
Die Preise steigen wieder stärker. Wird die Europäische Zentralbank die Leitzinsen anpassen? (Foto: Freepik, maxx-studio)
Wiesbaden/Frankfurt – Entwarnung an der Preisfront? Die Mai-Inflation in Deutschland fällt nach einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamts geringer aus als erwartet: 2,6 Prozent Gesamtinflation im Jahresvergleich – nach 2,9 Prozent noch im April. Prognosen waren von 2,8 Prozent ausgegangen.
Preistreiber Nummer 1 waren im Mai erwartungsgemäß die Kosten für Energie mit plus 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat (April: 10,1 Prozent). Lebensmittel verteuerten sich nur um 0,4 Prozent, ebenfalls weniger als im April (1,2 Prozent) Die Jahresrate im Bereich Dienstleistungen betrug 3,1 Prozent.
Etwas gestiegen ist die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel, von 2,3 auf 2,5 Prozent im Jahresvergleich. Die Kernrate gibt präziser den Preisauftrieb an der wirtschaftlichen Basis an.
Erzeugerpreise als Indikator für den Preistrend
Ein Frühindikator für die allgemeine Inflation in Deutschland sind die Preise auf B2B-Ebene. Der Erzeugerpreisindex gewerblicher Produkte stieg im April von 1,2 auf 1,7 Prozent im Jahresvergleich. Und die Importpreise legten im März um 2,3 Prozent im Jahresvergleich und 3,6 Prozent im Vergleich zum Februar zu.
Die Teuerung hatte sich vor dem Iran-Krieg rund um den Zielwert von 2 Prozent eingependelt. Im Februar 2026 betrug die Rate noch moderate 1,9 Prozent. Im März zog der Wert jedoch auf 2,7 Prozent an. Die April-Inflation war mit 2,9 Prozent so hoch wie seit Januar 2024 nicht.
Geopolitische Schocks: Energiepreise belasten Wirtschaft
Aufwärtsrisiken befeuern den Preisdruck in Deutschland. Die Störung der Schifffahrt in der Straße von Hormus treibt Ölpreise und Gaspreise massiv. Transport, Lebensmittel und Wohnen verteuern sich. Zuletzt stiegen die Reallöhne in Deutschland stärker als die Inflation – das könnte sich bald wieder umkehren.
Die Europäische Zentralbank agiert daher in einem fragilen wirtschaftlichen Umfeld. Der Einlagenzins verharrt seit einiger Zeit bei 2 Prozent. Die Währungshüter pausierten zuletzt und verfolgten eine abwartende Strategie. Das Mandat der Preisstabilität könnte die EZB jedoch bald zum Handeln zwingen.
Prognose – EZB-Zinsentscheid im Juni 2026
EZB-Direktorin Isabel Schnabel warnt auf manager-magazin.de vor den dramatischen Folgen des Angebotsschocks. Sie betont: „Selbst, wenn der Krieg heute enden würde, ist der Energieinfrastruktur und den globalen Lieferketten bereits erheblicher Schaden zugefügt worden.“ Eine geldpolitische Reaktion sei daher unabdingbar, auch wenn dies die Konjunktur belaste.
Was sagen die Märkte? Laut ecb-watch.eu beträgt die Chance für eine Anhebung des Einlagenzinssatzes um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent bei der nächsten Notenbank-Sitzung am 11. Juni 92 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Zinssatz nach der Sitzung am 23. Juli ebenfalls bei 2,25 liegt, beträgt demnach 66 Prozent. (Stand: 29. Mai, 14.22 Uhr MESZ)
Aktualisiert nach Bekanntgabe der Inflationsraten am 29. Mai 2026 um 14.25 Uhr (MESZ).



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