Kommentar: Wie gleichberechtigt ist gleichberechtigt?

Frauen verdienen häufig noch weniger als ihre männlichen Kollegen (Foto: Pixabay)

Ein Kommentar von Cornelia Wilhelm.

Der Alltag in Arbeitswelt, Politik und Medien wirft immer wieder die Frage auf, ob heutzutage von dem Ausmaß der Gleichberechtigung gesprochen werden kann, welches noch in den 70er Jahren thematisiert wurde. Die „Opferrolle“ scheint hier klar definiert zu sein: Frauen verdienen weniger, schaffen seltener den Sprung in Führungspositionen und werden zwangsläufig mit dem Thema „Kindererziehung“ in Verbindung gebracht. Immerhin muss „er“, der Mann, Geld verdienen und die Familie ernähren.

Eine Frage, welche ich in diesem Zusammenhang jedoch auch immer wieder sehr interessant finde, ist die, inwieweit „frau“ eigentlich selbst Schuld an ihrer Misere trägt. Klingt komisch? Noch komischer klingt es sicherlich, wenn bedacht wird, dass ich selbst eine Frau bin.

Selbstreflektion als Schlüssel zur Lösung?

Keine Frage: dass Frauen schon lange nicht mehr das „schwache Geschlecht“ sind, bestreitet sicherlich niemand mehr. Hey! Ich meine, immerhin dürfen wir wählen! Und die Neuerungen zum jüngsten Entgeldtransparenzgesetz erlauben es uns immerhin, zu WISSEN, was der männliche Kollege verdient. Von angepassten Löhnen ist hier zwar nicht die Rede, aber man freut sich ja über die Kleinigkeiten des Lebens, oder?

Doch neben provokativen Songtexten á la Tic Tac Toe, starken Frauen wie P!NK und meiner Nachbarin, die es geschafft hat, sich tatsächlich ein eigenes Unternehmen aufzubauen, frage ich mich auch, wie viel Schuld die Durchschnittsfrau daran trägt, dass Frauen -gerade im Berufsleben- oft deutlich weniger zugetraut wird.

Ein Frauenbild, welches hier sicherlich eine tragende Rolle spielt, ist das Image, welches uns die Medien immer wieder vermitteln. Seien wir ehrlich: Frauen, die um die Gunst eines Mannes buhlen, entweder nackt oder angezogen, stehen sicherlich nicht für das, was Alice Schwarzer uns beizubringen versuchte.

Die Opferrolle ist out

Ein Blick in die nähere Umgebung, gerade auch im Büro, zeigt jedoch auch, dass Frauen wahre Meister darin sind, tief zu stapeln. Eine Gehaltserhöhung einfordern? Nein! Im Meeting den Kollegen widersprechen? Um Gottes Willen!

Kein Wunder: wer sich selbst in die Opferrolle setzt, wird vergleichsweise selten angegriffen. Und genau das wissen wir Frauen doch zu schätzen, oder? Wir wollen beliebt sein. Erfolg auf Kosten einer Mittagspause, die dann wegen einer hitzigen Diskussion allein verbracht werden muss? Niemals!

Und: durch das Ins-Leben-Rufen von Aktionen „pro Frau“ wird -meiner Meinung nach- das Bild der hilfebedürftigen Frau noch weiter unterstrichen. Wäre es nicht sinnvoller, durch echte Leistung zu überzeugen, anstatt aufgrund einer vorherrschenden Frauenquote eingestellt zu werden?

Die Gleichberechtigung der Männer als zweite, ewige Baustelle

Ja, ich behaupte auch, dass Männer noch lange nicht den Frauen gleichgestellt sind. Wie das zusammenpasst?

In unseren Köpfen scheinen, trotz sexueller Emanzipation und Gleichberechtigung, immer noch zwei Grundmanifeste verankert:

  1. Frauen kümmern sich um die Familie.
  2. Männer kommen abends nach Hause und wollen ihre Ruhe.

Es war schon immer so, es wird immer so sein. Doch was, wenn ein Mann das „größte Glück auf Erden“ für sich daran entdeckt, auf die Kinder aufzupassen, während sie sich die Nächte am Schreibtisch um die Ohren schlägt?

Kein Problem? Dann beobachten Sie die Reaktionen der Freunde des besagten Mannes, wenn er erklärt, „ab dem 1.“ ein Jahr Elternzeit zu nehmen. Männer, die sich gegen den Beruf und für die Familie entscheiden, haben es oft ebenso schwer, nach der entsprechenden Auszeit wieder Fuß im Beruf zu fassen. Oftmals bleibt das Image „das ist doch, der der in Elternzeit gegangen ist!“ wie ein nicht abwaschbarer Stempelabdruck bestehen. Witze? Vorprogrammiert.

Und genau deswegen, aus Scham davor, als „der Außenseiter“ zu gelten, sitzen exakt diese Männer später am Stammtisch und sinnieren darüber, die „schönsten Jahre“ ihres Nachwuchses verpasst zu haben.

Fazit: Ungleichberechtigung auf verschiedenen Ebenen

Sicherlich wäre es utopisch anzunehmen, echte Gleichberechtigung auf allen Ebenen würde irgendwann gelebt werden. Jedoch davon auszugehen, dass hier ausschließlich die Frauen die Leidtragenden seien, halte ich für einen Trugschluss.

Wie so oft liegt der Schlüssel zur Verbesserung der Gesamtsituation sicherlich im Denken der Menschen begründet. Die Meinung, dass Frauen durchaus selbstbewusster sein „dürfen“, ohne an Beliebtheit einzubüßen, ist hierbei ebenso wichtig wie die Erkenntnis, dass familienaffine Männer mehr Akzeptanz erfahren sollten.

Wer nicht zwischen Mann und Frau unterscheidet, sondern auf die individuellen Charakterzüge eines Menschen Rücksicht nimmt, erkennt sicherlich schnell, dass die Mann-Frau-Beziehung einem Schwarz-Weiß-Denken schon lange nicht mehr gerecht werden muss. Ein Lösungsansatz: mehr Selbstbewusstsein! Mehr Vertrauen in das eigene Können und die Erkenntnis, dass zum Vater sein mehr gehört, als Geld nach Hause zu bringen.


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Von |2018-11-28T19:47:53+00:0027. November 2018|Kategorien: Deutschland, Gesellschaft, Karriere, Politik|0 Kommentare

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