Totgesagt und doch quicklebendig: Value erlebt seine Renaissance – und der Kopernik Global All-Cap Fund ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Während die Märkte gebannt auf den KI-Boom und die Tech-Giganten blicken, setzt David Iben auf das Gegenteil – Rohstoffe statt Hightech, Schwellenländer statt Silicon Valley, Substanz statt Modetrend. Der Fonds schwankt stärker als der Markt, liefert aber eine echte Beimischung für Anleger, die bewusst gegen den Strom schwimmen wollen.

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Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der 2013 aufgelegte Kopernik Global All-Cap Equity Fund (ISIN: IE00BH6XS969) ist ein global investierender Aktienfonds, der heute rund 1,2 Milliarden US-Dollar verwaltet. Zielgruppe sind Anleger, die eine echte Alternative zum Mainstream suchen. Der Fonds ist bewusst antizyklisch ausgerichtet. Anstatt auf bekannte Mega-Caps zu setzen, investiert er in Substanzwerte aus Sektoren und Regionen, die vom Markt weitgehend ignoriert oder unterschätzt werden.
2. Markt & Umfeld
Die vergangene Dekade war von einem ungebrochenen Growth-Hype geprägt. KI, Cloud-Computing und die Dominanz von Tech-Riesen wie Nvidia, Microsoft oder Meta haben die globalen Aktienindizes in die Höhe getrieben. Value-Investoren hingegen mussten in dieser Zeit häufig mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen leben. Doch das Umfeld wandelt sich: Inflation und höhere Zinsen haben sich etabliert, geopolitische Spannungen von der Ukraine bis nach Taiwan sorgen für Unsicherheit. In diesem Umfeld gewinnen Rohstoffe, Energieunternehmen und Schwellenländer wieder an Attraktivität – und damit auch die Strategie von David Iben, die einen klaren Gegenpol zu techlastigen Benchmarks bildet.
3. Anlageziel & Strategie
Das Anlageziel des Fonds ist es, durch Investments in unterbewertete Unternehmen, die deutlich unter ihrem inneren Wert gehandelt werden, langfristiges Kapitalwachstum zu erzielen. Der Anlageprozess basiert auf einer gründlichen Fundamentalanalyse, bei der Bilanzen, Cashflows und Geschäftsmodelle intensiv geprüft werden. Die Bewertung erfolgt konsequent nach Substanzwert und Cashflow. In das Portfolio kommen nur Unternehmen, die aus Sicht des Teams einen erheblichen Sicherheitsabschlag auf ihren inneren Wert bieten.
David Iben versteht sich nicht als kurzfristiger Trader, sondern als Miteigentümer von Unternehmen. Positionen werden daher oft über viele Jahre gehalten – auch dann, wenn der Markt in der Zwischenzeit eine andere Meinung vertritt. Das Ergebnis ist ein Portfolio, das sich konsequent an den Überzeugungen des Managements orientiert und kaum Rücksicht auf Indexvorgaben oder Modetrends nimmt.
4. Portfolio & Struktur
Das Portfolio umfasst derzeit mehr als 100 Einzelwerte, von denen die meisten mit Gewichten zwischen 1 und 3 Prozent vertreten sind. Damit werden große Klumpenrisiken vermieden. Auffällig ist die starke Gewichtung in Rohstoff- und Energiewerten. Rund 28 Prozent des Fondsvermögens sind in Unternehmen aus dem Bereich der Edel- und Industriemetalle investiert, weitere 12 Prozent entfallen auf Öl- und Gasunternehmen. Industriewerte machen rund 11 Prozent aus. Informationstechnologie ist mit weniger als 3 Prozent kaum vertreten.
Auch geografisch unterscheidet sich der Fonds stark von klassischen Benchmarks. Südafrika, Kanada und Südkorea machen zusammen mehr als ein Drittel des Portfolios aus, während die USA nur mit etwa 11 Prozent gewichtet sind. Zum Vergleich: Im MSCI World liegt der US-Anteil bei über 60 Prozent. Zu den größten Einzelpositionen zählen Titel wie LG Uplus aus Korea, Impala Platinum aus Südafrika, der kasachische Uranproduzent Kazatomprom sowie das kanadische Explorationsunternehmen Seabridge Gold. Das Portfolio ist somit klar rohstofflastig und investiert in Märkte, die sonst kaum im Fokus globaler Anleger stehen.
5. Management & Fondsanbieter
Der Fonds wird von David Iben gemanagt, der über 40 Jahre Erfahrung als Investor verfügt. Zuvor war Iben bei Tradewinds Global Investors tätig, wo er mehrere Milliarden verwaltete, bevor er 2013 Kopernik Global Investors gründete. Der Name ist bewusst gewählt: Wie der Astronom Kopernikus möchte Iben mit seiner Arbeit die Sichtweise der Investoren auf den Kopf stellen. Sein Credo lautet, dass sich abseits des Marktkonsenses die besten Chancen finden lassen. Er wird von einem Team aus rund 30 Analysten unterstützt, die sich vor allem auf fundamentale Unternehmensanalysen in den Bereichen Rohstoffe und Schwellenländer spezialisiert haben.
