Eine Marke mit Höhen und Tiefen: Nokia (Foto: Pixabay)

Die einen sagen, dass Nokia der älteste Mobilfunkhersteller der Welt sei, wurde die Firma doch bereits 1865 in Finnland gegründet. Die anderen wissen, dass Nokia schon immer ein Mischkonzern war, der zeitweilig aus rund 100 Tochtergesellschaften bestand, wovon eine eben Mobilfunktelefone produzierte. Wog das erste tragbare Autotelefon der Finnen 1982 noch knapp 10 Kilogramm, sank das Gewicht rapide auf 500 Gramm, als sie 1992 das Nokia 1011 auf den Markt brachten. Was ursprünglich firmenintern nur als Spielerei abgetan wurde, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem Umsatzhit, sodass die Finnen fast alle anderen Tochterfirmen abstießen. Zwei Jahre später brachten sie das Nokia 2110 auf den Markt. Die Marketingabteilung hatte einen möglichen Absatz von 400.000 Einheiten anvisiert. Daraus wurden dann später insgesamt 20.000.000 Stück (20 Millionen!).

1. Der Aufstieg

Auch das erste Mobilfunkgerät mit größerem Bildschirm und vollwertiger Tastatur kam aus Finnland, der Nokia 9000 Communicator. Mit ihm konnte man E-Mails und Faxe versenden, Tabellenkalkulationen bearbeiten und ins Internet gehen. Er war allerdings recht klobig und 500 Gramm schwer und kostete zur Markteinführung umgerechnet 1.300 Euro, was letztendlich dazu führte, dass es kommerziell nicht so recht erfolgreich war, im Gegensatz zum gleichzeitig auf den Markt gebrachten Nokia 8110, welches sogar 1999 in dem Actionfilm Matrix die Hauptrolle spielte. Auch die 61xx-Serie, die 1998 debütierte, war ein Umsatzrenner für die damalige Zeit, verkaufte sie sich doch rund 41 Millionen Mal.

Das Nokia 8810 war das erste Mobilfunkgerät, welches keinen Antennenstummel mehr besaß, weil die Antenne ohne Empfangsverluste komplett ins Gehäuse integriert werden konnte.

Der Hit schlechthin aber war das 1100 aus dem Jahr 2003, ein Billigtelefon, von dem Nokia 250 Millionen Exemplare verkaufen konnte, gefolgt vom 3210 mit 160 Millionen Verkäufen.

2. Der Fall

2007 kam der Mitbewerber Apple mit seinem IPhone auf den Markt, Tastaturen waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon out. Nokia brauchte allerdings noch ein Jahr, bis deren erstes tastaturloses Handy auf den Markt kam, das 5800 Xpress Music. Allerdings war da der Zug in Sachen Marktführerschaft bereits abgefahren, denn erschwerend kam hinzu, dass ein Großteil der in den Jahren 2005 und 2006 produzierten Nokia-Akkus schadhaft waren. Und dann gab es noch hausgemachte Probleme mit dem Betriebssystem der Nokia-Geräte. Nokia nutzte zuerst lange Jahre Symbian, ein zum damaligen Zeitpunkt bereits zehn Jahre altes Betriebssystem, welches vom Taschenrechnerhersteller Psion stammte, um dann 2009 auf das lizenzfreie Maemo umzusteigen, weil Symbian viel zu schwerfällig für all die neuen Funktionen und Anforderungen in den Geräten war. So hatten die Finnen es schwer, sich gegen die aufsteigende Konkurrenz – hauptsächlich Apple, aber auch HTC – zu behaupten.

Der Übergang vom Nischen- zum Massenmarkt wurden zudem von Nokia zu spät erkannt. Neue Mitbewerber wie BlackBerry, Samsung und LG brachten massentaugliche Geräte in schnellerer Abfolge auf den Markt. War Nokia von 1998 bis 2011 der weltgrößte Mobilfunkgerätehersteller, sank der Absatz in den Folgejahren rapide. Und dann kam auch noch Google ins Spiel, stellten die doch mit Android ein kostenfreies Betriebssystem für Mobilfunkhersteller. Zu den ersten Herstellern, der dieses Angebot nutzte, gehörte HTC, was sich in deren Verkaufszahlen schlagartig positiv niederschlug.

3. Der aktuelle Stand

2014 verkaufte Nokia seine Mobiltelefonsparte an Microsoft, die allerdings wenig Glück mit ihrem Kauf hatten, denn bereits zwei Jahre später kaufte ihnen der finnische Elektronikhersteller HMD Global die Nokia-Namensrechte ab. Die neuen Inhaber bieten wieder Mobiltelefone unter dem Markennamen Nokia an. Diesmal allerdings basieren die Geräte auf Android und werden von der chinesischen Firma Foxconn produziert.

Der Rest der finnische Ur-Firma Nokia – Nokia Technologies – wurde 2016 mit Alcatel-Lucent fusioniert, die dadurch zu einem der größten Netzwerkausrüster aufstiegen.