Im Jahr 2015 startete Pictet mit dem Robotics-Fonds eine damals futuristisch anmutende Strategie, die die Themen Robotik, KI und Automatisierung in den Mittelpunkt stellte. Heute, 10 Jahre später, hat der Fonds kumuliert rund 370 Prozent Rendite erzielt und verwaltet über 9 Milliarden Euro. Trotz dieser Erfolgsbilanz muss nüchtern festgestellt werden, dass ein Nasdaq-ETF im gleichen Zeitraum sogar rund 480 Prozent erwirtschaftet hat. Eine differenzierte Analyse zwischen Megatrend-Euphorie und Renditerechnung ist deshalb notwendig.

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Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der am 7. Oktober 2015 von Pictet Asset Management (Europe) in Luxemburg aufgelegte Pictet Robotics P EUR (LU1279334210) ist ein aktiv gemanagter Aktienfonds. Mit einem Fondsvolumen von rund 9,77 Milliarden US-Dollar zählt er zu den größten europäischen Themenfonds im Robotik- und Automatisierungssegment. Die vorgestellte Tranche des Fonds ist thesaurierend, formal an den MSCI ACWI gekoppelt, agiert jedoch aktiv und unabhängig von der Benchmark.
Ziel ist es, Anlegern langfristig Zugang zu strukturellen Wachstumschancen in den Bereichen Robotik, Künstliche Intelligenz und Automatisierung zu bieten. Der Fokus liegt auf globalen Large-Cap-Growth-Werten aus den Bereichen Technologie, Industrieautomation und Software. Durch die hohe thematische Konzentration steigt das Potenzial für Outperformance, gleichzeitig erhöht sich jedoch auch die Volatilität aufgrund der Konzentration und der Innovationslastigkeit der Titel.
2. Markt & Umfeld
Schon bei der Auflage im Jahr 2015 zeigte sich, dass der demografische Wandel, sinkende Produktivität und steigende Lohnkosten die Nachfrage nach Automatisierung erhöhen würden. Heute kommen geopolitische Fragmentierung, Lieferkettenrisiken und Reshoring hinzu, welche die Automatisierung und Robotik zusätzlich beflügeln. Die rasante Entwicklung generativer KI hat Forschungszyklen erheblich verkürzt, Simulationen und Datenanalysen verbessert und bildet die Grundlage für agentenbasierte Systeme sowie physische KI.
Konzerne wie Alphabet, Microsoft, Amazon und Meta investieren hunderte Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur. Dadurch profitiert die gesamte Wertschöpfungskette – von Halbleitern über Automation bis zu Softwareanbietern. Schlüsselthemen sind und bleiben autonome Fahrzeuge, humanoide Roboter und intelligente Fabriken mit vorausschauender Wartung. Trotz der strukturellen Wachstumsdynamik ist der Robotik-Sektor kurzfristig volatil und sensibel gegenüber wirtschaftlichen Schwankungen.
3. Anlageziel & Strategie
Der Fonds zielt darauf ab, Kapitalwachstum durch Investitionen in Unternehmen zu generieren, die Robotik, Automatisierung oder KI vorantreiben. Die Strategie deckt ein breites Spektrum ab: von Industrierobotern und Fertigungsautomation über Geschäftsprozessautomatisierung bis hin zu Consumer Robotics, Agentic AI und autonomen Systemen. Das Vorgehen ist bottom-up getrieben und benchmarkunabhängig, wobei nur Firmen mit direktem Umsatzbezug zu den Kernthemen in das Portfolio aufgenommen werden. Bewertet werden Wachstumsaussichten, Margenqualität, Kapitalrendite sowie die Intensität von Forschung und Entwicklung.
ESG-Kriterien sind ein integraler Bestandteil des Investmentprozesses. Unternehmen, die Innovation mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell verbinden, werden bevorzugt. Positiv hervorzuheben ist die konsequente thematische Reinheit. Kritisch zu sehen ist hingegen die Abhängigkeit von hoch bewerteten Tech-Werten und den damit verbundenen Multiplikatorenrisiken.
4. Portfolio & Struktur
Das Portfolio umfasst in der Regel rund 40 Titel, wobei die 10 größten Positionen etwa 46 Prozent des Fonds ausmachen. Zu ihnen gehören unter anderem Salesforce, Alphabet, TSMC, ASML und Infineon Technologies. Der Fonds kombiniert etablierte Marktführer mit spezialisierten Nischen-Champions, deren Innovationsvorsprung frühzeitig erkannt wurde. Über 50 Prozent des Portfolios entfallen auf Industrieautomation, rund 30 Prozent auf IT- und Telekommunikationswerte.
Regional dominieren die USA mit einer Gewichtung von 70 Prozent, gefolgt von Deutschland, Taiwan, den Niederlanden, Japan und China. Ein Cash-Anteil von etwa 13 Prozent sorgt für Flexibilität, kann in Haussephasen jedoch Performance kosten. Die hohe Gewichtung von US-Technologietiteln bedeutet zudem, dass viele Titel auch im Nasdaq-100 vertreten sind, wodurch strukturelle Überschneidungen bestehen.
