Konjunktur China Boom
Die Rolle Chinas bleibt unverändert – weiterhin ist China einer der Big Player in der Wirtschaft.

Die Weltwirtschaft steht kurz vor einer Krise oder befindet sich gar schon mittendrin.

Angesichts der aktuellen Lage, ausgelöst durch den Ausbruch des Sars-CoV-2-Virus, ist das nicht allzu verwunderlich. Startpunkt war aber die Einschränkung Chinas durch den dortigen Beginn der Epidemie.

Die Handlungsunfähigkeit chinesischer Unternehmen und Märkte zeigte im europäischen Raum bereits spürbare Ausläufer, noch bevor die ersten Fälle des Coronavirus hierzulande vermehrt auftraten.

1. Wie groß ist die Rolle Chinas im internationalen Welthandel?

Dass China eine wichtige Rolle für den Welthandel spielt, ist jedermann bewusst.

Doch angesichts der aktuellen Lage stellen sich die Fragen:

  • Wie abhängig sind wir eigentlich von der Volksrepublik?
  • Funktioniert in Europa ohne China noch etwas?

Zur Beantwortung dieser Fragen empfiehlt sich ein Blick in die Vergangenheit, vor den Ausbruch der aktuellen Epidemie.

Im Jahr 2012 sanken reihenweise die Aktienkurse mehrerer europäischer und internationaler Firmen, darunter der weltgrößte Autohersteller Toyota, Baumaschinenhersteller Caterpillar und sogar die Luxus-Modemarke Burberry.

Grund war ein konjunktureller Abschwung Chinas, der bei weitem nicht nur nationale Unternehmen belastete, sondern – einfach ausgedrückt – die ganze Welt.

2. Nimmt China eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft ein?

China ist laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) für 78 Länder der primäre oder zweit wichtigste Handelspartner. Eine Schlüsselrolle für den globalen Handel lässt sich kaum abstreiten.

Die erwähnten 78 Länder erbringen zusammen 55 Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP). Noch im Jahr 2000 waren es lediglich 13 Länder, auf die die oben genannte Beschreibung passte, sie standen für 15 Prozent des globalen BIP.

Die Volksrepublik konnte ihre Vorreiterstellung in den letzten beiden Jahrzehnten stetig erzeugen und verbessern, zweifellos ist Chinas Wirtschaft fest verknüpft mit denen anderer großer Industrieländer.

Ebendiese Wirtschaften spüren eine Abschwächung Chinas unmittelbar.

Viele Unternehmen bauen hauptsächlich oder zumindest zu einem sehr großen Teil auf die Nachfrage aus Fernost. Bleibt diese plötzlich aus oder ebbt ab, bedeutet dies eine prekäre Lage für die entsprechenden Firmen.

Ebendas passierte vor einigen Jahren. Ein Zusammenspiel aus bremsender Geldpolitik in Peking und einem Ausfall von Nachfrage aus Europa waren die Ursache für eine deutliche Abschwächung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Zwei Jahre vorher waren es noch fast zwölf Prozent – nun waren es zwei.

3. Gibt es eine Studie, die zeigt, welche Rolle China einnimmt?

3.1. China kann auch Deutschlands Wirtschaft treffen

Kann Deutschland mithalten?
Ein Indiz für die Wichtigkeit der Nachfrage aus Fernost ist die Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft im Frühjahr 2012 eine fast ausgeglichene Handelsbilanz gegenüber China als Exportweltmeister erwirtschaftete.

Eine Studie des IWF berechnete zu diesem Zeitpunkt die Auswirkungen chinesischer Investitionen auf die Weltwirtschaft, um erkenntlich zu machen, wie empfindlich diese auf einen Abschwung in Fernost reagiert.

Nicht nur unmittelbar mit China verknüpfte Länder wie Taiwan, Japan oder Malaysia würden hart getroffen, sondern auch die sehr exportorientierte deutsche Wirtschaft würde in Mitleidenschaft gezogen werden.

Rechnete man auch indirekte Effekte mit ein, könnte die Wirtschaft der Bundesrepublik gar diejenige sein, die von einem Abschwung Chinas am stärksten getroffen werden würde.

Nur Finnland hat innerhalb der EU eine ähnlich starke China-Ausrichtung, was den Export betrifft.

