Der WM Aktien Global UI positioniert sich als Kontrapunkt zur Welt der ETFs. Während Milliarden in passive Indizes fließen, setzt dieser Fonds auf ein strikt regelbasiertes, quantitatives Stockpicking. Das Anlagekonzept wurde von Mayr Investment Managers entwickelt. Administriert wird der Fonds von Universal-Investment. Das Ergebnis ist eine deutliche Outperformance gegenüber globalen Aktienindizes über lange Zeiträume. Allerdings ist diese mit hoher Volatilität, extremen Drawdowns und einer ambitionierten Kostenstruktur erkauft. Kurz gesagt ist der Fonds eine Option für Anleger, die an systematisches Alpha glauben und Gebühren nicht scheuen.

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Das Wichtigste in Kürze
1. Profil & Überblick
Der WM Aktien Global UI (WKN: 979075) ist ein global ausgerichteter Aktienfonds mit Domizil Deutschland und OGAW-Struktur (englisch UCITS). Seit seiner Auflage im Jahr 1999 verfolgt die Strategie einen strikt quantitativen Investmentansatz, bei dem die Titelauswahl nicht auf Bauchgefühl, sondern auf klar definierten, regelbasierten Selektionsmechanismen basiert. Als Anlageberater fungiert die Münchner Investmentboutique Mayr Investment Managers, die sich seit den späten 1990er-Jahren konsequent auf systematische Aktienstrategien spezialisiert hat.
Das verwaltete Vermögen liegt derzeit bei rund 50 Millionen Euro – eine Größenordnung, die eher für einen fokussierten Boutique-Fonds als für ein breit vertriebenes Massenprodukt typisch ist. Das Anlageziel ist eindeutig formuliert: Der Fonds strebt einen möglichst hohen langfristigen Kapitalzuwachs im Vergleich zum globalen Aktienmarkt an. Zwar dient ein internationaler Index wie der MSCI ACWI als grobe Orientierung, doch eine enge Anlehnung an dessen Struktur ist ausdrücklich nicht vorgesehen. Abweichungen in Ländergewichtung, Sektorallokation und Unternehmensgröße sind vielmehr integraler Bestandteil der Strategie – und Voraussetzung dafür, überhaupt die Chance auf echte Outperformance zu haben.
2. Markt & Umfeld
Die Strategie operiert in einer Investmentwelt, die zunehmend von passiven Indexfonds dominiert wird. ETFs auf globale Indizes wie den MSCI World oder den MSCI ACWI sind heute der Maßstab für globale Aktieninvestments. Genau hier setzt der Ansatz von Mayr an. Statt den Markt passiv abzubilden, soll das Modell systematisch Chancen identifizieren, die der Markt übersieht oder falsch bewertet. Besonders im Fokus stehen kleinere Unternehmen, die über weniger Analystenabdeckung verfügen und daher häufiger Fehlbewertungen aufweisen.
Allerdings hat diese Positionierung auch ihre Schattenseite. Nebenwerte reagieren empfindlicher auf Liquiditätsengpässe, Zinsanstiege und eine allgemeine Risikoaversion. In Stressphasen – etwa während der globalen Finanzkrise oder der Pandemie – kam es daher zu teils sehr starken Kursrückgängen. Geduldige Investoren wurden zwar langfristig belohnt, mussten aber zwischenzeitlich erhebliche Schwankungen aushalten.
3. Anlageziel & Strategie
Der Fonds verfolgt eine strikt quantitative Investmentstrategie. Entscheidungen werden nicht auf Basis subjektiver Einschätzungen, sondern auf Grundlage festgelegter Regeln getroffen. Diese Regeln wurden aus historischen Daten und umfangreichen Backtests entwickelt. Herzstück ist ein wachstumsorientiertes Stockpicking-Modell. Dabei analysiert das System unter anderem Kursdynamik, Gewinnentwicklung und Bewertungskennzahlen, um jene Unternehmen zu identifizieren, deren Wachstumspotenzial vom Markt möglicherweise unterschätzt wird. Gleichzeitig versucht das Modell, überlaufene Anlegerlieblinge zu ignorieren.
