Der Ninety One Global Natural Resources zählt zu den klassischen Rohstofffonds, die nicht auf kurzfristige Trends, sondern auf den großen Zyklus setzen. Das Portfolio ist breit in Werte aus den Sektoren Energie, Metalle und Agrarchemie gestreut, aber dennoch fokussiert genug, um überproportional an Rohstofftrends zu verdienen. Genau darin liegt die Stärke – und das Risiko: Wer einsteigt, erhält eine ordentliche Renditechance, die jedoch auch mit einem entsprechenden Preisschild versehen ist.

FWW FundStars® ? FWW FundStars® ist ein proprietäres Bewertungssystem, das die Performance von Investmentfonds anhand verschiedener Kriterien bewertet. Die Bewertung reicht von 1 bis 5 Sternen, wobei 5 Sterne die beste Bewertung darstellen.
Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der Ninety One Global Natural Resources (ISIN: LU0345780950) ist ein aktiv verwalteter Aktienfonds, der in Unternehmen aus dem globalen Rohstoffuniversum investiert. Er legt nicht in Rohstoffe selbst, sondern in Aktien von Förderern, Verarbeitern, Transporteuren und rohstoffnahen Industrieunternehmen an. Das Produkt ist somit kein defensiver Baustein, sondern ein zyklischer Satellit für Anleger, die auf steigende Rohstoffpreise, knappe Kapazitäten und starke Cashflows im Sektor setzen. Die Fondsstrategie zielt auf langfristiges Kapitalwachstum ab. Dabei spielen Werttreiber wie Angebotsknappheit, Inflationsdruck und globale Wachstumsimpulse eine zentrale Rolle.
2. Markt & Umfeld
Rohstoffaktien sind einem Umfeld ausgesetzt, das selten glatt verläuft. Sie profitieren insbesondere dann, wenn das Angebot knapp bleibt, in die Infrastruktur investiert werden muss oder geopolitische Spannungen die Lieferketten belasten. Genau deshalb sind sie in Phasen attraktiv, in denen die Inflation hartnäckig bleibt oder die Weltwirtschaft trotz Gegenwind wächst.
Der Fonds nutzt diesen Markt durch eine breite Abdeckung der Sektoren Öl, Gas, Gold, Metalle und Chemie. Das macht ihn einerseits robuster als ein reiner Edelmetall- oder Energiefonds. Andererseits bleibt er klar abhängig vom Rohstoffzyklus. Wer in diesen Fonds investiert, setzt nicht auf Stabilität, sondern auf den Aufwärtstrend in einer oft unruhigen Assetklasse.
3. Anlageziel & Strategie
Das Ziel ist klar: Der Fonds will mit einem aktiven Aktienportfolio von der Wertentwicklung globaler Rohstoffunternehmen profitieren. Im Unterschied zu passiven Produkten setzt das Management auf eine selektive Titelauswahl, auf Firmen mit guter Bilanzqualität und Preisdisziplin sowie auf die Einschätzung mittelfristiger Rohstofftrends. Genau das ist der Charme dieses Fonds. Er versucht nicht, den Sektor einfach nur abzubilden, sondern innerhalb des Sektors die besseren Geschäftsmodelle zu finden – also jene Unternehmen, die mit hoher Kapitalrendite, solider Finanzierung und Preissetzungsmacht überzeugen. Das ist in einem Markt, der oft von Zyklen und Übertreibungen geprägt ist, ein vernünftiger Ansatz.
4. Portfolio & Struktur
Das Portfolio ist stark auf klassische Rohstoff-Themen konzentriert. Zu den größten Positionen zählen Chevron mit 7,30 Prozent, Exxon Mobil mit 5,90 Prozent, Barrick Mining mit 4,20 Prozent, Corteva mit 4,10 Prozent, Rio Tinto mit 3,70 Prozent, The Williams Companies mit 3,60 Prozent, Glencore mit 3,10 Prozent, TotalEnergies mit 3,00 Prozent, ConocoPhillips mit 2,80 Prozent und Valterra Platinum mit 2,80 Prozent.