5. Management & Fondsanbieter
Peter Lingen übernahm 2016 bei Pictet Asset Management die Verantwortung für die Robotics-Strategie. Der studierte Betriebs- und Volkswirt absolvierte sowohl seinen Bachelor- als auch seinen Masterabschluss an der Universität Uppsala. Sein Investmentansatz ist klar langfristig ausgerichtet und forschungsgetrieben; kurzfristigen Marktmoden oder Momentum-Strömungen läuft er bewusst nicht hinterher. Innerhalb des Teams setzt man auf eine kollaborative Arbeitsweise, geprägt von Vertrauen, offener Diskussion und kontinuierlicher Weiterentwicklung.
Die Analyse struktureller Megatrends wird zudem durch externe Expertise ergänzt, etwa durch Einschätzungen von Professor Carl Frey vom Oxford Internet Institute, der als Vordenker zur Zukunft der Arbeit gilt. Marktschwächen – wie in den Jahren 2022 und 2023 – versteht das Management nicht als Bedrohung, sondern als Gelegenheit, Positionen in strukturellen Gewinnern gezielt auszubauen. Der Fonds versteht sich damit nicht als kurzfristiges Renditevehikel, sondern als strategischer Langfristpartner für Anleger, die an die industrielle und technologische Transformation glauben.
6. Performance & Rendite
Seit Auflegung hat der Fonds eine kumulative Wertentwicklung von rund 370 Prozent erzielt – ein eindrucksvoller Beleg dafür, welche Dynamik in den Themen Robotik, Automatisierung und Künstliche Intelligenz steckt. Besonders stark fielen die Jahre 2023 mit einem Plus von 47,7 Prozent und 2024 mit weiteren 22,8 Prozent aus. Dem gegenüber steht jedoch das Jahr 2022, in dem der Fonds im Zuge der globalen Tech-Korrektur mehr als 30 Prozent verlor. Die Schwankungsintensität ist damit Teil der Strategie – und der Preis für strukturelles Wachstum.
Im direkten Vergleich mit einem ETF auf den Nasdaq-100 relativiert sich die Bilanz allerdings. Seit Auflage des Fonds hätte ein passives Investment in den Index rund 480 Prozent Rendite erzielt und damit deutlich mehr als die aktive, thematische Lösung. Das unterstreicht eine unbequeme Wahrheit: Aktives Management kann Nischen-Champions frühzeitig identifizieren und Qualitätsunternehmen selektiv gewichten – doch höhere laufende Kosten und zwischenzeitlich höhere Volatilität wirken langfristig wie ein Renditeabschlag.
Für Anleger bedeutet das eine klare Abwägung. Wer maximale Indexrendite sucht, findet sie oft günstiger und breiter gestreut im ETF. Wer hingegen gezielt auf thematische Reinheit, strukturelle Megatrends und aktive Selektion setzt, muss bereit sein, für diese Spezialisierung einen Aufpreis zu zahlen – in Form von Gebühren und teils stärkeren Schwankungen.
7. Risiko & Volatilität
Mit einer Volatilität von rund 23 Prozent und einem maximalen Drawdown von 36 Prozent seit Auflage ist der Fonds eindeutig im offensiven Risikosegment angesiedelt. Die Konzentration auf rund 40 Einzeltitel, die deutliche US-Gewichtung sowie der klare Fokus auf wachstumsstarke Technologieunternehmen sorgen zwangsläufig für überdurchschnittliche Schwankungen. Wer hier investiert, kauft kein defensives Basisinvestment, sondern ein fokussiertes Exposure auf strukturelle Innovation – inklusive der damit verbundenen Volatilität. Der aktuell gehaltene Cash-Anteil von rund 13 Prozent wirkt dabei wie ein Stoßdämpfer in nervösen Marktphasen. Er kann Rückgänge abfedern und taktische Flexibilität schaffen, kostet allerdings in dynamischen Haussephasen Performance.
Hinzu kommen strukturelle Risikofaktoren: ambitionierte Bewertungen im Tech-Sektor, geopolitische Spannungen, etwa zwischen den USA und China, sowie mögliche Störungen globaler Lieferketten, insbesondere im Halbleiterbereich. Auf der anderen Seite steht die Qualität der Einzeltitelauswahl. Die konsequente Bottom-up-Analyse, der Fokus auf Marktführer mit hoher Innovationskraft und stabilen Margen sowie die klare thematische Ausrichtung erhöhen die strukturelle Widerstandsfähigkeit des Portfolios. Rückschläge einzelner Marktsegmente werden so eher als temporäre Korrekturen verstanden denn als fundamentale Brüche. Entscheidend bleibt jedoch: Die Resilienz zeigt sich langfristig – kurzfristig bleibt der Fonds ein Vehikel mit spürbarem Ausschlag nach oben wie nach unten.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Der Fonds ist gemäß der EU-Offenlegungsverordnung als Artikel-8-Produkt klassifiziert und berücksichtigt somit ökologische und soziale Merkmale. Unternehmen, die in kontroverse Rüstungsgüter involviert sind – darunter auch autonome Waffensysteme oder Kampfdrohnen – sind konsequent vom Investmentuniversum ausgeschlossen. ESG-Kriterien fließen systematisch in den Investmentprozess ein und sind kein nachgelagertes Filterinstrument, sondern integraler Bestandteil der Analyse.