Seit 2012 wurde die Strategie um eine zusätzliche Komponente erweitert. Eine passive Indexkomponente, die sich am MSCI World orientiert, dient vor allem als Sicherheitsnetz für außergewöhnliche Marktphasen. Noch wichtiger ist jedoch ein zweites, defensiveres Teilportfolio, das seit 2020 integriert wurde. Es investiert in Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen und geringerer Zyklizität. Die Gewichtung zwischen dem offensiven Wachstumsportfolio und dem defensiveren Segment wird laufend angepasst, je nachdem wie das quantitative Modell das aktuelle Marktumfeld bewertet.
4. Portfolio & Struktur
Ein Blick in das Portfolio offenbart sofort die besondere DNA des Fonds. Auffällig ist zunächst der ungewöhnlich hohe Cash-Anteil von rund 14 Prozent. Diese Liquiditätsreserve dient als Puffer in volatilen Marktphasen und gibt dem Management die Flexibilität, neue Chancen schnell zu nutzen. Die größten Positionen bestehen überwiegend aus kleineren und mittleren Unternehmen, darunter Carlit Holdings, Wasion Holdings, Nippon Dry‑Chemical, Metals X und AT&S.
Die regionale Verteilung ist für einen globalen Aktienfonds ungewöhnlich. Japan ist mit rund 20 Prozent der größte Länderblock. Dahinter folgen die USA, China, Südkorea, Kanada, Brasilien und mehrere europäische Märkte. Auf Sektorebene dominieren Industrieunternehmen mit einem Anteil von gut 20 Prozent. Ergänzt wird das Portfolio durch Engagements in den Bereichen Grundstoffe, Informationstechnologie, Basiskonsumgüter, Versorger und Gesundheitswerte. Insgesamt umfasst das Portfolio rund 40 Einzeltitel und ist damit breit genug für eine ausreichende Diversifikation, aber auch konzentriert genug, um spürbare Einflüsse einzelner Positionen zu ermöglichen.
5. Management & Fondsanbieter
Hinter der Strategie steht Wolfgang Mayr, der Mayr Investment Managers im Jahr 1997 gegründet hat und das Haus seither als Geschäftsführer prägt. Der Fondsansatz trägt unverkennbar seine Handschrift: Mayr entwickelte die quantitativen Modelle maßgeblich selbst und formte daraus eine Investmentphilosophie, die konsequent auf regelbasierte Aktienstrategien setzt. Die Boutique hat sich über Jahrzehnte auf genau dieses Feld spezialisiert und verbindet klassische Fundamentalanalyse mit systematischer Kapitalmarktforschung.
Im operativen Portfoliomanagement wird Mayr von einem kleinen, eingespielten Team unterstützt. Eine zentrale Rolle spielt Lukas Kretschmer, der bereits seit 2008 an Bord ist und damit zu den langjährigsten Wegbegleitern der Strategie gehört. Ergänzt wird das Team durch Maximilian Klein, der für die Weiterentwicklung und Pflege der quantitativen Modelle verantwortlich zeichnet.
Dieses Setup verbindet langjährige Kapitalmarkterfahrung mit datengetriebener Analyse – ein Ansatz, der dem Fonds über viele Jahre hinweg eine klare Handschrift gegeben hat. Gleichzeitig bringt ein solches Boutique-Modell auch typische Risiken mit sich: Die Strategie ist stark von wenigen Schlüsselpersonen abhängig, sodass personelle Veränderungen potenziell größere Auswirkungen auf den Investmentprozess haben könnten.
6. Performance & Rendite
Der WM Aktien Global UI zählt historisch zu den erfolgreicheren globalen Aktienstrategien im aktiven Fondsuniversum. Über zahlreiche Marktphasen hinweg gelang es dem Fonds, sowohl Vergleichsindizes als auch viele Wettbewerber zu übertreffen – eine bemerkenswerte Leistung in einer Zeit, in der die meisten aktiven Manager Mühe haben, mit passiven Benchmarks Schritt zu halten.