Mit 25,80 Prozent dominiert die Öl- und Gasbranche, gefolgt von Goldminenaktien mit 18,80 Prozent und der Bergbauindustrie mit 17,40 Prozent. Hinzu kommen die Branchen Chemie mit 15,30 Prozent, Stahl/Eisen mit 7,10 Prozent sowie Gold/Edelmetalle mit 3,90 Prozent. Es handelt sich dabei nicht um ein zartes Diversifikationsprodukt, sondern um einen klaren Rohstoffblock mit diversen Unterthemen.
Regional ist der Fonds stark in den USA verankert, die 42,20 Prozent des Portfolios ausmachen. Es folgen Kanada mit 13,70 Prozent, Großbritannien mit 13,50 Prozent, Südafrika mit 9,00 Prozent und Frankreich mit 6,00 Prozent. Der Anteil der Kasse liegt bei 4,50 Prozent, kleinere Positionen entfallen auf Australien, Schweden, Norwegen und China.
5. Management & Fondsanbieter
Im Wesentlichen sind es 3 Namen, die den Fonds besonders interessant machen. George Cheveley ist der Kopf der Strategie und seit vielen Jahren einer der bekanntesten Rohstoffspezialisten im Haus. Er steht für den klassischen Ninety-One-Ansatz mit tiefem Sektorverständnis, konservativer Bilanzanalyse und wachem Blick für Zykluswechsel.
David Heyl ergänzt das Team mit frischem Blick und operativer Marktkenntnis. Er ist wichtig, da Rohstoffmärkte nicht nur von Fundamentaldaten, sondern auch von Timing und Sentiment beeinflusst werden. Seit August 2024 verstärkt zudem Paul Gooden das Team, wodurch die personelle Tiefe erhöht und die Kompetenz im globalen Ressourcenbereich weiter gestärkt wird.
Für Anleger ist das ein echtes Plus. Gerade in einem Segment, in dem Fehlentscheidungen schnell teuer werden, ist Erfahrung Gold wert – im Rohstofffonds sogar buchstäblich und im übertragenen Sinn. Ninety One (ehemals Investec Asset Management) liefert die nötige Plattform, Struktur und globale Research-Maschine. Der Anbieter ist ein unabhängiger, globaler Investmentmanager mit Wurzeln in Südafrika (gegründet 1991) und Hauptsitzen in London und Kapstadt.
6. Performance & Rendite
Die Zahlen sind stark – und sie sprechen eine klare Sprache. So legte der Fonds auf Sicht von 5 Jahren kumuliert um 141 Prozent zu, auf 10 Jahre sogar um 278 Prozent. Damit schlug er den Sektor deutlich, der im gleichen Zeitraum auf 83,98 Prozent beziehungsweise 193,29 Prozent kam.
Auch annualisiert überzeugt das Bild: Über 10 Jahre steht der Fonds bei 14,59 Prozent pro Jahr, der Sektor hingegen nur bei 11,36 Prozent. Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung über 3 und 5 Jahre: Mit 19,98 Prozent beziehungsweise 18,95 Prozent pro Jahr lag der Fonds jeweils klar im attraktiven zweistelligen Bereich. Das zeigt: Wer im richtigen Zyklus investiert war, wurde belohnt.
Kurzfristig war die Dynamik sogar noch kräftiger: Im laufenden Jahr liegt der Fonds bei plus 20,24 Prozent in Euro. Über ein Jahr sind es 65,07 Prozent. Solche Zahlen wirken zwar beeindruckend, sind aber zugleich eine Mahnung: Auf gute Jahre in Rohstofffonds folgen oft Ernüchterungen.
7. Risiko & Volatilität
Die Kehrseite der Rendite sind die Schwankungen. Mit einer Volatilität von 18,17 Prozent über ein Jahr, 16,81 Prozent über 3 Jahre, 18,43 Prozent über 5 Jahre und 19,66 Prozent über 10 Jahre zählt der Fonds eindeutig zu den riskanteren Anlagen. Das ist für einen Rohstofffonds zwar nicht überraschend, sollte aber nicht kleingeredet werden.
