Was wurde aus dem Eurofighter?

Ein Eurofighter bei der Landung (Foto: Pixabay)

Der Eurofighter – ein Fass ohne Boden

Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien einigten sich 1985 auf den Bau des European Fighter Aircraft. Frankreich war zuvor ausgestiegen, da sie darauf beharrten, dass eine Flugzeugträgerversion gebaut wird und sie 50 Prozent des Arbeitsanteils erhalten wollten. Dafür stieg Spanien kurzfristig ein, dass sich von der Beteiligung industrielle Vorteile versprach.

Das Ende des Kalten Krieges erwischte auch das Projekt Anfang der Neunziger Jahre. Plötzlich war alles zu teuer – die deutsche Wiedervereinigung kostete viel Geld – und flugs wurde angedacht, den Flieger in einer preiswerteren Version zu bauen. Nach langem Hin- und Her hat man den Plan wieder fallengelassen. Lediglich die Anzahl der zu bauenden Flugzeuge wurde von ursprünglich 765 auf nunmehr 620 gesenkt.

Der erste Prototyp startete in Deutschland im Frühjahr 1994. Bis zur Serienlieferung sollten weitere neun Jahre vergehen. Im Juni 2003 übernahm die Bundeswehr schließlich ihren ersten Eurofighter. 2010 verfügte die deutsche Luftwaffe bereits über 55 Kampfmaschinen. 2018 sind es 128. Im Herbst 2010 wurden sämtliche Maschinen vorübergehend stillgelegt, weil es Sicherheitsbedenken beim Schleudersitz gab. Dabei wurden Fälle bekannt, bei denen sich das Gurtschloss selbständig öffnete.

Video: Der Eurofighter im Luftkampf

Die Kosten stiegen und stiegen

Die ersten realen Kampfeinsätze fanden 2011 unter britischer Beteiligung in Libyen statt.  Ursprünglich war der Jet als Jagdflugzeug konzipiert worden, erkennbar an den hervorragenden Flugeigenschaften. Im Laufe seiner Entwicklungszeit wandelte sich das allerdings. Plötzlich wurde von den Jägern der Lüfte verlangt, dass sie auch Bodenziele bekämpfen können müssen. Dass dies zu weiteren Verteuerungen führte, sei nur am Rand erwähnt. Das Überarbeiten der Bordsystem hat eben seinen Preis, damit nunmehr Luft-Boden-Raketen eingesetzt und Bomben abgeworfen werden konnten. Plante man 1988 noch mit einem Stückpreis von 65 Mio. Euro, waren es 2012 schon 139 Mio. Euro. Und die Gesamtkosten pro Flugstunde, die die Betriebs- und die kalkulatorischen Kosten beinhalten, betragen aktuell rund 90.000 Euro. Das sind nicht nur 50 Prozent mehr als ursprünglich geplant, sondern auch 50 Prozent mehr als beim aktuellen Waffensystem Tornado.

Der Eurofighter sollte nicht nur für die Armeen der beteiligten Länder gebaut werden, sondern auch in den Export gehen. Das würde schließlich die gewaltigen Entwicklungskosten reduzieren. Soweit die Theorie. In der Praxis ist es so, dass die Anzahl der Länder, mit denen Verkaufs-Verhandlungen scheiterten größer ist, als die Anzahl der Länder, die das Mehrzweckflugzeug schließlich orderten. Aktuell eingesetzt wird der Eurofighter nicht nur in den beim Bau beteiligten Ländern, sondern auch in Katar, Kuweit, Österreich, Oman und Saudi-Arabien, wobei die Österreicher ihre 15 Maschinen schon wieder ausmustern. Und der aktuell stattfindende Brexit hat es mit sich gebracht, dass die Engländer über einen eigenen Nachfolger nachdenken.

Die Sache mit dem Schadenersatz

Was bleibt, ist die Sache mit dem Schadenersatz, weil die beteiligten Länder weniger Kampfjets abnahmen, als zu Beginn vor Jahrzehnten vereinbart. Es geht dabei um 124 Jets, die nie gebaut, aber dennoch bestellt wurden. Hier besteht weiterhin ein finanzieller Anspruch aus der Nichtbestellung. Dieser Anspruch lief ursprünglich Anfang 2018 aus, konnte aber dank einer Vereinbarung über einen Verjährungsverzicht zwischen der bayrischen geschäftsführenden Eurofighter Jagdflugzeug GmbH und den Militärbeschaffungsbehörden der beteiligten Länder quasi in letzter Minute verlängert werden bis zum 31.Dezember 2019. Um wie viel Milliarden Schadenersatz es geht, ist zurzeit noch nicht bekannt.


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Von |2018-12-07T16:37:15+00:0027. November 2018|Kategorien: Deutschland, International, Politik|0 Kommentare

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