Der RB LuxTopic Flex ist kein klassischer Mischfonds, sondern ein globaler Aktienfonds mit eingebautem „Airbag”. Das Team um Robert und Jonas Beer beweist seit über 20 Jahren , dass sich Qualitätsaktien und stringentes Options-Risikomanagement kombinieren lassen – mit einer Rendite von rund 7 Prozent pro Jahr seit Auflage und spürbar gedämpften Einbrüchen in Crashphasen. Der Preis sind jedoch hohe laufende Kosten sowie Opportunitätskosten in Bullenmärkten und Phasen, in denen die Absicherung „zuschaut“, wenn die Kurse nur langsam bröckeln.

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Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der RB LuxTopic – Flex A (ISIN LU0191701282) ist ein global investierender, flexibel gesteuerter Aktienfonds mit einer dauerhaft vorgesehenen Mindestaktienquote von 51 Prozent. Neben der klassischen A-Tranche existiert mit der Anteilklasse LU2185964876 eine ausschüttende B-Tranche, die sich primär an institutionelle Investoren richtet. Aufgelegt wurde der Fonds am 9. Juni 2004, das verwaltete Vermögen liegt aktuell bei rund 185 Millionen Euro. In der Fondsstatistik von FWW wird er der Kategorie „Mischfonds dynamisch Welt“ zugeordnet – auch wenn sein Charakter deutlich aktienlastiger ist.
Kern des Investmentansatzes ist die sogenannte FSR-Methode: fundamental, systematisch und risikoadjustiert. Hochwertige internationale Blue Chips bilden das Renditefundament. Ergänzend kommt ein konsequent eingesetztes Options-Overlay zum Einsatz, das als Airbag fungiert und größere Markteinbrüche abfedern soll. Ziel ist keine maximale Partizipation an jeder Hausse, sondern eine möglichst gleichmäßige, risikooptimierte Entwicklung über den gesamten Aktienzyklus hinweg.
2. Markt & Umfeld
Die Kapitalmärkte stehen unter Dauerstrom. Geopolitische Konflikte, rekordhohe Staatsverschuldung und eine teils erratische Handelspolitik bilden ein fragiles Umfeld. Politische Richtungswechsel – wie sie unter Donald Trump zu beobachten waren – wirken dabei wie zusätzliche Volatilitätsbeschleuniger.
Gleichzeitig zeigen sich viele globale Marktführer erstaunlich robust. Dank Preissetzungsmacht, globaler Diversifikation und stabiler Cashflows behaupten sie sich selbst in unsicheren Zeiten. Für Anleger entsteht daraus ein klassisches Dilemma: Strukturell attraktive Renditechancen auf der einen Seite, jederzeit mögliche scharfe Rückschläge auf der anderen. Genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich der RB LuxTopic – Flex. Durch sein systematisches Options-Overlay soll er insbesondere bei abrupten Schockereignissen – wie im Crashjahr 2020 – Stabilität liefern, ohne die langfristige Partizipation am Aktienmarkt grundsätzlich aufzugeben.
3. Anlageziel & Strategie
Das Anlageziel besteht darin, von der Entwicklung großer, international tätiger Qualitätsunternehmen zu profitieren und gleichzeitig die maximalen Verluste deutlich zu reduzieren. Langfristig wird eine risikoadjustierte Rendite von etwa 7 Prozent pro Jahr angestrebt, ein Wert, der seit Auflage weitgehend erreicht wurde.
Bei der Fundamentalanalyse stehen Unternehmen mit starken Marken, stabilen Margen, soliden Bilanzen und nachhaltiger Ertragskraft im Fokus. Zentrale Kriterien sind Dividendenstärke und strukturelles Wachstum. Die systematische Komponente sorgt für Disziplin. Ein algorithmischer Momentum-Ansatz gewichtet trendstarke Aktien höher und reduziert konsequent Engagements in relativen Schwächephasen. Emotionen spielen dabei keine Rolle: Weder Euphorie noch Panik bestimmen die Allokation.
Der risikoadjustierte Teil des Konzepts ist das permanente Options-Overlay. Über Put-Optionen auf breite Indizes wie den Euro Stoxx 50 oder den S&P 500 wird ein Teil des Marktrisikos abgesichert. Der Fonds zahlt kontinuierlich eine Versicherungsprämie in der Hoffnung, sie im Ernstfall mehrfach zurückzuerhalten.
