Japan und die Arbeitsbedingungen – Ein Mentalitätswechsel?

Die Shibuya Kreuzung ist ein Wahrzeichen Tokios (Foto: Pixabay)

Japan ist für viele Menschen das Land, in dem Arbeitnehmer arbeiten, bis sie krank werden. Oftmals ist sogar die Rede von Mitarbeitern, die den Leistungsdruck und die Überlastung nicht mehr aushielten und ernsthaft erkrankten oder sogar verstarben. Mit dem Karoshi-Phänomen haben die Japaner dafür sogar ein eigenes Wort kreiert. Doch es gibt in Japan auch Unternehmen, die sich diesem Druck entziehen und einen Kulturwandel zum Wohle der Arbeitnehmer einleiteten.

Ausgeprägter Gemeinsinn und Respekt sorgen für viele Überstunden

Der Gesetzgeber gibt auch in Japan den Ton an und legt Mindestanforderungen fest, an welche sich Unternehmen halten sollen. Zu diesen Anforderungen zählen die gesetzlich festgelegte 40-Tage-Woche sowie 10 gesetzliche Urlaubstage. Der Urlaubsanspruch steigert sich mit jedem Jahr bis hin zu 20 Tagen. Darüber hinaus gibt es im Land noch 16 gesetzliche Feiertage – soweit die gesetzlichen Vorgaben. Jedoch ist auch bekannt, dass sich viele japanische Arbeitnehmer nicht daran halten. Überstunden gehören für viele Arbeitnehmer zum Arbeitsalltag mit dazu.

Der Grund dafür ist der besonders stark ausgeprägte Gemeinschaftssinn. Muss ein Kollege noch arbeiten, dann verbleiben die anderen selbstverständlich auch am Arbeitsplatz. Zudem gilt es in vielen Unternehmenskulturen Japans als respektlos, das Gebäude vor dem Arbeitgeber zu verlassen. Das Problem an diesem Verhalten ist, dass japanische Vorgesetzte dafür bekannt sind, länger zu arbeiten. Damit bleibt der gesamten Belegschaft häufig nichts anderes übrig, als bis in die Abend- oder sogar Nachtstunden zu arbeiten.

Arbeitnehmerfreundlichkeit als Ausnahme

Nicht viele Arbeitnehmer schaffen es, den langen Arbeitstagen zu entgehen. Wie hierzulande gibt es jedoch in Bezug auf die Arbeitsbedingungen und Freiheiten der Arbeitnehmer je nach Unternehmen auch andernorts große Unterschiede. Insbesondere in den großen Konzernen haben viele Mitarbeiter nur wenig Gestaltungsspielraum und müssen sich an starre, hierarchische Strukturen halten. Einige japanische Unternehmer sehen das häufig anders und lassen ihren Mitarbeitern mitunter sogar die Zukunft des Unternehmens mitgestalten. Dazu zählt beispielsweise das Unternehmen des Mittelständlers Mirai Kogyo.

Das Unternehmen wurde bekannt dafür, dass es mit den hierarchischen Strukturen und dem gut getakteten Arbeitsalltag brach und japanischen Mitarbeitern Alternativen anbot. Ein freundlicher Umgangston, die Möglichkeit, sich in das Unternehmen einzubringen und die Einhaltung der Arbeitszeiten zählen in dem Betrieb zu den Selbstverständlichkeiten. Mitarbeiter können selbst entscheiden, wie sie arbeiten und durch die Möglichkeit der Flextime können sie ihre Arbeitszeiten besser an ihr Privatleben anpassen. Ein Management im eigentlichen Sinne gibt es nicht, lediglich Vorgesetzte, die sicherstellen, dass grobe Zielvorgaben des Unternehmens eingehalten werden. Wer sich mit eigenen Ideen einbringen möchte, wird für gute Produktideen oder Vorschläge sogar mit einer Geldprämie belohnt.

Work-Life-Balance gewinnt auch in Japan an Bedeutung

In dieser scheinbar glücklichsten Firma Japans scheint es besonders schön sein, zu arbeiten. Und tatsächlich steht den Arbeitnehmern mehr Freizeit zu, als in vielen anderen Betrieben. Doch der Mittelständler Mirai Kogyo ist schon seit einiger Zeit keine Ausnahme mehr. Denn immer mehr setzt sich auch in der japanischen Arbeitswelt der Begriff der Work-Life-Balance durch. Als Grund könnte Karoshi angeführt werden. Dieser Tod durch Überarbeitung trifft immerhin rund 150 Menschen im Jahr. Betroffene Arbeitnehmer sterben durch einen durch Stress bedingten Schlaganfall oder Herzinfarkt. Jene Arbeitnehmer sammelten nicht selten jeden Monat weit mehr als 100 Überstunden an und waren dementsprechend akut überarbeitet. Ein weiteres Phänomen in Japan sind Suizide, die ebenso durch eine anhaltende Überlastung am Arbeitsplatz begangen wurden.

Diesem Trend wollen sich immer mehr Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber entgegenstellen. Nicht zu vergessen ist dabei, dass die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ein weiteres Problem an, nämlich einen Fachkräftemangel. Durch gute Arbeitsbedingungen könnten sich viele Unternehmen von der Konkurrenz absetzen und damit stark umworbene Fachkräfte, insbesondere im technologisch-wissenschaftlichen Bereich für sich gewinnen.


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Von |2018-12-01T11:30:02+00:001. Dezember 2018|Kategorien: Kultur, Unternehmen|0 Kommentare

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