Neben quantitativen Nachhaltigkeitskennzahlen spielen qualitative Bewertungen, Governance-Strukturen und Innovationsfähigkeit eine zentrale Rolle. Hinzu kommt eine aktive Stimmrechtsausübung sowie gezieltes Engagement mit Unternehmen, um nachhaltige Geschäftspraktiken und verantwortungsvolle Technologieentwicklung zu fördern. Die konsequente ESG-Integration schafft eine klare Abgrenzung gegenüber passiven Technologieindizes, die Nachhaltigkeitskriterien oftmals nur regelbasiert und weniger tiefgehend berücksichtigen.
Basisinformationen
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Die laufenden Kosten des Fonds summieren sich auf 1,98 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent. Im Falle einer Rückgabe ist zudem ein Exit-Entgelt von bis zu 1 Prozent möglich. Damit bewegt sich die Gesamtkostenbelastung klar im oberen Segment aktiv gemanagter Aktienfonds. Im Vergleich zu passiven ETFs, die häufig Gesamtkostenquoten von unter 0,3 Prozent aufweisen, ist dies ein deutlicher Aufpreis. Dieser Kostennachteil wirkt langfristig wie ein permanenter Renditeabzug, der erst durch signifikante und nachhaltige Outperformance kompensiert werden muss.
Genau hier liegt der Kern der Debatte: Der Fonds bietet eine aktive Titelselektion, tiefgehende Analyse und die Chance, strukturelle Gewinner frühzeitig zu identifizieren – also Unternehmen, die in einem klassischen Index womöglich nur gering gewichtet oder gar nicht enthalten sind. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit einem ETF auf den Nasdaq-100, dass hohe Gebühren die relative Performance über lange Zeiträume spürbar schmälern können. Für Anleger stellt sich daher die strategische Frage, ob sie bereit sind, für thematische Reinheit, aktives Risikomanagement und selektive Innovationsführer einen signifikanten Kostenaufschlag zu akzeptieren – in der Hoffnung, dass sich dieser über Marktzyklen hinweg auszahlt.
10. Chancen & Ausblick
Die zukünftigen Wachstumstreiber für den Fonds sind eindeutig erkennbar. Im Zentrum stehen agentenbasierte und physische Künstliche Intelligenz, autonome Fahrzeuge, humanoide Roboter sowie intelligente Fertigungssysteme, die ganze Produktionsprozesse effizienter und vernetzter machen. Zusätzlichen Rückenwind erhält die Strategie durch globale Trends wie Reshoring, also die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten, Effizienzsteigerungen in der Industrie sowie massive Investitionen in KI-Infrastruktur.
Das Portfolio eröffnet Anlegern die Chance, von frühzeitigen Identifikationen von Nischen-Champions zu profitieren, die dank technologischer Führerschaft und Innovationskraft langfristige Wettbewerbsvorteile sichern. Gleichzeitig bleibt die Bewertung vieler Positionen hoch, sodass Anleger weiterhin Kurskorrekturen einkalkulieren müssen. Makroökonomische Entwicklungen, Zinspolitik und geopolitische Spannungen können die Volatilität verstärken, was den Fonds auch künftig zu einem Anlagevehikel für langfristig orientierte und risikotolerante Investoren macht.
11. Fazit
Der Pictet Robotics ist ein thematisch stringenter Megatrend-Fonds mit hoher Qualität, klarer strategischer Ausrichtung und langfristiger Resilienz. Er bietet Anlegern gezielte Exposition gegenüber Robotik, KI und Automatisierung, unterstützt durch ein erfahrenes Managementteam. Kritisch bleiben die hohen Kosten, die Volatilität, die Konzentration auf US-Tech-Werte sowie teilweise Bewertungsrisiken. Im Vergleich zu einem Nasdaq-ETF fällt die Rendite hinter passiven Lösungen zurück, was Anleger bei der Allokation berücksichtigen müssen.
Der Fonds eignet sich als thematischer Satellit im Portfolio und mit einem Haltehorizont von mindestens 5 Jahren. Für Core-Tech-Exposure sollten ETFs ergänzend genutzt werden. Megatrends liefern zwar Potenzial, garantieren jedoch keine Überrendite.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.