
Die Inflation im Euroraum ist auf einem guten Weg. (Foto: Freepik, Who is Danny)
Frankfurt am Main – Was genau Trumps Zoll Orgie für Europa bedeutet, ist noch nicht klar. Aber eine Wachstumsdelle dürfte wahrscheinlich sein. Heute hat die Europäische Zentralbank der Euro-Konjunktur Rückenwind gegeben und wie erwartet die Leitzinsen abermals um 0,25 Prozent gesenkt.
„Der Disinflationsprozess schreitet gut voran“, heißt es im Statement der EZB-Rats-Mitglieder um Präsidentin Christine Lagarde. Allerdings dürften sich die Handelsspannungen und die negative und volatile Marktreaktion restriktiv auf die Finanzierungsbedingungen auswirken, was die Wirtschaftsaussichten im Euroraum belasten könne.
Die Teuerung im Euroraum liegt mit 2,2 Prozent Preisauftrieb im März nah am 2-Prozent-Ziel der EZB. Rückläufig war zudem die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel mit 2,4 Prozent im Jahresvergleich. Die hohe Dienstleistungsinflation schwächte sich auf 3,4 Prozent ab.
Die neuen Leitzins-Sätze – andere Situation in den USA
Nach dem heutigen Zins-Entscheid beträgt der Einlagenzins, der für Sparer und Kredite wichtig ist, nun 2,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem Banken von der EZB frisches Geld erhalten, notiert aktuell bei 2,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent.
Völlig anders ist die Lage in den USA: Die US-Notenbank Federal Reserve hält nun schon seit 3 Sitzungen den Leitzins stabil – auf dem deutlich restriktiveren Niveau von 425 bis 450 Basispunkten. Die Zölle dürften die Konjunktur dämpfen, aber auch die Preise antreiben – ein Dilemma für die Fed.
Wachstumsprognose gesenkt – Abwärtsrisiken durch Zölle
Doch Trumps Zollansagen sind eine Wundertüte. Strittig ist, wie US-Zölle auf die Euro-Inflation wirken, zumal auch Gegenzölle und der Handelskrieg mit China hineinspielen. Ziemlich sicher aber bremsen Zölle das Wachstum – die EZB hat ihre Prognose 2025 bereits auf 0,9 Prozent gesenkt.
Die neue Handelsrealität habe die EZB überholt, meint Ulrike Kastens, Senior Economist Europe bei der DWS. „Die deutliche Erhöhung der Zölle auf europäische Exporte in die USA und die damit verbundene Unsicherheit haben die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft im Jahr 2025 deutlich erhöht.“
Markt-Prognose Euro-Leitzins
Die Märkte rechnen einstweilen damit, dass die europäischen Notenbanker im laufenden Jahr noch stärker die Konjunktur stützen. Während Anfang April der für Ende 2025 erwartete Einlagenzinssatz noch 2 Prozent betrug, gehen die Wetten mittlerweile eher Richtung 1,75 oder 1,5 Prozent.
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Zinsentscheidung am 17. April 2025 um 14.30 Uhr (MESZ).


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