backpulver august oetker
Das wohl bekannteste Produkt von Dr. Oetker: Backpulver (Foto: Wikipedia Commons)

Justus Freiherr von Liebig war schuld. Und das kam so: Liebig war Chemiker und Universitätsprofessor und ein recht umtriebiger Mensch. Er forschte viel, entdeckte und entwickelte ebenso viel, und er war stets der Meinung, dass Forschungen und noch mehr die Ergebnisse immer dem Allgemeinwohl dienen sollten. Er erfand unter anderem den wasserlöslichen Phosphatdünger, der noch heute der meistverwendete Dünger weltweit ist. Und er hielt Vorlesungen, die so interessant waren, dass es sich schon damals in der ganzen Welt herumsprach und dazu führte, dass interessierte Menschen aus fernen Ländern nach Deutschland kamen, um ihm und seinen Worten und Ausführungen im Bereich der Chemie zu lauschen. Einer dieser Ausländer war der US-amerikanische Wissenschaftler Eben Norton Horsford, der sein Schüler wurde und mit ihm Experimente zum Thema Backpulver durchführte. Horsford ging nach ein paar Jahren zurück in die USA – wo er später Professor an der Harvard Universität wurde – und gründete 1854 die Firma „Rumford Chemical Works“, benannt nach dem Spender seines Lehrstuhls, Sir Benjamin Thomson, Graf Rumford, um in den Staaten Backpulver an Bäckereien zu vertreiben.

1. Die Anfänge

August Oetker wurde 1862 geboren, machte nach der Schule eine Ausbildung als Apotheker und studierte dann in Berlin und Freiburg Naturwissenschaften. Nach dem Studium kaufte und betrieb er in Bielefeld eine Apotheke. Sein in den USA lebender Vetter erzählte ihm von der Erfindung eines Backmittels, welches die Firma Rumford Chemical Works vertrieb, was Oetker dazu inspirierte, in einer nahegelegenen Bäcker-Mühle selber ein Backtriebmittel zu erforschen und als fertiges Produkt auf den Markt zu bringen. Anders als die Amerikaner legte Dr. Oetker mit seinem Produkt sein Augenmerk auf die Hausfrauen jener Zeit und nicht auf die Bäcker. Bis zur Erfindung des Backtriebmittels war es sehr schwer, jenes selbst herzustellen. Entweder waren die Ergebnisse der eigenen Bemühungen zu stark oder zu schwach in ihrer Wirkung, aber nie kontinuierlich.

Oetker ließ sich sein Verfahren 1903 patentieren und verkaufte das Pulver in kleinen Tüten, deren Inhalt immer für genau einen Kuchenteig reichte. 70 Jahre lang kostete eine Tüte stets 10 Pfennig. Um den Verkauf des Backtriebmittels voranzutreiben, setzte er schon von Anfang an auf Marketing. So gab es zu jeder Tüte immer auch kostenfreie Rezepte und Empfehlungen, um das Produkt bekannter zu machen. Diese Maßnahmen verfehlten ihre Wirkungen nicht. Der Grundstein für die Dr. Oetker-Gruppe war gelegt. Nach dem Backpulver wurden später weitere Produkte im Lebensmittelbereich entwickelt und vertrieben, wie etwa Aromen, Puddingpulver und Speisestärke. August Oetker starb 1918. Er war zeitlebens ein weitsichtiger Mann.

Da sein einziger Sohn bereits im ersten Weltkrieg starb, vermachte er sein Unternehmen einem langjährigen Mitarbeiter mit der Auflage, dass die Firma im Familienbesitz bleibt und später von seinem Enkel fortgeführt wird, der zum Zeitpunkt seines Todes gerade zwei Jahre alt war.

2. Das Backpulver

Backpulver ist ein Mittel, welches zum Backen genutzt wird, um einen Teig „gehen“ zu lassen. Das Pulver besteht in der Regel aus Natron, Weinsäure und Stärke als Trennmittel, um die vorzeitige CO2-Entwicklung zu verhindern. Durch Wärme reagiert das Natron mit der Säure und setzt dabei Kohlenstoffdioxid frei. Der Vorteil gegenüber Hefe ist die wesentlich kürzere Reaktionszeit.

2.1. Rudolf August Oetker

Der Neffe Rudolf August übernahm 1944 die Familiengeschäfte, so, wie August Oetker es in seinem Testament verfügt hatte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er die Aktivitäten des Unternehmens ausbauen. Aus Dr. Oetker und seinem Backpulver wurde ein Mischkonzern, der neben Nahrungsmitteln nun auch Bier und Sekt verkaufte, Schiffe vercharterte und eine eigene Bank besitzt. Rudolf August verstarb 2007 und hinterließ acht Kinder von drei Frauen. Sein Erstgeborener ist

2.2. August Oetker

August ist ein Urenkel des Gründers. Zu seinem Lebenswerk gehört, dass er die Einzelfirmen der Oetker Gruppe zu einem international tätigen Unternehmen zusammenfügte und diese Gruppe zu einem Marktführer in den Bereichen Backen und Aufbacken formte. Ein weiterer Nachfolger von Rudolf August ist

2.3. Richard Oetker

Auch er ist im Familienunternehmen tätig. Bekannt wurde er allerdings auf tragische Weise, wurde er doch 1976 entführt und während seiner Entführung durch einen vom Entführer versehentlich verursachten Stromstoß so lebensgefährlich verletzt, dass er bis heute gehbehindert ist. Er wurde nach einer Zahlung von umgerechnet 10,5 Millionen Euro nach 2 Tagen freigelassen, der Täter wurde zwei Jahre später gefasst , das Lösegeld hingegen konnte der Täter nie nutzen, da die Seriennummern der 1000 DM-Scheine bei allen Banken hinterlegt waren. Der Entführer wurde nach Verbüßen seiner Tat dabei erwischt, wie er in London den Großteil des Lösegelds umtauschen wollte. Dafür saß er weitere zwei Jahre wegen Geldwäsche in London ein.