Online Glücksspiel Reform 2021 kommt2021 warten einige Neuerungen auf die Bürger in Deutschland. Neben der Einführung einer Grundrente und einigen Änderungen beim Elterngeld haben sich die Bundesländer nach jahrelangen Diskussionen endlich auf eine Reform des Glücksspielstaatsvertrages geeinigt. Damit steht das Glücksspiel in Deutschland vor einer historischen Wende. Der aktuelle Vertrag von 2012 läuft am 1. Juli 2021 aus. Dann soll das neue Gesetz in Kraft treten, mit dem Online-Casinos in Deutschland erstmals legal betrieben werden dürfen.

Die aktuelle Regelung

Im Glücksspielstaatsvertrag gibt es nur einen Absatz, der sich mit dem Thema Online-Glücksspiel beschäftigt, und zwar §4 Absatz 4. Dort heißt es:

„Das Veranstalten und das Vermitteln öffentlicher Glücksspiele im Internet ist verboten.“

Laut § 284 StGB und § 285 StGB ist das Betreiben von Online-Casinos in Deutschland also eine Straftat und müsste verfolgt werden. Dennoch gibt es zahlreiche solcher Online-Angebote, auf die man auch aus Deutschland zugreifen kann. Wie kann das sein? Ganz einfach: Zwar ist der Betrieb von Online-Casinos illegal, nicht jedoch die Spiele selbst. In diesem Fall stechen die europäischen Bestimmungen die deutschen Regelungen aus, denn sie sind übergeordnet. Diese Bestimmungen legen fest, dass Glücksspiele online veranstaltet werden dürfen, wenn sie von einem Anbieter mit einer gültigen Lizenz eines EU-Mitgliedsstaates durchgeführt werden. Auf CasinoTest.de wird veranschaulicht was seriöse Anbieter ausmacht.

Zusätzlich geht das Bundesland Schleswig-Holstein einen Sonderweg, denn es hat den Bestimmungen des Glücksspielstaatsvertrages nicht zugestimmt.

Historisch gesehen: der Umgang mit dem Glücksspiel

Gespielt haben die Menschen schon immer, geregelt wurde das Glücksspiel jedoch erst seit dem Mittelalter. Konzessionen für die Veranstaltung von Spielen wurden von den Landesfürsten oder Regierungen vergeben. Öffentliche Spiele wie bei Messen und Jahrmärkten wurden durch Verbote immer mehr eingeschränkt, während zahlreiche offizielle „Spielhäuser“ eröffnet wurden. Zu diesen hatte jedoch nur die privilegierte Oberschicht Zugang, die Unterschicht würfelte und spielte in den Kneipen. Das gefiel der Obrigkeit nicht, die gegen die verbotenen Spiele restriktiv vorging: Mit Geldstrafen und Freiheitsentzug, Verbannung und Prügelstrafen wurde das verbotene Glücksspiel geahndet. Wirte, die ihre Gäste legal spielen lassen wollten, mussten die Spiele kontrollieren und einen Teil der Einnahmen für öffentliche Ausgaben abgeben.

In Deutschland wurden zum Ende des 14. Jahrhunderts hin etwa in Würzburg und in Frankfurt am Main Spielhäuser verpachtet. Pächter waren meist Patrizier der Stadt oder Höflinge. Das Betreiben von Spielen ohne Konzession war bei Strafe verboten. Spielwütige Personen aus allen Schichten zogen sich deshalb ins Private zurück. Wurden sie erwischt, musste besonders Mitglieder der Unterschicht mit rigorosen Strafen rechnen.

Wir stehen kurz vor einer Zeitenwende

Der Staat hat heute immer noch das Monopol auf das Glücksspiel, das ansonsten verboten ist. Ihm Bereich des Online-Glücksspiels hat er bisher darauf verzichtet, von diesem Monopol Gebrauch zu machen – er hat es schlichtweg verboten. Das lässt sich in einem globalisierten Netz jedoch nicht durchsetzen.