6. Performance & Rendite
Die langfristige Bilanz des Fonds ist beachtlich. Seit seiner Auflage im Jahr 2013 hat er eine jährliche Durchschnittsrendite von gut 10 Prozent erzielt und damit den MSCI ACWI klar geschlagen, der im gleichen Zeitraum eine Rendite von rund 8 Prozent pro Jahr erwirtschaftete. Besonders stark war die Wertentwicklung in Phasen, in denen Rohstoffe wiederentdeckt wurden, beispielsweise 2016, 2021 oder zuletzt in den Jahren 2023 bis 2025: So legte der Fonds 2023 um 15,7 Prozent zu, erzielte 2024 einen Zuwachs von 12,4 Prozent und liegt per Juli 2025 bereits mehr als 20 Prozent im Plus. Über einen Zeitraum von 5 Jahren summiert sich die Wertentwicklung auf fast 100 Prozent, womit der Fonds viele klassische Value- und Dividendenfonds hinter sich lässt.
7. Risiko & Volatilität
Die klare Positionierung hat jedoch ihren Preis. Der Fonds weist eine deutlich höhere Volatilität auf als der breite Markt. In schwachen Jahren können Verluste von über 10 Prozent auftreten, wie beispielsweise 2014 oder 2018. Kurzfristige Schwankungen von 20 Prozent und mehr sind keine Seltenheit, da der Fonds stark mit Rohstoffpreisen und Schwellenländermärkten korreliert. Zwar reduziert die breite Streuung auf viele Einzelwerte das Risiko von Einzeltitelausfällen, thematisch bleibt der Fonds jedoch von globalen Rohstoffzyklen abhängig. Für Anleger mit kurzem Zeithorizont ist er somit riskant, während er für langfristige Investoren eine wertvolle Beimischung darstellen kann.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Aus ESG-Sicht ist der Fonds kritisch zu betrachten. Zwar argumentiert Iben, dass langfristig orientiertes Investieren per se nachhaltiger sei als kurzfristiges Gewinnstreben. Die hohen Engagements in Öl-, Gas- und Bergbaukonzerne stehen jedoch im klaren Widerspruch zu gängigen ESG-Standards. Anleger, die strenge Nachhaltigkeitskriterien anlegen, werden im Kopernik Global All-Cap Equity Fund keine Heimat finden. Für Investoren, die Nachhaltigkeit breiter interpretieren und soziale Stabilität durch antizyklisches Wirtschaften betonen, bietet der Fonds jedoch einen zumindest diskussionswürdigen Ansatz.
Basisinformationen
Top Holdings
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Die laufenden Kosten des Fonds liegen bei 1,5 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt ein maximaler Ausgabeaufschlag von 5 Prozent. Eine erfolgsabhängige Gebühr fällt nicht an. Im Vergleich zu kostengünstigen ETFs erscheint die Gebührenstruktur hoch, im Kontext aktiv gemanagter globaler Fonds bewegt sie sich jedoch im üblichen Rahmen. Angesichts der konsequent aktiven Strategie und der deutlichen Abweichung von gängigen Benchmarks sind die Kosten gerechtfertigt.
10. Chancen & Ausblick
Die Chancen des Fonds liegen vor allem in seiner Antizyklik. Sollte die Inflation auf einem höheren Niveau verharren oder die Versorgung mit Rohstoffen durch geopolitische Konflikte eingeschränkt werden, könnten die im Fonds enthaltenen Werte überdurchschnittlich profitieren. Auch die Energiewende mit ihrem hohen Bedarf an Kupfer, Uran und seltenen Metallen könnte sich als Rückenwind erweisen. Risiken bestehen hingegen in einem möglichen Rückfall in ein Umfeld niedriger Inflation, in dem Wachstumswerte und Technologie erneut dominieren könnten. Zudem macht die Ausrichtung auf Schwellenländer den Fonds anfällig für politische und währungsbedingte Verwerfungen.
11. Fazit & Empfehlungen
Der Kopernik Global All-Cap Equity Fund ist nicht für jeden Anleger geeignet. Investoren, die Benchmark-Nähe und ruhige Renditepfade suchen, werden hier nicht glücklich. Für Investoren mit einem langfristigen Horizont und dem Wunsch nach echter Diversifikation jenseits der großen Indizes ist er jedoch ein spannendes Produkt. Als gezielte Beimischung eignet er sich vor allem für erfahrene Anleger, die bereit sind, höhere Schwankungen in Kauf zu nehmen, um eine unkorrelierte Ertragsquelle in ihr Depot zu integrieren. Kurz gesagt: Dies ist ein Fonds für Querdenker und nichts für Mitläufer.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.