
Wie reagiert die EZB auf drohende Zölle? (Foto: Freepik, marketlan)
Frankfurt am Main – 2 Prozent Leitzins, 2 Prozent Inflation: Der Realzins im Euroraum liegt bei 0. Und dabei bleibt es zunächst auch: Die Europäische Zentralbank legt eine Pause ein und lässt die Leitzinsen unverändert – so wie von Ökonomen und Märkten erwartet.
„In einem schwierigen globalen Umfeld hat sich die Wirtschaft bislang insgesamt widerstandsfähig gezeigt“, heißt es im Statement des EZB-Rats mit Präsidentin Christine Lagarde an der Spitze. Zugleich sei das Umfeld nach wie vor außergewöhnlich unsicher, vor allem aufgrund von Handelskonflikten.
Zuvor haben die Euro-Währungshüter 8 Zinssenkungen in den vergangenen 12 Monaten beschlossen. Der für Sparer wichtige Einlagezins steht weiter bei 2 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen, beträgt 2,15 Prozent, der Spitzenrefinanzierungssatz 2,4 Prozent.
Euro-Inflation im Juni – Fed und BoE mit höheren Zinsen
In Sachen Inflation kann die EZB eine weiße Weste vorweisen: 2 Prozent Jahresrate im Juni – genau der Zielwert der Notenbanker. Leicht erhöht ist mit 2,3 Prozent noch die Kernrate ohne Lebensmittel und Energie. Überdurchschnittlich stark stiegen die Preise bei den Dienstleistungen (3,3 Prozent).
Anders sieht die Lage bei anderen Notenbanken aus: Die US-amerikanische Federal Reserve verharrt seit Dezember bei der Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent – Inflationsrate: 2,7 Prozent. Der Leitzins der Bank of England beträgt 4,25 Prozent – im Vereinigten Königreich liegt die Teuerung bei 3,6 Prozent.
Zölle und US-Dollar senken Teuerung – Langfristig Aufwärtsdruck
Das aktuell wichtigste Szenario im EZB-Kalkül ist ein weiteres Absinken der Teuerungsrate. Befeuert würde dieser Trend insbesondere durch hohe Trump-Zölle und einen starken US-Dollar, denn beides würde die Euro-Konjunktur schwächen. Aber auch Billigimporte aus China führen zu Disinflation.
„Der stärkere Euro und die erneuten Zolldrohungen erhöhen den disinflationären Druck in der Eurozone deutlich“, warnt etwa der ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski. Auch er rechnet mit einer weiteren Zinssenkung im September. Langfristig sieht er Aufwärtsdruck durch hohe Staatsausgaben.
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EZB-Tauben und -Falken uneins – Prognose: sinkende Inflationsrate
Die Messlatte für weitere Zinssenkungen in der Eurozone liege hoch, meinte kürzlich EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel in einem Interview mit econostream-media.com. Der italienische Notenbankchef Fabio Panetta hingegen ist für weitere Lockerungen offen.
Für Anfang 2026 rechnet die EZB zunächst mit nur noch 1,4 Prozent Inflation. Die Projektion geht von 2 Prozent Preisauftrieb im Gesamtjahr 2025 aus. 1,6 Prozent beträgt der Schätzwert für 2026, 2 Prozent für das Jahr 2027. Im September kommt eine neue, aktualisierte EZB-Prognose.
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung am 24. Juli 2025 um 14.45 Uhr (MESZ).


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