
Trotz gesunkener Energiepreise in der Eurozone ist eine Zinssenkung vorerst eher unwahrscheinlich. (Foto: Magnific.com, Muhammad Shoaib)
Luxemburg – Starker Inflationsrückgang in der Eurozone: 2,8 Prozent betrug die Teuerung im Juni, wie die Statistikbehörde Eurostat heute in einer ersten Schätzung bekanntgab – nach 3,2 Prozent im Mai. Ökonomen hatten einen etwas schwächeren Rückgang auf 3 Prozent im Jahresvergleich prognostiziert.
Am stärksten stiegen im Juni wie erwartet die Energiepreise – plus 8,7 Prozent im Jahresvergleich bedeutet aber eine Abschwächung des Auftriebs gegenüber dem Vormonat (10,8 Prozent). Nahrungs- und Genussmittel verteuerten sich um 1,6 Prozent. Die Inflation bei Dienstleistungen betrug 3,2 Prozent. Bei 2,4 Prozent lag die Kernrate ohne Energie, Nahrungs- und Genussmittel.
Insgesamt ist der Preistrend in Europa uneinheitlich: Die deutsche Inflationsrate überraschte am Dienstag mit 2,3 Prozent, in Spanien waren es 3,2 Prozent. In Frankreich sanken die Energiekosten stark, die Inflation ging auf 2 Prozent zurück.
Das Wichtigste zu Inflation in der Eurozone
- Rückgang der Inflation in der Eurozone auf 2,8 Prozent im Juni 2026
- Die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie sinkt auf 2,4 Prozent.
- Aufgrund der Daten wird eine Zinspause der EZB bei der kommenden Sitzung erwartet.
“Angesichts der weiter fallenden Benzin- und Dieselpreise überwiegen mit Blick auf unsere Prognose die Abwärts- gegenüber den Aufwärtsrisiken”, schrieb Daniel Hartmann, Chefvolkswirt der Bantleon AG, vor der heutigen Datenveröffentlichung. Die schlimmsten Befürchtungen hätten sich nicht bewahrheitet, die Rate dürfte in den kommenden Monaten unter der EZB-Projektion liegen, so der Ökonom in einer Analyse.
Mittelfristiger Trend der Teuerung – geopolitische Gefahren
Die Konsumenten in der Eurozone sehen unterdessen die Preisaussichten optimistischer: Nach einer aktuellen Umfrage der Europäischen Zentralbank gehen sie von einer Jahresrate von 3,5 Prozent für die nächsten 12 Monate aus. Im Vormonat lag die Inflationsprognose der Euro-Verbraucher noch bei 4 Prozent.
Externe Schocks können die Preise allerdings jederzeit wieder spürbar treiben. Vor allem geopolitische Konflikte spielen eine zentrale Rolle bei den Aufwärtsrisiken. Der wirtschaftliche Ausblick hat sich seit dem Ausbruch des Konflikts zwischen dem Iran, den USA und Israel eingetrübt.
Zinspolitik der EZB: Leitzins und Marktprognose
Die Europäische Zentralbank fährt derzeit auf Sicht. Angesichts des Energiepreis-Schocks haben die Währungshüter im Juni erstmals seit einem Jahr die Leitzinsen verändert und um 25 Basispunkte nach oben gesetzt. Der für Sparer und Kredite wichtige Einlagezins steht jetzt bei 2,25 Prozent.
Die europäischen Notenbanker Joachim Nagel und Philip Lane rechnen weiterhin mit einer erhöhten Inflation und warnen vor schnellen Lockerungen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde dämpfte jedoch aufkommende Preisangst und plädiert für eine Politik mit Augenmaß. Sie erklärte beim EZB-Forum in Portugal, dass heute weniger Inflationskampf nötig sei als in den turbulenten Jahren 2022 und 2023.
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Inflationsdaten am 1. Juni 2026 um 11.25 Uhr (MESZ).



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