Deutschland ist der europaweit größte Glücksspielmarkt. Alle Spiele zusammen erwirtschaften einen jährlichen Umsatz von 13,9 Milliarden Euro, die durch Lotto, Casinos und Sportwetten eingenommen werden. Ein Fünftel dieser Summe entfällt jedoch auf den Schwarzmarkt, der rasant wächst. Allein die illegalen Online-Casinos setzen rund 2 Milliarden jährlich um. Damit reichen sie längst nicht an die Umsätze der Spielautomaten in Gaststätten und Spielhallen heran, die mehr als 40 Prozent des Umsatzes erzeugen. Auf dem zweiten Platz liegen die Lotteriegesellschaften. Doch das Wachstum ist im nicht geregelten Sektor am größten, wodurch dem Staat immense Einnahmen verlorengehen.

Aus diesem Grund wird ab 2021 die Möglichkeit für legale und staatlich lizenzierte Online-Casinos in Deutschland gegeben sein. Das wird jedoch nicht von allen Experten begrüßt!

So sollen Verbraucher vor der Spielsucht beschützt werden

Die Lockerung der Regelungen könne zu einem erhöhten Suchtpotenzial führen, was besonders für jüngere Verbraucher eine Gefahr darstellt, warnen die mahnenden Stimmen. Doch der Glücksspielstaatsvertrag hat diesbezüglich vorgesorgt und versucht, die Gefahr mit bestimmten Maßnahmen einzudämmen. So soll jeder Spieler ein Spielerkonto einrichten müssen, dessen Zahlungsströme überwacht werden. Es dürfen dabei nicht mehr als 1000 Euro pro Monat verspielt werden, und zwar über alle Angebote hinweg. Die Einführung einer bundesweiten Sperrdatei soll spielsüchtige Personen von den Spielangeboten abschneiden. Wer eine Lizenz für ein Online-Casino erwerben will, muss zudem nachweisen, dass er eine Früherkennung von spielsüchtigen Personen installiert hat, die automatisch erkannt werden und dann nicht mehr spielen dürfen.

Es wird sich zeigen, wie die Spieler mit diesen Maßnahmen umgehen werden, die leicht als Bevormundung interpretiert werden können.

Das sind die Maßnahmen im Einzelnen

  1. Glücksspiele im Internet werden unter bestimmten Bedingungen legal sein. Das gilt für Online-Poker, digitales Roulette, virtuelle Spielautomaten und Sportwetten. Die Betreiber letzterer befinden sich momentan in einer Grauzone.
  2. Der Staat behält das Monopol für die Lotterien.
  3. Sportwetten, Lotterien und Automatenspiele dürfen gemeinsam auf einer Online-Plattform angeboten werden. Das bisherige Trennungsgebot wird aufgehoben.
  4. Für klassische Casinospiele wie Roulette und Blackjack gelten andere Regeln: Sie dürfen nur von staatlich konzessionierten Unternehmen wie Spielbanken angeboten werden. Die Einzelheiten entscheiden die Bundesländer selbst.
  5. Werbung für die Online-Casinos soll grundsätzlich erlaubt werden.

Ein Trick mancher Spieler funktioniert dann nicht mehr

Bisher war es so, dass Bezahldienste und Banken keine Transaktionen an die illegalen Online-Casinos genehmigen durften, die von Spielern aus Deutschland legitimiert wurden. Die Zahlung via Überweisung war dadurch faktisch unmöglich, Paypal und andere digitale Dienste konnten dennoch verwendet werden. Die Transaktion war jedoch eigentlich rechtswidrig und konnte angefochten werden, und zwar auch vom Spieler selbst. So kam es immer wieder vor, dass Kunden der Online-Casinos ihr verlorenes Geld via Gericht einklagten und damit auch Erfolg hatten. Solche Tricks sind in Zukunft nicht mehr möglich.


Bildnachweise: © gerasimov_foto_174 - shutterstock.com (nach Reihenfolge im Beitrag sortiert)