
Unsichere Zeiten auf dem US-Arbeitsmarkt (Foto: Freepik, Materus)
Washington – Kommt sie? Eher nicht. Die wohl meistbeachtete Wirtschaftsstatistik der Welt, der US-Arbeitsmarktbericht, dürfte heute ausfallen. Denn die US-Behörden haben weitgehend die Arbeit eingestellt, auch das Bureau of Labor Statistics hat alle Veröffentlichungen abgesagt – weil Republikaner und Demokraten sich am Dienstag nicht auf einen Haushalt einigen konnten.
Der Shutdown trifft Investoren weltweit. Prognosen gehen von einem moderaten Stellenzuwachs im September aus. 50.000 neue Jobs erwarten Ökonomen laut einer Reuters-Umfrage. 22.000 waren es im August, der Schnitt seit Juni lag bei 29.000. Die Arbeitslosenquote soll weiter 4,3 Prozent betragen.
Der aktuelle Stillstand könnte über das übliche Ritual im Kongress hinausgehen. Zwar zeigen sich die Märkte noch unbeeindruckt angesichts der Haushaltskrise und des unterbrochenen Datenstroms. Doch viele fürchten verhärtete Fronten, langen Stillstand – und rigorosen Staatsrückbau durch Trump.
ADP-Report meldet Jobabbau – aber Zahl der offene Stellen steigt
Nicht vom Shutdown betroffen ist die private Statistik, so der ADP-Report letzten Mittwoch. Der Lohndienstleister ADP hat für September einen Stellenrückgang ermittelt: 32.000 Jobs sind in der Privatwirtschaft weggefallen – dabei hatten Experten einen Zuwachs von 45.000 prognostiziert.
“Trotz des starken Wirtschaftswachstums im zweiten Quartal bestätigt die Veröffentlichung dieses Monats erneut, was wir auf dem Arbeitsmarkt beobachten, nämlich dass die US-Arbeitgeber bei der Einstellung von Mitarbeitern zurückhaltend sind”, kommentierte ADP-Chefökonomin Nela Richardson.
Doch nicht alle Indikatoren weisen in dieselbe Richtung: So stieg die Zahl der offenen Stellen in den USA zu Ende August um 19.000 auf 7,227 Millionen – dabei hatten Experten nur 7,185 Millionen erwartet. Eine höhere Arbeitskräftenachfrage deutet auf Dynamisierung und Wachstum hin.
Unsicherheit durch Trump-Zölle – Stellenflaute ist kein Abschwung
Große Unbekannte im US-Konjunktur-Puzzle bleibt die sprunghafte Zollpolitik von Präsident Trump. Sie war ein Grund für das Zögern der Notenbank Federal Reserve, die Zinsen zu senken. Ökonomen erwarten Zolleffekte auf die Inflation, sehen aber auch die Möglichkeit, dass Unsicherheit den Arbeitsmarkt hemmt.
Gibt es Zeichen einer Rezession? „Ich möchte das nicht überbewerten“, kommentierte der Präsident der Chicago Fed Austan Goolsbee den schwachen Stellenzuwachs. Viele Indikatoren deuteten nicht auf einen Abschwung hin. Weniger neue Jobs – das könnte auch eine Folge geringerer Einwanderung sein.
Arbeitsmarkt im Fokus der Fed – Prognose des FedWatch Tools
Trotzdem: Der Fokus der Fed ist von der Inflation zum Arbeitsmarkt gewandert. Das haben die Notenbanker jüngst mit der ersten Zinssenkung seit Dezember 2024 unterstrichen. Bei 4 bis 4,25 Prozent liegt der Leitzins nun. Dabei zieht die Teuerung wieder an, lag im September bei 2,9 Prozent.
Welche Zinsentwicklung erwarten die Termin-Märkte? Laut FedWatch Tool liegt die Chance für eine Zinssenkung um 0,25 Prozent bei der Fed-Sitzung am 29. Oktober bei 98,9 Prozent. Ein weiterer Schritt am 10. Dezember ist zu 86,7 Prozent wahrscheinlich. (Stand: 2. Oktober, 15.25 Uhr MESZ)



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