In den letzten zehn Jahren hatten sich die Ausfuhren nach China um mehr als das Fünffache gesteigert, sogar im Jahr der Weltwirtschaftskrise 2009 stiegen die Exporte noch. Für den deutschen Maschinenbau ist China seither der größte Abnehmer. Bis zu diesem Zeitpunkt waren es ununterbrochen seit dem zweiten Weltkrieg die USA gewesen.

3.2. Anfang 2012 sank der Export

Besonders die deutsche Industrie ist daher schmerzhaft von konjunkturellen Abkühlungen Chinas getroffen.

Daten des Maschinenbauverbandes VDMA zeigen, dass die Exporte nach China in den ersten sieben Monaten des Jahres 2012 um 8,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken.

China Stahl Maschinenbau
Die Nachfrage nach Stahl aus China macht bereits 65 % aus.

Aber nicht nur die Maschinenbauindustrie ist betroffen und auch nicht nur Deutschland. Leidtragende einer Abschwächung chinesischer Konjunktur sind auch Rohstoffproduzenden von Brasilien bis Angola.

Die hohe Nachfrage von Ressourcen aus China hat ebendiesen Wirtschaften über mehrere Jahre einen regelrechten Boom beschert. Denn China brauchte für die Fertigung der Milliarden von Fabrikprodukten jedes Jahr natürlich Zutaten. Gar als „Rohstoff-Superzyklus“ wurde dieser Vorgang bezeichnet – nie zuvor in der modernen Geschichte sind die Rohstoffpreise so stark gestiegen wie in den letzten 15 Jahren.

Chinas Nachfrage nach Stahl allein stieg über Jahre stetig um 15 bis 20 Prozent. Während die Volksrepublik in den 90er Jahren bei den globalen Importen von Eisenerz noch für einen Anteil von weniger als 10 Prozent verantwortlich war, sind es heute über 65 Prozent.

Nicht nur die Produktion von Fabrikprodukten macht China zu einem so wichtigen „Global Player“ – das Land hat sich zum Knotenpunkt des globalen Rohstoffhandels entwickelt. Umso gefährlicher ist es für die Weltwirtschaft, wenn diese extrem hohe Nachfrage nachlässt. 2012 beispielsweise stieg die Nachfrage nach Stahl nur noch um zwei bis vier Prozent.

4. Fazit: Wie sieht die Situation mittlerweile aus?

Zwar folgte in diesem Jahr zu einem gewissen Grad eine Erleichterung. Die chinesischen Umsätze im Einzelhandel legten wieder zu, die Industrie produzierte wieder mehr.

Dennoch: Langfristig vermuten einige Ökonomen einen Trend, der schwächeres Wachstum zur Folge hat. Pekings Ziel bzw. Fokus bewegt sich zunehmend weg von Exporten und mehr in Richtung Binnenkonsum. Chinas Nachfragecharakter werde sich fraglos wandeln.

„Zwar dürften große Infrastrukturinvestitionen weiter gute Geschäfte für Firmen wie Siemens, General Electric und Caterpillar bedeuten, doch die Nachfrage wird sich insgesamt Richtung Konsumgüter verschieben“, so Jagdish Bhagwati, Globalisierungsexperte an der Columbia University.

Die Frage, die sich gestellt werden muss, ist also nicht die nach dem Ob, sondern nach dem Wann. Wie viel Zeit bleibt den Firmen in Deutschland und aller Welt noch, sich auf diesen generellen Wandel der chinesischen Nachfrage einzustellen?

Allein anhand dieser Frage lässt sich zusammenfassend die Abhängigkeit der Weltwirtschaft von China ablesen. Ein leichter Abschwung der Konjunktur in Nahost, und mehrere ganze Branchen stehen international vor der Krise. Aber: Die Abhängigkeit ist nicht einseitig. Logischerweise ist auch China angewiesen auf Abnehmer für seine Produkte und Lieferanten für die Rohstoffe. Vielleicht sollte das Verhältnis zwischen China und der Wirtschaftswelt daher weniger als Abhängigkeit beschrieben werden sondern anders – als Symbiose.

Bildnachweise: Novikov Aleksey/Shutterstock, Novikov Aleksey/Shutterstock, Bannafarsai_Stock/Shutterstock, (nach Reihenfolge im Beitrag sortiert)