Die Sharpe-Ratio ist über längere Zeiträume ordentlich, aber nicht makellos: 2,56 auf ein Jahr ist sehr stark, 0,90 auf 3 Jahre, 0,99 auf 5 Jahre und 0,71 auf 10 Jahre sind solide bis ordentlich. Der Maximum Drawdown von 65,40 Prozent zeigt jedoch, welche Verluste Anleger hinnehmen müssen, wenn der Rohstoffzyklus kippt. Mit anderen Worten: Es handelt sich um einen Fonds für Geduldige, nicht für Nervöse.
8. Nachhaltigkeit & ESG
ESG ist bei diesem Fonds ein schwieriges Thema. Wer in Öl, Gas, Bergbau und metallische Rohstoffe investiert, landet zwangsläufig in Branchen, die bei nachhaltigen Anlegern kritisch gesehen werden. Genau deshalb ist der Fonds eher ein Instrument für Ertrags- und Zyklik-Investoren als für ESG-orientierte Kernportfolios.
Das bedeutet nicht, dass die Firmen im Portfolio automatisch schlecht geführt wären. Aber das Geschäftsmodell selbst ist naturgemäß mit Emissionen, Ressourcenverbrauch und politischen Reibungen verbunden. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, muss diesen Zielkonflikt bewusst akzeptieren — oder den Fonds konsequent aus dem Depot halten.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Die Gebührenstruktur folgt einem klaren Stufensystem: Die A Acc USD und A Inc USD schlagen mit 2,50 Prozent laufender Kosten zu Buche, die C Inc USD sogar mit 3,30 Prozent. Die institutionellen Tranchen sind deutlich günstiger. So fallen für I Acc EUR, I Acc USD und IX Inc USD 1,60 Prozent an, während die S Acc USD mit 0,70 Prozent besonders günstig ist.
Für Privatanleger ist das mehr als nur eine Fußnote. Wer in der falschen Anteilsklasse investiert, verschenkt über Jahre hinweg spürbar Rendite – und bei einem zyklischen Rohstofffonds wie diesem zählt jeder Basispunkt. So kommt die Retail-Tranche auf eine 10-Jahres-Performance von 278 Prozent, während die ebenfalls über Plattformen handelbare IX-Klasse mit 314 Prozent deutlich besser abschneidet. Gerade in einem Segment, das von den Rohstoffmärkten und nicht von stetigem Wachstum lebt, sollten Kosten nicht als Nebensache behandelt werden. Die aktive Steuerung kann einen Mehrwert schaffen, muss ihre Gebühren aber erst einmal rechtfertigen.
10. Chancen & Ausblick
Die Chancen liegen dort, wo Rohstofffonds traditionell punkten: bei anhaltender Angebotsknappheit, geopolitischen Spannungen sowie Investitionsbedarf in Energie und Infrastruktur. Viele Rohstoffunternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Kapitaldisziplin verbessert. In einem Aufschwung kann dies zu kräftigen Gewinnen und erhöhten Dividenden führen.
Besonders interessant an diesem Fonds ist die Mischung aus Energie, Gold und Minenwerten. Zwar wird dadurch das zyklische Risiko nicht reduziert, es verteilt sich jedoch auf mehrere Ertragsquellen. Sollte sich die weltweite Nachfrage weiterhin stabilisieren und das Angebot knapp bleiben, hat der Fonds gute Karten, weiter zu glänzen.
11. Fazit
Der Ninety One Global Natural Resources ist ein überzeugender Rohstofffonds für Anleger, die den Zyklus nicht fürchten, sondern bewusst spielen wollen. Die starke Entwicklung über mehrere Zeiträume, das erfahrene Management und die breite Aufstellung im Rohstoffuniversum sprechen für das Produkt.
Doch genau darin liegt auch die Warnung: Rohstofffonds sind keine Anlage für ruhige Nächte — und dieser hier schon gar nicht. Wer hier investiert, erhält einen renditestarken, aber nervösen Baustein mit klarem Risiko- und Kostenprofil. Für taktische Beimischungen ist er interessant, als Depotkern dagegen eher nicht.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.