiephasen abdecken und wenige Wochen später strukturelle KI-Trends besetzen. In einem Marktumfeld, das von Stilrotationen und geopolitischer Unsicherheit geprägt ist, kann ein solcher Ansatz einen Mehrwert liefern.
Seine Schwäche liegt in der Abhängigkeit vom richtigen Timing. Sollte der Markt über einen längeren Zeitraum hinweg trendlos oder extrem indexgetrieben verlaufen, könnten Transaktionskosten und Fehlsignale die Rendite belasten. Der Fonds ist daher kein defensiver Kernbaustein, sondern ein aktiver Renditebeschleuniger.
11. Fazit
Der Human Intelligence R ist ein Fonds für Investoren, die aktive Entscheidungen nicht nur akzeptieren, sondern suchen. Er ist konzentriert, dynamisch und kostenintensiv – aber bislang erfolgreich. Die radikale Rotation zeigt Mut und Überzeugung.
Wer bereit ist, Volatilität auszuhalten und an die Kraft systematischer Schwarmintelligenz glaubt, findet hier einen spannenden Satellitenbaustein mit echtem Differenzierungspotenzial. Wer hingegen Indexnähe und niedrige Gebühren priorisiert, wird sich mit diesem Fonds schwertun. Hier wird nicht verwaltet – hier wird permanent Position bezogen.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.