Die Zahlen untermauern diesen Befund. In den vergangenen 3 Jahren summiert sich die Wertentwicklung auf rund 69 Prozent, über 5 Jahre auf etwa 120 Prozent und über 10 Jahre auf rund 145 Prozent. Seit Auflage im Dezember 1999 kommt die Strategie sogar auf ein Plus von rund 385 Prozent. Der Vergleichssektor brachte im gleichen Zeitraum lediglich etwa 202 Prozent hervor. Damit liegt der Fonds klar vor vielen globalen Aktienindizes, was darauf hindeutet, dass der quantitative Ansatz tatsächlich über lange Zeiträume hinweg einen Mehrwert generieren konnte.
7. Risiko & Volatilität
Auch auf der Risikoseite liefert der Fonds auf mittlere Sicht durchaus überzeugende Kennzahlen. Die Sharpe-Ratio, also das Verhältnis von erzielter Rendite zum eingegangenen Risiko, liegt auf Jahressicht bei rund 2,17, über 3 Jahre bei 1,87 und über 5 Jahre bei 1,27. Diese Werte deuten darauf hin, dass der Fonds sein Risikobudget in den vergangenen Jahren vergleichsweise effizient eingesetzt hat und die erzielten Mehrerträge nicht allein durch höhere Risiken erkauft wurden.
Über sehr lange Zeiträume relativiert sich dieses Bild allerdings etwas. So sinkt die Sharpe Ratio auf Sicht von 10 Jahren auf rund 0,62, was zeigt, dass die Überrendite nicht gleichmäßig über alle Marktzyklen hinweg entsteht. Anleger müssen daher damit rechnen, dass Phasen mit überdurchschnittlicher Performance immer wieder von Perioden mit schwächerer risikoadjustierter Entwicklung abgelöst werden. Genau darin liegt letztlich die eigentliche Bewährungsprobe eines solchen Ansatzes: Geduld.
Ein Blick auf die Risikodaten macht zudem deutlich, dass die erzielten Mehrerträge nicht ohne Preis waren. Die Volatilität bewegt sich – je nach Betrachtungszeitraum – zwischen etwa 10 und knapp 16 Prozent und liegt damit leicht über dem Niveau klassischer ETFs auf den MSCI World. Noch aussagekräftiger ist der maximale historische Verlust: Der Maximum Drawdown lag zeitweise bei über 60 Prozent. In ausgeprägten Krisenphasen mussten Anleger also erhebliche Rückschläge verkraften.
Diese Schwankungen sind kein Zufall, sondern ein struktureller Bestandteil der Strategie. Durch die Kombination aus Nebenwerten, Engagements in Schwellenländern und einem aktiv gesteuerten Zwei-Portfolio-Modell erhöhen sich sowohl die Chancen als auch die Risiken. Hinzu kommt ein typisches Modellrisiko quantitativer Strategien. Verändern sich Marktregime, Liquiditätsbedingungen oder Bewertungsmuster grundlegend, können regelbasierte Ansätze zeitweise an Wirkung verlieren. Anleger müssen deshalb akzeptieren, dass selbst ein langfristig erfolgreicher quantitativer Ansatz nicht in jedem Marktumfeld gleich gut funktioniert.
8. Nachhaltigkeit & ESG
Nachhaltigkeitsaspekte spielen im Fonds eine zunehmende Rolle, ohne jedoch das zentrale Investmentkriterium zu sein. Seit 2020 werden ESG-Faktoren (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) in die Analyse integriert, unter anderem über Ausschlusslisten und zusätzliche qualitative Filter.
Der Fonds versteht sich allerdings nicht als explizite Nachhaltigkeitsstrategie. ESG-Kriterien werden eher ergänzend berücksichtigt, während das quantitative Bewertungsmodell weiterhin den Kern der Titelauswahl bildet.
Für Anleger mit starkem Fokus auf Impact-Investing oder strengen ESG-Standards dürfte die Strategie daher weniger geeignet sein. Für klassische Aktieninvestoren bleibt sie jedoch flexibel genug, um auch Chancen in weniger stark regulierten Marktsegmenten zu nutzen.