4. Portfolio & Struktur
Das Portfolio besteht typischerweise aus 80 bis 100 Werten, die tendenziell gleichgewichtet sind. Diese werden monatlich überprüft und rebalanciert. Die größten Einzeltitel spiegeln den Fokus auf internationale Blue Chips wider: Zu ihnen gehören unter anderem Siemens Energy, SK Hynix, Alphabet, Unicredit, Banco Santander, ASML, BBVA, Heidelberg Materials, Arista Networks und Advantest. Die Länder- und Sektorstruktur setzt sich wie folgt zusammen: USA rund 23 bis 28 Prozent, Deutschland knapp 18 Prozent, Japan etwa 12 Prozent, Spanien rund 8 Prozent, gefolgt von den Niederlanden, Italien, China, Südkorea und Frankreich. In Bezug auf die Sektoren dominieren Technologie (rund 35 Prozent) und Finanzwerte (gut 23 Prozent), ergänzt durch Bau & Materialien, Industrie, Energie, Versorger und weitere zyklische Branchen. Anleihen spielen, anders als bei klassischen Mischfonds, nur eine Nebenrolle.
5. Management & Umsetzung
Hinter dem Fonds steht die Oberpfälzer Boutique Robert Beer Investment mit Sitz in Parkstein. Administrativ ist sie in die Luxemburger Fondshülle mit DJE Investment SA als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) eingebettet. Gründer Robert Beer bringt rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung mit und hat den zugrunde liegenden Algorithmus nach der Dotcom- und Bärenmarktphase selbst entwickelt. Operativ agiert heute ein Generationen-Tandem: Robert Beer und sein Sohn Jonas managen die Fonds gemeinsam; Jonas fungiert als Head of Research. Unterstützt werden sie von Peter Lukas, der für die Softwareentwicklung sowie die Options- und Aktienanalyse zuständig ist. „Skin in the game” ist gegeben, denn der Gründer ist selbst substantiell investiert, wodurch sich seine Interessen mit denen der Anleger decken.
6. Performance & Rendite
Der Langfrist-Track Record kann sich sehen lassen: Seit Auflage stehen annualisiert etwa 7,0 Prozent pro Jahr zu Buche, über 10 Jahre gut 10 Prozent pro Jahr und über 20 Jahre knapp 6,9 Prozent. In der jüngeren Vergangenheit legte der Fonds innerhalb von 5 Jahren um 47 Prozent und innerhalb von 10 Jahren um 170 Prozent zu, je nach Stichtag und Datenquelle.
Bemerkenswert ist auch die Krisenbilanz: Im Corona-Crash verlor der Fonds maximal 7 Prozent und schloss 2020 dennoch mit rund 40 Prozent Plus – ein außergewöhnliches Profil für einen Aktienfonds mit einer Mindestaktienquote von über 50 Prozent. Selbst nach einem schwachen Jahr 2022 mit etwa minus 13 bis 14 Prozent konnte der Fonds in den Folgejahren kräftig aufholen und zuletzt jährliche Zuwächse jenseits von 20 Prozent erzielen.
7. Risiko & Volatilität
Auf Sicht mehrerer Jahre liegt die Volatilität im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Damit schwankt der Fonds deutlich weniger als klassische, ungesicherte Aktienprodukte, bleibt jedoch klar volatiler als defensive Mischfonds mit hohem Anleiheanteil. Der maximale Verlust der vergangenen 10 Jahre bewegte sich bei rund minus 15 bis 17 Prozent. Entscheidend ist jedoch nicht nur die Höhe, sondern die Art des Abschwungs. Bei abrupten Schockereignissen wie im Corona-Crash oder bei Flash-Crashs entfaltet das Options-Overlay seine Schutzwirkung und begrenzt die Verluste sichtbar.
