Der Aktienfonds Proud@Work verfolgt ein ungewöhnliches Konzept: Er investiert in Unternehmen, deren Mitarbeiter stolz auf ihre Arbeit sind. Mithilfe von Great Place to Work® identifiziert das Fondsmanagement Firmen mit einer besonders starken Unternehmenskultur. Dieser Ansatz verbindet Rendite mit sozialem ESG-Investing und hebt sich damit klar von klassischen Nachhaltigkeitsfonds ab.

FWW FundStars® ? FWW FundStars® ist ein proprietäres Bewertungssystem, das die Performance von Investmentfonds anhand verschiedener Kriterien bewertet. Die Bewertung reicht von 1 bis 5 Sternen, wobei 5 Sterne die beste Bewertung darstellen.
Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der Proud@Work-Aktienfonds (ISIN: DE000A2JF9B6) investiert in nationale und internationale Aktien von Unternehmen mit einer herausragenden Arbeitsplatzkultur. Zentrales Auswahlkriterium ist die Zertifizierung durch Great Place to Work®-, die auf anonymen Mitarbeiterbefragungen, Kultur-Audits und strukturierten Interviews basiert. Damit integriert der Fonds einen Faktor, der an den Kapitalmärkten lange unterschätzt wurde: die Motivation und Bindung von Arbeitskräften.
Mit einem Fondsvolumen von rund 32 Millionen Euro ist Proud@Work zwar ein Nischenprodukt, trifft aber auf wachsende Nachfrage. Soziale Nachhaltigkeit gewinnt im ESG-Diskurs (Environmental, Social, Governance) zunehmend an Bedeutung. Proud@Work macht diese Dimension investierbar und ergänzt die klassische Finanzanalyse um einen menschlich orientierten Investmentfaktor. Historische Analysen zeigen, dass Unternehmen mit hoher Mitarbeiterzufriedenheit über lange Zeiträume stabilere Gewinne erzielen und weniger krisenanfällig sind.
2. Markt & Umfeld
Die globale Investmentwelt verschiebt sich zunehmend in Richtung ESG-Investing. Während der Umweltfaktor (E) stark im Fokus steht – etwa in Form von CO2-Bilanzierung, grüner Energie oder Klimarisiken –, rückt der soziale Faktor (S) häufig in den Hintergrund. Proud@Work hingegen stellt genau diesen S-Faktor in den Mittelpunkt. Studien aus den USA, Europa und Asien belegen: Unternehmen mit engagierten Beschäftigten übertreffen ihre Wettbewerber langfristig oft in Umsatzwachstum, Profitabilität und Aktienkursentwicklung.
Eine Meta-Analyse der Harvard Business School zeigt, dass Unternehmen mit einer stark ausgeprägten Unternehmenskultur über einen Zeitraum von 10 Jahren eine um bis zu 2,5 Prozentpunkte höhere Eigenkapitalrendite aufweisen. Weitere Untersuchungen von Gallup und Great Place to Work® bestätigen dies. Engagement steigert Innovation, senkt Fluktuation, verbessert die Kundenbindung und fördert die langfristige Wettbewerbsstärke. Für Investoren, die ESG ernsthaft berücksichtigen, eröffnet sich damit eine bisher wenig genutzte Investmentchance.
3. Anlageziel & Strategie
Das Ziel des Proud@Work-Aktienfonds ist ein nachhaltiger Wertzuwachs, der nicht nur auf Zahlen, sondern auch auf gelebter Unternehmenskultur basiert. Investiert wird in finanziell stabile Firmen, die eine Arbeitswelt bieten, auf die Mitarbeiter stolz sein können. Mindestens 51 Prozent des Portfolios entfallen auf Great Place to Work®-zertifizierte Unternehmen. Darüber hinaus finden auch andere Firmen Aufnahme, wenn ihre Mitarbeiterzufriedenheit messbar überdurchschnittlich ist.
Das Fondsmanagement arbeitet aktiv nach einem Bottom-up-Ansatz mit langfristigem Horizont und orientiert sich dabei an 3 tragenden Säulen: Die Unternehmenskultur dient als Frühindikator für wirtschaftlichen Erfolg. Solide Fundamentaldaten wie Cashflow, Bilanzstärke und Marktposition sichern die ökonomische Basis. Strenge ESG-Kriterien sorgen dafür, dass kontroverse Branchen wie fossile Energien, Rüstung oder Unternehmen, die Kinderarbeit zulassen, konsequent außen vor bleiben.
4. Portfolio & Struktur
Das Portfolio ist international diversifiziert und konzentriert sich auf entwickelte Märkte in Nordamerika, Europa und Asien. Die Branchenschwerpunkte liegen auf Sektoren, die sich stark über Human Capital differenzieren. Technologie, Industrie, Konsum und Finanzdienstleistungen. Aktuelle Positionen sind beispielsweise Goldman Sachs, Oracle, Nvidia oder Agnico Eagle Mines.
Die Portfoliostruktur ist relativ gleichgewichtet, wodurch Klumpenrisiken reduziert werden. Anleihen oder alternative Investments spielen keine Rolle. Derivate werden ausschließlich zur Absicherung genutzt. Dies zeigt, dass die Unternehmenskultur ein Querschnittsthema mit globaler Relevanz ist, das nicht auf einzelne Branchen beschränkt ist. Historische Analysen bestätigen, dass kulturell starke Unternehmen in unterschiedlichsten Industrien stabilere Erträge erzielen.