Basisinformationen
Top Holdings
Risikokennzahlen
Risiko-Rendite-Chart
9. Kosten & Gebühren
Die Kostenstruktur gehört zu den ambitioniertesten im globalen Aktienfondssegment. Der Ausgabeaufschlag kann bis zu 5 Prozent betragen. Hinzu kommen laufende Kosten von rund 2,5 Prozent pro Jahr sowie zusätzliche Portfoliotransaktionskosten von etwa 2 Prozent. In Summe kann die effektive Kostenbelastung somit in einzelnen Jahren auf rund 4,5 bis über 5 Prozent steigen.
Zusätzlich wird eine Performance-Fee erhoben. Sie beträgt 15 Prozent der Outperformance gegenüber der Benchmark und beinhaltet einen unbegrenzten Vortrag von Underperformance. Das schafft zwar einen starken Anreiz für das Management, langfristig Mehrwert zu generieren. Gleichzeitig bedeutet es, dass ein erheblicher Teil der Überrendite in guten Jahren an den Fondsanbieter fließen kann – ein klarer Unterschied zu kostengünstigen Indexfonds.
10. Chancen & Ausblick
Die größte Stärke des Fonds liegt im bewährten quantitativen Ansatz. Über mehr als 2 Jahrzehnte hat das Modell in unterschiedlichen Marktphasen wiederholt Mehrwert gegenüber dem globalen Aktienmarkt generiert. Besonders attraktiv ist dabei die Kombination aus globaler Diversifikation, Nebenwertefokus und dynamischer Steuerung zwischen offensiven Wachstumspositionen und defensiveren Stabilitätswerten.
Gleichzeitig bleibt ungewiss, ob quantitative Modelle auch in zukünftigen Marktregimen ähnlich erfolgreich funktionieren werden. Veränderungen bei Zinsen, Liquidität oder Bewertungsstrukturen können dazu führen, dass historische Muster weniger zuverlässig werden.
11. Fazit
Der WM Aktien Global UI ist ein Fonds für Überzeugungstäter. Er richtet sich an Anleger, die bewusst vom Mainstream der ETF-Welt abweichen möchten und an die langfristige Überlegenheit systematischer Stockpicking-Modelle glauben. Die historische Outperformance ist ebenso bemerkenswert wie die Risikokennzahlen über mittlere Zeiträume. Gleichzeitig sind die Kosten hoch und die Drawdowns teilweise drastisch. Somit eignet sich der Fonds vor allem für langfristig orientierte, risikobewusste Investoren mit hoher Aktienaffinität, die bewusst Nebenwerte und starke Abweichungen vom Index suchen.
Für kostenorientierte Anleger oder Investoren mit niedriger Risikotoleranz dürfte ein günstiger ETF auf den MSCI World die robustere Lösung bleiben. Als Beimischung für alphaorientierte Portfolios kann der Fonds jedoch eine spannende Rolle spielen – vorausgesetzt, Anleger bringen Geduld, Risikobereitschaft und eine gewisse Gebührenresistenz mit.
Diese Analyse wird von der FTD Fonds Research GmbH zum Zweck der Information bereitgestellt. Sie spiegelt die subjektive Einschätzung des Research-Teams zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider und stellt keine Handelsempfehlung dar. Die Herausgeberin übernimmt trotz höchster Sorgfalt keine Gewähr für den Inhalt und die Richtigkeit der Angaben. Jede Haftung für entstandene Schäden ist ausgeschlossen. Die dem Text beigestellten Fondsdaten stammen von der FWW Fundservices GmbH. Wir weisen darauf hin, dass die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse ist.
Über den Autor

Sven Stoll
Sven Stoll wurde 1969 in Suhl/Thüringen geboren. Er beschäftigt sich bereits seit den 1990er-Jahren mit den Finanzthemen, Wirtschaft und Investmentfonds. Er investiert selbst seit vielen Jahren in aktiv gemanagte Fonds und profitiert von zahlreichen Kontakten in der Branche sowie regelmäßigen Gesprächen mit renommierten Portfoliomanagern. Sven ist hauptberuflich Fondsanalyst bei der GSR GmbH.