Deutlich anspruchsvoller sind lang anhaltende, schrittweise Abwärtstrends. In solchen „Salami-Korrekturen“ greift die Absicherung weniger effizient, während die laufenden Optionsprämien weiter anfallen und die Rendite zusätzlich dämpfen. Zudem bleibt das inhärente Aktienrisiko bestehen. Die klare Gewichtung zyklischer Sektoren wie Technologie und Finanzwerte kann die Schwankungen in bestimmten Marktphasen erhöhen – in beide Richtungen. Der Airbag mindert Extremrisiken, schafft aber keine risikofreie Anlagewelt.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Der Fonds integriert ESG-Faktoren in den Investmentprozess, tritt jedoch nicht als reiner Nachhaltigkeitsfonds auf. Neben Markt- und Renditeerwartungen orientiert sich die aktive Gewichtung der Anlagen explizit an ESG-Kriterien. So werden besonders kritische Geschäftsmodelle ausgeschlossen und qualitativ gut geführte Unternehmen bevorzugt. Formal dürfte der Fonds nach SFDR eher in Richtung Artikel 8 tendieren (Förderung ökologischer und sozialer Merkmale), ohne strenge Impact-Ziele zu verfolgen. Anleger sollten jedoch das jeweils aktuelle Factsheet und das SFDR-Dokument prüfen. Nachhaltigkeit ist somit ein ergänzender Filter und kein zentraler Performance-Treiber.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Die laufenden Kosten summieren sich auf rund 2,0 Prozent pro Jahr. Hinzu kommen Transaktionskosten von etwa 0,9 Prozent, sodass die Gesamtkostenquote in Richtung 3 Prozent gehen kann. Zusätzlich fällt ein regulärer Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent an, wobei viele Vertriebsplattformen hier deutliche Rabatte gewähren.
Damit bewegt sich der Fonds klar im oberen Kostensegment. Investoren finanzieren zum einen einen aktiven, regelbasierten Selektionsprozess, zum anderen ein dauerhaft implementiertes Options-Overlay, das selbst kontinuierlich Prämien kostet. Ob dieser Preis gerechtfertigt ist, hängt maßgeblich von der individuellen Risikotoleranz und der Bereitschaft ab, für systematischen Crashschutz laufend Rendite einzutauschen.
10. Chancen & Ausblick
Der Fokus auf globale Qualitätsführer legt das Fundament für nachhaltig attraktive Renditen. Unternehmen mit starker Marktstellung, robuster Bilanz und ausgeprägter Preissetzungsmacht sind strukturell widerstandsfähiger und kommen erfahrungsgemäß besser durch konjunkturelle Dellen.
Ergänzt wird dieser Qualitätsansatz durch ein systematisches Momentum-Modell: Kapital wird konsequent in Titel mit relativer Stärke gelenkt, während schwächere Positionen diszipliniert zurückgefahren werden. Das permanente Options-Overlay fungiert dabei als zusätzlicher Schutzmechanismus und kann gerade in Phasen geopolitischer Spannungen, politischer Kurswechsel oder hoher Verschuldung einen spürbaren Mehrwert liefern.
Seine besondere Stärke zeigt das Konzept in volatilen Seitwärtsmärkten mit wiederkehrenden Schocks. Plötzliche Rücksetzer werden durch das Airbag-System sichtbar abgefedert, sodass Anleger an Aktienrenditen partizipieren können, ohne Extremverluste voll auszuhalten. In einer langjährigen, nahezu störungsfreien Hausse hingegen wirken die kontinuierlichen Sicherungskosten wie eine strukturelle Renditebremse. Der Fonds reduziert gezielt Extremrisiken – akzeptiert dafür aber in ruhigen Marktphasen eine geringere Dynamik.
11. Fazit
Der RB LuxTopic – Flex ist kein Produkt für jedermann, sondern richtet sich gezielt an Anleger, die an Aktienrenditen partizipieren möchten, ohne dabei nachts um den Schlaf zu fürchten. Die Kombination aus globalen Qualitätsaktien, systematischem Momentum-Ansatz und dauerhaftem Put-Overlay hat über 2 Jahrzehnte ein solides Rendite-Risiko-Profil geliefert: annualisiert rund 7 Prozent bei deutlich begrenzten Drawdowns.
Zu den Einschränkungen zählen die vergleichsweise hohen laufenden Kosten, die natürliche Bremse durch das Absicherungsinstrument sowie die eingeschränkte Effektivität bei schleichenden, trendartigen Abwärtsbewegungen. Vor diesem Hintergrund eignet sich der Fonds vor allem als Kern- oder Satellitenbaustein für risiko- und sicherheitsbewusste Langfristanleger, die bereits über ein diversifiziertes Basisportfolio verfügen und gezielt einen aktiv gemanagten „Airbag-Fonds“ beimischen möchten. Für Trader oder Investoren, die in erster Linie auf maximale Outperformance in Haussephasen setzen, ist der Fonds weniger geeignet.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.