5. Management & Fondsanbieter
Die Verwaltung des Fonds obliegt Lars Dollmann, CFA bei Aramea Asset Management. Aramea ist ein Hamburger Spezialanbieter für nachhaltige und thematische Investments. Dollmann verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung im internationalen Aktienmanagement und gilt als ausgewiesener ESG-Spezialist. Der Investmentprozess kombiniert quantitative Screening-Verfahren mit qualitativer Unternehmensanalyse.
Die Kooperation mit Great Place to Work® liefert einen unabhängigen, externen Filter, der das Investmentkonzept differenziert und objektiviert. Durch die Verbindung von Bottom-up-Analyse, Kulturbewertung und ESG-Filter entsteht ein Portfolio, das wissenschaftlich fundiert, nachhaltig und gleichzeitig renditeorientiert ist.
6. Performance & Rendite
In den zurückliegenden 5 Jahren legte der Fonds im Durchschnitt jährlich um rund 13,2 Prozent zu. Damit bleibt er zwar knapp hinter dem MSCI World mit 14,2 Prozent zurück, schlägt aber den Durchschnitt vergleichbarer globaler Fonds deutlich. Auf kürzere Sicht wird das Bild noch erfreulicher: In den vergangenen 3 Jahren legte der Fonds im Durchschnitt um 16,5 Prozent pro Jahr zu und damit deutlich mehr als der Weltindex mit 12,6 Prozent. Auch im Jahr 2025 zeigt sich der Fonds robust: Die Jahresrendite schwankte bislang zwischen 6,5 und 10 Prozent.
Die dahinterstehende Strategie überzeugt: Wer auf soziale ESG-Faktoren setzt und diese mit einer klassischen Fundamentalanalyse kombiniert, investiert nicht nur ethisch, sondern auch wirtschaftlich clever. Historische Simulationen untermauern, dass Unternehmen mit starker Unternehmenskultur in Krisenzeiten stabiler bleiben – sie fallen weniger stark zurück, wenn die Märkte unter Druck geraten. Kurz gesagt verbindet dieser Fonds Wertebewusstsein mit Resilienz und Renditechancen, ohne dabei den Realismus aus den Augen zu verlieren.
7. Risiko & Volatilität
Die Volatilität des Fonds liegt bei rund 15 Prozent im Fünfjahreszeitraum, das Beta bei 0,84. Somit schwankt der Fonds etwas weniger als der Gesamtmarkt. Risiken ergeben sich aus der thematischen Fokussierung: Zwar ist Kultur als Investmentfaktor wissenschaftlich belegt, am Markt ist dieses Konzept jedoch noch relativ neu. Es sind branchenpezifische Klumpenrisiken möglich, insbesondere in den Bereichen Technologie und Konsum. Zudem können kurzfristige Abweichungen vom Gesamtmarkt auftreten. Die strukturierte Portfolioplanung, gleichgewichtete Positionen und eine Diversifikation über verschiedene Regionen tragen jedoch zur Risikominimierung bei.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
8. Nachhaltigkeit & ESG
Der Proud@Work erfüllt die Anforderungen von Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung. Zu den Ausschlusskriterien zählen fossile Brennstoffe, Rüstung, Kinderarbeit und gravierende Umweltverstöße. Der Fokus liegt auf dem S-Faktor, während die E- und G-Kriterien ergänzend berücksichtigt werden. Externe Siegel, wie das FNG-Siegel, bestätigen die Qualität. Die Kombination aus objektiver Kulturprüfung, ESG-Filter und Finanzanalyse ergibt ein Portfolio, das sowohl soziale Wirkung als auch nachhaltige Rendite anstrebt.
9. Kosten & Gebühren
Die Gesamtkostenquote (TER) beträgt je nach Anteilsklasse zwischen 1,1 und 1,6 Prozent. Hinzu kommen ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent sowie mögliche Depot- und Transaktionskosten. Damit liegt der Fonds im oberen Mittelfeld thematischer ESG-Produkte. Angesichts des aufwendigen Research-Prozesses mit Great-Place-to-Work®-Zertifizierungen, Kultur-Audits und kombinierten Fundamentalanalysen sind die Gebühren nachvollziehbar. Für Anleger bedeutet das: Die Kosten sind zwar höher als bei Standard-ESG-ETFs, spiegeln aber die Differenzierung und Spezialisierung wider.
10. Chancen & Ausblick
Der Fonds profitiert langfristig von der zunehmenden Relevanz sozialer Faktoren in der Kapitalanlage. ESG-Investoren, die neben Umwelt- und Governance-Kriterien auch den Sozialfaktor berücksichtigen, finden hier einen klaren Zugang. Chancen bestehen in der Differenzierung gegenüber klassischen ESG-Produkten. Risiken ergeben sich einerseits aus der Fondsgröße und andererseits aus der begrenzten historischen Datenbasis, wobei zu bedenken ist, dass Kultur als Investmentfaktor am Markt noch jung ist.
11. Fazit
Der Proud@Work Aktienfonds bietet eine neuartige, wissenschaftlich fundierte Möglichkeit, in soziale Nachhaltigkeit zu investieren. Die Verbindung von Unternehmenskultur, ESG-Kriterien und Rendite unterscheidet ihn deutlich von klassischen Fonds. Performance, Kosten und Risiko sind ausgewogen. Für Investoren, die den Sozialfaktor ernsthaft berücksichtigen möchten, ist der Fonds ein spannendes Spezialprodukt. In breit diversifizierten Portfolios eignet er sich als gezielte Beimischung für Anleger, die neben Rendite auch eine Wirkung erzielen möchten.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.